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Zukunft des Fairkaufhauses gefährdet

Hilfsinitiative in Münchhausen Zukunft des Fairkaufhauses gefährdet

Es fehlt ihr an Freiwilligen und an der nötigen Unterstützung des Landkreises, potenzielle Helfer zu animieren, sagt Ursula Steinmetzger, Betreiberin des Fairkaufhauses. Der Landkreis antwortet und wird deutlich, woran es hakt.

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Das „Fairkaufhaus der Nächstenliebe“ in Münchhausen wird vom Verein Arche Wetter betrieben. Zuletzt oft nur von Ursula Steinmetzger. Bei schweren Tragearbeiten unterstützt sie ihr Sohn in seiner Freizeit. Derzeit ist es wegen Krankheit geschlossen.

Quelle: Privatfoto

Münchhausen. „Die Dankbarkeit des Staates, der Behörden und der Bürger erkennt man daran, mit welcher Gleichgültigkeit sie über die Notwendigkeit einer sozialen Hilfsinitiative hinwegsehen“, sagt eine deutlich frustrierte und enttäuschte Ursula Steinmetzger. Sie ist Vorsitzende des Vereins Arche Wetter, der unter anderem das Fairkaufhaus in Münchhausen betreibt mit dem Ziel, sozial schwächeren Menschen für kleines Geld wichtige Gegenstände für Wohnung und Leben bereitzustellen. „Man will helfen, uns unterstützt aber keiner. Ich kann die schweren Möbel nicht tragen“, sagt sie.

Zuletzt habe sie aufgrund von Krankheit erst gar nicht das Kaufhaus aufmachen können. „Aber die Leute verlassen sich doch darauf. Ich bekomme so viele Anrufe. Wenn ich keine Lösung finde, muss ich das Kaufhaus-Angebot aufgeben“, sagt Steinmetzger. Und dann wird sie konkret: „Weder vom Kreisjobcenter noch von der Freiwilligenagentur bekommt die Arche Wetter Helfer vermittelt. Viele stellen die Frage, warum es so ist, denn es könnten doch Langzeitarbeitslose etwas Soziales tun. Man übersieht gerne vieles, zum Beispiel die Unkosten, für die wir ehrenamtlich geradestehen müssen und auch, dass die Rentner Freizeit opfern.“ Trotz der Hilfen einiger Firmen und Unternehmer beobachte sie, dass die „Menschlichkeit, Nächstenliebe, Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft“ stark zurückgehe.

Landkreis weist Kritik am Kreisjobcenter zurück

Diese subjektive Feststellung zu kommentieren ist jetzt nicht das Thema des Landkreises. Er nimmt aber Stellung dazu, warum Ursula Steinmetzger beim Kreisjobcenter nicht die erhoffte Hilfe findet.

„Bei der Einrichtung von ­Arbeitsgelegenheiten geht es in erster Linie um die Perspektiven, die Lebenssituation der langzeitarbeitslosen Menschen zu stabilisieren, damit sie ihren­ Lebensunterhalt wieder unab­hängig von staatlichen Hilfen bestreiten können“, sagt Stephan Schienbein, Sprecher des Kreises. Und weiter: „Um die Arbeit im Rahmen von Arbeitsgelegenheiten zu unterstützen,­ bedarf es nach unserer Einschätzung auch eines Umfeldes und einer Betreuung, die geeignet sind, langzeitarbeitslose Menschen auf ihrem Weg in ­eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zielführend und sinnvoll zu begleiten.“

Und nun zum Verhältnis zur Vorsitzenden der Arche Wetter: „Mehrfache persönliche Begegnungen und konkrete Erfahrungen mit Frau Steinmetzger ließen jedoch deutliche Zweifel an der persönlichen Eignung von Frau Steinmetzger aufkommen, eine Betreuung von langzeitarbeitslosen Menschen zu organisieren und angemessen anzuleiten.“ Ursula Steinmetzger bestätigt gegenüber der OP, dass ihr diese Stellungnahme keineswegs neu ist. Aber sie will  diese nicht akzeptieren.

Immerhin haben ihr andere Einrichtungen, etwa die Eingliederungshilfe Marburg Leute geschickt. Dabei handelte es sich um Menschen, die vom Gericht auferlegte Arbeitsstunden ableisten mussten, sich aber danach dort nicht mehr weiter engagierten.

Ursula Steinmetzger sieht sich alleinegelassen

Und was ist mit der Freiwilligenagentur Marburg-Biedenkopf? Doris Heineck von der Freiwilligenagentur sieht in erster Linie den Standort Münchhausen als schwierig an. „Das ist von Marburg schon weit weg, da fahren hilfsbereite Studenten nicht einfach mal so schnell hin.“ Selbst auf eine Anzeige in „Marburg Extra“, ein Anzeigenblatt, das flächendeckend verteilt wird, gab es keine Resonanz. Allerdings berichtet sie auch von einem konkreten Fall, dass eine Person über die Freiwilligenagentur ausgeholfen hatte – allerdings noch in Wetter, nicht in Münchhausen. Diese habe dann aber aufgrund zwischenmenschlicher Probleme aufgegeben.

Ein klärendes Gespräch zu dritt, so Heineck, sei leider nie zu Stande gekommen. Steinmetzger sagt: „Wir erreichten so viel durch unsere Arbeit. Durch Sponsoren konnten wir einen Lkw kaufen und durch einen weiteren ­namenhaften Sponsor einen Café-Treff im Fairkaufhaus einrichten. Es war mein Wunsch, dass dort Menschen zusammenkommen. Ich erreichte­ auch, dass die Hessenschau zu uns kam. Das Fairkaufhaus und die Kleiderstuben in Battenberg und Gemünden/Wohra werden von Kunden angenommen.“ Der Beweis sei, dass der Verein für die immensen Unkosten aufkomme und darüber hinaus auch Spenden für Kranke gegeben habe.

Gleichzeitig betont sie aber auch, dass die Kosten für die Angebote des Vereins  Arche Wetter  ohne Spenden Dritter nicht zu finanzieren seien. Was das Fairkaufhaus angeht, ist die Zukunft ungewiss. Ursula Steinmetzger war in der jüngeren Vergangenheit krank, konnte mangels personeller Alternativen das Kaufhaus nicht öffnen.  

von Götz Schaub

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