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Nächstes Bioenergiedorf könnte Schönstadt heißen

Bioenergiedorf Nächstes Bioenergiedorf könnte Schönstadt heißen

Optimismus pur wurde bei der Bürgerversammlung zur Nahwärme­nutzung in Schönstadt vermittelt. Am Donnerstag soll die Genossenschaft gegründet werden.

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Das volle Bürgerhaus belegte das große Interesse an der Nahwärmeversorgung.

Quelle: Manfred Schubert

Schönstadt. „Zögern sie nicht – machen sie mit!“, lautete die eindeutige Empfehlung von Oliver Berghamer an die Schönstädter. Der Ingenieur von der Energie Agentur Berghamer und Penzkofer aus Moosburg stellte während der Versammlung im Bürgerhaus vor etwa 240 Zuhörern die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie zum Nahwärmenetz in Schönstadt vor.

Angesichts der zahlreichen Vorteile, die er skizzierte, wie geringeren Heizkosten von Anfang an, zusätzlichem Nutzraum durch den Wegfall von Tank und Kessel, der Steigerung des Gebäudewerts, vermindertem Nachrüst-Risiko, einer „seniorengerechten Heizung“, bei der sich die Genossenschaft bei Defekten um die Reparatur kümmert, sollte es eigentlich kein Problem sein, die für eine wirtschaftliche Umsetzung nötige Mindestzahl von 205 Wärmeabnehmern für einen Beitritt zur Genossenschaft zu gewinnen.

Ganz abgesehen von den ökologischen Vorteilen, die das Heizen mit nachwachsenden Rohstoffen bringe und der Wertschöpfung, die in der Region bleibe. Die Kosten liegen bei 5.000 Euro Genossenschaftsbeitrag, 11,90 Euro monatlichem Grundbeitrag und 9,76 Cent pro Kilowattstunde Wärme. In den 5.000 Euro, die auch in Raten gezahlt werden können, aber spätestens mit dem Anschluss ans Netz fällig werden sollen, sind die Planung der gesamten Nahwärmeanlage, der Bau der Übergabestation vom Heizkraftwerk der Firma Holz Schmidt zum Versorgungsnetz, die Verlegung des Netzes und der Bau der Hausanschlüsse bis zur ebenfalls Übergabestation enthalten.

Walter Fürstenberg von der Projektgruppe „Nahwärme Schönstadt“ rechnete vor, dass man bei einem jährlichen Ölverbrauch von 2.800 Litern beim heutigen Preis 443 Euro pro Jahr sparen würde und somit in elf Jahren den Genossenschaftsanteil wieder herausgeholt hätte. „In Oberrosphe war anfangs die Nahwärme teurer als Öl, jetzt ist sie schon billiger. Bei uns wird sie dies von Anfang an sein. Wer glaubt, der Ölpreis fällt wieder auf 40 Cent, soll dabei bleiben, in dem Fall gebe ich 100 Liter Bier aus!“, versprach er.

Berghamer ergänzte, man müsse hinzurechnen, dass Heizungsreparaturen auf eigene Kosten durchzuführen seien und nach 20 Jahren wieder in einen neuen Ölkessel investiert werden müsse, wobei es seiner Meinung nach dann gar keine mehr zu kaufen geben werde.

Über 20 Jahre rechne er mit einem Kostenvorteil der Nahwärme von 10.000 bis 30.000 Euro gegenüber Öl. „Wir können jedem Bürger in Schönstadt aus ganzem Herzen zum Anschluss raten. Die Biowärme könnte ab Oktober 2012 geliefert werden. Wir empfehlen umgehend die Gründung der Genossenschaft, weil dies Zeit in Anspruch nimmt“, so Berghamer.

Hans-Jochen Henkel, aus Schönstadt stammender Vorstandsvorsitzender des Bioenergiedorf Oberrosphe, konnte sich da nur anschließen: „Zu den Zahlen braucht man gar nichts zu sagen, gründet schnell die Genossenschaft und fangt an.“

Die Investitionssumme für 9.200 Meter Netz, Anschluss Holzwerk und Spitzenkessel gab Berghamer mit 5.131.000 Euro an, Zuschüsse seien in Höhe von 1.231.600 Euro zu erwarten, bei 205 Genossenschaftern verbliebe eine Finanzierungssumme von 2.874.400 Euro.

Wenn die Gründung am 7. April gelingt, soll ein Vertrag mit der Firma Holz Schmidt 20 Jahre Liefersicherheit gewährleisten. Was nach dieser Zeit sei oder wenn es der Firma in fünf Jahren nicht gut gehe, fragten Zuhörer. Ingenieur Steffen Peters, der die erste Machbarkeitsstudie aus technischer Sicht erstellt hatte, sagte, Sicherheit auf 20 Jahre könne sonst auch kaum eine Firma bieten. Geschäftsführer Helmut Schmidt wies auf das über 100-jährige Bestehen der Firma Holz Schmidt hin. Er denke, selbst im Fall einer Insolvenz könne die Genossenschaft das Heizkraftwerk günstig erwerben.

Eine andere Frage zielte darauf ab, ob man sich auch später anschließen lassen könne. Rolf Beuermann von der Projektgruppe stellte klar, dass die Genossenschaft es sich nicht leisten könne, mehr Leitungen zu legen, um sie für später Entschlossene vorzuhalten. Ob theoretisch später doch ein Anschluss möglich sei, wisse er nicht, jedenfalls müsste man dann das Aufbaggern und weiteres selber zahlen.

Ortsvorsteherin Carola Carius, die eingangs einen Überblick von den ersten Überlegungen zum Bau eines Heizkraftwerkes 2006 bis zum Nahwärmeanschluss vom Hof Fleckenbühl im Januar 2010 gab, sagte, es dränge sich geradezu auf, die Abwärme des Blockheizkraftwerks zu nutzen. Berghamer hatte das aus Holzhackschnitzeln mit Kraft-Wärme-Kopplung erzeugte Abwärmepotenzial als „Geschenk“ bezeichnet. Die Genossenschaft in Oberrosphe musste ihr Heizwerk selbst errichten und sich fortlaufend um den Betrieb und den Einkauf der Rohstoffe kümmern. Neben Wetters Bürgermeister Kai-Uwe Spanka und Landrat Robert Fischbach nahm Cölbes Bürgermeister Volker Carle an der Versammlung teil, der von einem der „schönsten Termine seiner Amtszeit für die Gemeinde“ sprach. Er erwähnte die Ereignisse in Japan und erklärte, die Gemeinde werde der Genossenschaft beitreten und sich um Kredite zu günstigen Konditionen bemühen. In der Hoffnung auf die Nahwärme sei auch die alte Heizung des Bürgerhauses noch nicht ersetzt worden. Vertreter von Volksbank und Sparkasse waren ebenfalls anwesend, Heinrich-Wilhelm Reitz von der Volksbank Mittelhessen versprach gute Konditionen. „Sie können aus vollem Herzen mit unserer Unterstützung rechnen.“

Die Genossenschaftsgründung soll am 7. April um 19 Uhr im Bürgerhaus stattfinden. Informationen im Internet unter www.schoenstadt.net

von Manfred Schubert

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