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Neuanfang in der Gemeinde Lahntal

Flüchtlingshilfe Neuanfang in der Gemeinde Lahntal

In der Gemeinde Lahntal leben derzeit rund 100 Flüchtlinge. Seit dem 9. Dezember ist dort eine Flüchtlingsbeauftragte im Einsatz. Und bereits seit 1. Dezember ein Betreuer von der Kirchengemeinde.

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Sigrid Wojke und Mehmet Kirok im Banghaus in Goßfelden.

Quelle: Thorsten Richter

Caldern. Elham öffnet die Tür und begrüßt ihre Besucher. Im Wohnzimmer hat sie Süßigkeiten liebevoll auf dem Tisch bereitgestellt. Bietet ihren Gästen immer wieder etwas an, wenn sie nicht von sich aus zugreifen. Sie, ihr Mann und die drei Kinder sind von Syrien aus über Griechenland im November im Landkreis angekommen. Sie haben Glück. In Caldern gab es eine Wohnung, in die sie nach dem Camp-Aufenthalt in Marburg einziehen konnten.

In regelmäßigen Abständen kommt Sigrid Wojke bei ihnen vorbei, sie ist die Flüchtlingsbeauftragte der Gemeinde Lahntal. Und nicht unbedingt allein. Da ist noch Ahmed Abdellatif, der Nachbar, der die Sprache spricht und der Familie hilft. Bei Einkäufen und wenn ein Arztbesuch nötig ist. Und da ist noch Mehmet Kirok. Er ist Flüchtlingsbetreuer der Kirchengemeinde. Die drei sind ein Team, das Flüchtlingen hilft, die in der Gemeinde Lahntal ein neues Zuhause suchen. „Flüchtlinge sind es für mich gar nicht mehr“, sagt Sigrid Wojke. „Es sind Neubürger, die hier angekommen sind.“

Zu tun hat die Gemeindeangestellte genug. Elhams Kinder beispielsweise sind im Alter von 7, 9 und 11 Jahren. Sie sind in der Schule angemeldet, aber noch zu Hause. Die Untersuchung im  Gesundheitsamt haben sie zügig erledigt, trotzdem „passiert nichts“, sagt Sigrid Wojke. Auch mit den Krankenscheinen für Arztbesuche hapert es nach den Worten der Flüchtlingsbeauftragten. Sie ist ständig im Kontakt mit dem Landkreis, kümmert sich um die Belegung und ist Anlaufstelle für Ehrenamtliche. „Wir brauchen noch Wohnraum“, sagt Sigrid Wojke. Sie hofft, dass sich noch Privatvermieter finden, die Leerstand haben.  

Deutsch lernen mit der Hilfe der Ehrenamtlichen

„Mein Mann ist im Sprachkurs“, erzählt Elham mit Blick auf ihre Kinder, die hin und wieder ins Wohnzimmer kommen. Sie selbst möchte das auch so schnell wie möglich. Doch solange die Kinder nicht in die Schule gehen, muss sie auf sie aufpassen. Da die junge Frau sehr ehrgeizig und fleißig ist, lernt sie für sich. Mit der Hilfe von Ehrenamtlichen. Die sind in der Gemeinde Lahntal sehr rührig. Im Begegnungs­cafe in Goßfelden beispielsweise gibt es regelmäßige Angebote. Dort wird alles besprochen, was für die Neubürger von Bedeutung ist: angefangen von der Mülltrennung bis hin zum Ärzteangebot in der Umgebung.

In dem Café hat Mehmet Kirok ein „Küchenbüro“. Dort ist er mittwochs von 10 bis 14 Uhr anzutreffen sowie donnerstags von 10 bis 17 Uhr. „Jeder kann mit Fragen kommen“, sagt der Flüchtlingsbetreuer der Kirche, dessen Arbeit sich nur in einem Punkt von der der Gemeindeangestellten unterscheidet: Er hat nichts mit der Wohnungsbelegung zu tun.

Angebote für die neuen Bürger gibt es auch auf Krafts Hof in Sterzhausen, wo im Musikraum regelmäßig gesungen wird und dazu Instrumente ausprobiert werden. Innerhalb der Gemeinde können sich die Flüchtlinge mit dem Bürgerbus bewegen. Ehrenamtliche bringen ihnen bei, wie das funktioniert. Elham fährt so auch schon allein zum Einkaufen. Doch das ist nicht die einzige Aktivität. „Ich mache Sport“, erzählt sie. Ihre Tochter geht zum Kinderturnen und Tanzen, für die Söhne wird noch ein Fußballverein gesucht.

Für Elham war die Flucht der einzige Ausweg

„Ich bin glücklich über den Aufenthalt in Deutschland, und ich danke Deutschland und seiner Politik“, sagt die 27-Jährige. In ihrer Heimat hat Elham die Schule besucht und wollte Biologie oder Ernährungswissenschaft studieren. Doch dann kam der Krieg. Es wurde gefährlich. „Die Kinder konnten nicht mehr zur Schule gehen und haben aufgrund mangelnder Elektrizität bei Kerzenschein Lesen und Schreiben gelernt“, erläutert Ahmed Abdellatif. Die Familie hatte eine Stoff-Fabrik, ein Haus und ein Auto. Aber das wurde durch den Krieg zerstört, sodass es für sie keinen anderen Ausweg mehr gab, als ihre Heimat zu verlassen. Nun hoffen sie in Deutschland auf einen Neuanfang – sehr gern in der Gemeinde Lahntal.

Wer die Neuankommenden Flüchtlinge in der Gemeinde unterstützen möchte, wendet sich an Sigrid Wojke unter Telefon 06420/823048 oder Mehmet Kirok unter Telefon 0163/4006729.

von Heike Horst

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