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Nabu zieht Klage gegen Straße zurück

B 252 neu Nabu zieht Klage gegen Straße zurück

Der Nabu Hessen zieht die im Oktober eingereichte Klage gegen den Planfeststellungs-Beschluss zum Bau der B 252n (="neu") von Lahntal nach Münchhausen zurück.

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Quelle: Montage: Pavlenko

Cölbe. Auf neutralem Gebiet, nämlich in Cölbe, verkündeten gestern Landesvorsitzender Gerhard Eppler und Landesgeschäftsführer Hartmut Mai für den Naturschutzbund Hessen, dass der Nabu seine eingereichte Klage gegen den Planfeststellungsbeschluss zum Neubau der B 252 zurückziehen wird. Eppler erklärte, dass eine Klage letztlich nur dazu führe, das Verfahren zu Lasten der Bevölkerung im Wetschaftstal weiter in die Länge zu ziehen. Selbst im Falle eines Sieges könnte der Nabu seinen Wunsch nach dem Bau der optimierten Mitteltrasse nicht mehr realisieren. Dieser wurde schon vor Jahren von den Planungsbehörden verworfen.

Danach sollte die Straße nach der Umgehung von Todenhausen in Richtung Wetter wieder auf die bestehende B 252 zurückgeführt werden und dann östlich um Wetter geführt werden. „Das ist die Variante, die den geringsten Eingriff in die Natur nach sich ziehen würde“, so Eppler, der auch bekräftigt: „Es war nie unser Ziel, den Ausbau der B 252 komplett zu verhindern, wir hätten nur eine für die Natur verträglichere Trassenvariante bevorzugt.“ Die Bürgermeister der drei betroffenen Kommunen Münchhausen, Lahntal und Wetter freuen sich über diese Nachricht und setzten darauf, dass nun auch Geld in die Hand genommen wird, um das 94 Millionen Euro teure Straßenprojekt anzugehen.

Immerhin haben die Behörden auch bei bestehendem Baurecht eine dreijährige Bauvorbereitung und eine sechs Jahre dauernde Umsetzung vorgesehen. „Ich bin trotzdem zuversichtlich, dass wir 2014 den Spatenstich erleben werden“, sagt Wetters Bürgermeister Kai-Uwe Spanka. Natürlich nahm er auch zur Kenntnis, dass der Landwirt, der mit dem Nabu zusammen Klage eingereicht hatte, diese noch nicht zurückgezogen hat. „Das kann ich auch nicht, denn so wie die Dinge jetzt stehen, ist mein Betrieb in seiner Existenz bedroht“, sagte der Landwirt gestern gegenüber der OP.

„Jetzt ist die Politik gefragt und muss zeigen, dass sie es ernst meint mit der Ortsumgehung.“ (Gerhard Eppler)

Diese Aussage sei nicht seine Sicht, sondern das Ergebnis eines Gutachtens, das HessenMobil in Auftrag gegeben hatte. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben mit Sitz in Frankfurt habe dabei festgestellt, dass der Flächenverlust für den Landwirt enorm ist und er dafür keinen adäquaten Ersatz bekomme. „Wir reden hier von Flächen von zehn Hektar“, macht er deutlich und moniert, dass es bei einem so großen Straßenbauprojekt wie diesem von behördlicher Seite aus kein Flurbereinigungsverfahren geben soll. „Dafür müssen wir uns einsetzen“, sagt Spanka, der durchaus Verständnis für die Lage des Landwirts hat.

Er hofft, dass sich dieses Problem auch ohne Klage lösen lässt. Der Landwirt wäre auch an einer vernünftigen Lösung interessiert, die eine Klage überflüssig macht. „Aber solange ich in dieser Situation bin, muss ich die Klage begründen und aufrechterhalten“, machte er gegenüber der OP deutlich. Und: „ich bin jederzeit wie schon zuvor gesprächsbereit. Ich hätte zwar auch die optimierte Variante des Nabu bevorzugt, aber auch ich bin kein genereller Gegner der Ortsumgehung.“

Hermann Schmack und Helmut Jesberg von der Nabu-Ortsgruppe Wetter sind froh, dass der Nabu Hessen die Klage fallen lässt. Aber ihre Freude ist nur klein, wissen die beiden auch, dass die Nabu-Ortsgruppe Lahntal keineswegs zufrieden mit dieser Entscheidung ist. Sie hatte sich für die Klage ausgesprochen. „Mag sein, dass sich jetzt der eine oder andere von uns verraten fühlt“, sagt Mai. Das müsse der Nabu Hessen jetzt aushalten. „Jetzt ist die Politik gefragt und muss zeigen, dass sie es ernst meint mit der Ortsumgehung“, sagte Eppler.

Die Bauvorbereitungszeit von drei Jahren empfindet er als ungewöhnlich. „Die Gesundheit der Menschen vor Ort scheint Politik und Straßenplanern nicht wirklich vorrangig wichtig zu sein.“ Eppler deshalb: Es muss eine kurzfristige Entlastung her. Er forderte den hessischen Minister Florian Rentsch auf, auf der Strecke ein Durchfahrtsverbot für den LKW-Fernverkehr auszusprechen.

von Götz Schaub

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