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Musik und Texte über Flucht und Heimat

Nouruz in Bürgeln Musik und Texte über Flucht und Heimat

Unter dem Motto „Flucht, Hoffnung, Heimat“ hatte der Kulturverein Alte Kirche Bürgeln zu einem Willkommens-Abend für Flüchtlinge eingeladen.

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Rita Mahmudi (vorn von links), Monika Weber-Buchstab und Ute Ramb vom Cölber Arbeitskreis Flüchtlingshilfe lasen Dialoge von Bertolt Brecht. Hinten die Musiker der Gruppe Interim aus Wetzlar: George Obeid (von links), Leiter Youssef Nasif und Bayan Ahmad.

Quelle: Manfred Schubert

Bürgeln. Mit dem Frühling beginnt auch Nouruz, das von mehr als 300 Millionen Menschen gefeierte orientalische Neujahrsfest.

Dass drei professionelle Musiker aus Syrien den etwa 70 Gästen in der Alten Kirche einen besonderen Hörgenuss bereiteten, hat auch deren Flucht vor dem Bürgerkrieg in ihrer Heimat zum Hintergrund. Der Leiter der Gruppe Interim aus Wetzlar, Youssef Nasif, hatte ab 2007 sechs Jahre lang syrische sowie klassische westliche Musik studiert. Das kam vor allem in den Eigenkompositionen des virtuosen Kanun-Spielers zum Ausdruck, zart perlenden, manchmal etwas melancholisch anmutenden Stücken, die westliche und östliche Einflüsse verbanden.

Die Kanun, eine orientalische Kastenzither, die Nasif spielt, kann über Hebelchen an den Saitenzügen in Schritten von 0,1 Noten verändert werden. Wie er einigen Besuchern in der Pause erläuterte, gebe es wie im Westen sieben Noten in der syrischen Musik, aber nicht nur Dur und Moll, sondern 323 Tonarten.

Bei den traditionellen Stücken ging es wesentlich rhythmischer zu. Begleitet wurde Nasif von George Obeid auf der Darbuka, einer Bechertrommel, und auf der Baglama, einer Laute, von Bayan Ahmad, der außerdem den Gesang übernahm. Die Zuhörer klatschten nicht nur mit, sondern stimmten sogar nach kurzem Üben in den Refrain eines traditionellen kurdischen Liedes ein.

Bürgermeister Volker Carle hatte in einer kurzen Ansprache nach dem ersten Stück betont, dass die Flüchtlinge derzeit nicht aus freien Stücken zu uns kommen, und Verwandte, Freunde, Nachbarn in ihren normalerweise ebenfalls schönen Ländern zurückließen. Wenn sie nun bei uns wohnen, so hätten sie auch ein Recht darauf, ihre Kultur zu leben. Und an diesem Tag sei Gelegenheit, zu zeigen, dass man sehr gut mit- als gegeneinander leben kann.

Cölbe ist weltoffen,tolerant und hilfsbereit

Der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow hatte darauf hingewiesen, dass drei seiner Termine am selben Tag mit dem Nouruz-Fest zu tun hätten. „Wir sind schon auf dem besten Weg zur Miteinander-Kultur.

Der Vorsitzende der Cölber Gemeindevertretung, Christian Hölting, dankte den vielen Bürgern, welche sich ehrenamtlich für Flüchtlinge in Cölbe einsetzen. Diese Unterstützung gelte es zu erhalten.

Die Gemeindevertretung habe sich in den vergangenen Monaten mit der Unterbringung von Flüchtlingen in der Gemeinde beschäftigt und zwei Tage zuvor im Rahmen der Haushaltsverabschiedung den Cölber Arbeitskreis Flüchtlingshilfe mit einem Budget von 1000 Euro ausgestattet. Zudem habe sie Anfang des Jahres die Resolution „Flüchtlinge sind willkommen in der Gemeinde Cölbe!“ beschlossen.

Flüchtlinge sollen in der Gemeinde Cölbe zu Nachbarn und Freunden werden, betonte Hölting, und rief auf, die offiziellen Stellen bei der Suche und Herrichtung von Wohnraum, um Flüchtlinge angemessen unterzubringen, zu unterstützen. Cölbe solle sich weiterhin als engagierte, weltoffene und tolerante Gemeinde präsentieren; jeder Art von Fremdenfeindlichkeit und Rassismus müsse man entschieden entgegentreten.

Bürgelns Ortsvorsteher Jörg Block fragte, wie es wohl gewesen sei, als seine Mutter 1945 aus Danzig floh. Auch wenn die Umstände anders seien, komme es darauf an, wie die Menschen aufgenommen werden, meinte er, und trug das Gedicht „Emigrantenchoral“ von Walter Mehring vor.

Rita Mahmudi, Monika Weber-Buchstab und Ute Ramb vom Cölber Arbeitskreis Flüchtlingshilfe lasen zwischen den Musikstücken aus Bertolt Brechts „Flüchtlingsgesprächen“. Diese in den frühen 1940er Jahren geschriebenen Dialoge handeln vom Alltag der damals aus Deutschland Vertriebenen, „der Pass ist der edelste Teil von einem Menschen“, heißt es darin unter anderem.

von Manfred Schubert

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