Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / 1 ° Sprühregen

Navigation:
Wasser marsch, „das Haar muss triefen“

Schnatz- und Tuchlegeseminar Wasser marsch, „das Haar muss triefen“

„Oh je, armes Kind“, sagt Christa Fischer. Die elfjährige Laurien verzieht allerdings keine Miene, als Klaus-Peter Fett beherzt ihren Zopf richtet.

Voriger Artikel
Erpressung mit viel Humor
Nächster Artikel
Hessen, das Land der vielen Sagen

„Die Seitenansicht ist gut“, meint Klaus-Peter Fett zu dem Schnatz von Carmen Trusheim, den Vereinskollegin Tina Koch gelegt hat.

Quelle: Freya Altmüller

Wollmar. Der Knoten, der auf ihrem Kopf sitzt, muss noch ein wenig weiter nach hinten. „Eine Handbreit vom Ansatz entfernt“, erklärt Fett.

Der ehemalige Vorsitzende des Wollmarer Trachtenvereins hat vor den Auftritten der fünf Tanzgruppen bisher immer selbst dafür gesorgt, dass bei jedem die Frisur saß. In einem Schnatz- und Tuchlegeseminar am Sonntagnachmittag sollen die Teilnehmer nun lernen, wie sie sich selbst um ihre Haarpracht kümmern können.

Dafür haben sich mehrere Mädchen und Frauen als „Versuchskaninchen“ zur Verfügung gestellt. Die elfjährige Oberaspherin Laurien ist eine von ihnen. Christa Fischer flechtet zwei Zöpfe, einen etwas breiter, den anderen schmaler. Währenddessen geht die zweite Vorsitzende des Vereins, Kathrin Fischer, mit Kamm und Sprühflasche mit Wasser darin um das Mädchen herum, um abstehende Härchen anzulegen.

Als die Zöpfe fertig sind, erklärt Fett, dass zuerst der schmalere Zopf um den Knoten gelegt wird, danach der breitere in die andere Richtung. „Dann legen wir das Zipfelchen mit dem Gummi untendrunter.“ Mit Nadeln wird der Schnatz fixiert. „Und dann ist er eigentlich schon fertig, mehr ist das nicht“, sagt Fett. Später kann noch die Kappe darauf gesetzt werden, die den Schnatz verdeckt. Gut aussehen soll er trotzdem, findet Fett. Wer nicht so viele Haare hat, legt die Zöpfe nicht so eng, damit in der Mitte ein Nest entsteht.

 
Nachdem die elfjährige Laurien frisiert wurde, probiert sie sich selbst im Schnatzflechten aus, bei der Oberaspherin Julia Damm. Klaus-Peter Fett gibt Anweisungen. Foto: Freya Altmüller

„Richtig nass machen, das Haar muss triefen“, erklärt Fett Tina Koch. Sie frisiert Carmen Trusheim, die inzwischen auf dem Stuhl von Laurien Platz genommen hat. Fett nimmt die Wasser-Sprühflasche selbst in die Hand, bis Koch die Tropfen über das Gesicht laufen. Auch am Zopf legt er noch einmal Hand an. Das Haar liegt ihm nicht eng genug am Kopf an. „Das muss schon so streng sein, sonst fallen die Haare ständig wieder runter“, erklärt er, während er Trusheims Frisur bearbeitet. Die verzieht das Gesicht. „Wenn dich der Klaus-Peter gekämmt hat, brauchst du nicht mehr zum Liften“, scherzt eine Frau, die zuschaut.

„Früher haben sich die Trachtenfrauen die Haare mit Kaffeesatz gefärbt“, erzählt Fett. Den Kopf vornüber und dann das Pulver herausgekämmt, erklärt er die Methode. Karin Arnold aus Laisa erinnert sich, dass ihre Großmutter einen Schnatz trug. Damals wurden die Haare selten gewaschen, beispielsweise zu Ostern, erzählt die 59-Jährige. „Den ersten Tag danach hielten die Frisuren nicht, und die Frauen fühlten sich unwohl“, so Arnold.

Der Schnatz muss spitz gelegt sein, damit die Haube passt

In der Trachtengruppe des Heimatvereins in Laisa tanzten nur die jungen Frauen, deswegen sei sie nach Wollmar gekommen, um etwas auszuprobieren. Weil ihre Haare nicht so lang sind, hat sie einen künstlichen geflochtenen Zopf mitgebracht. Fett findet ihn zu dick und holt stattdessen zwei schmalere, die er auf ihrem Kopf drapiert. „Den Schnatz müssen wir spitz legen, damit die Haube noch drauf passt“, erklärt er. Die Spitze ist vorne, nach hinten läuft der Berg flach aus. „Die Seitenansicht ist gut“, lobt Fett den Schnatz von Carmen Trusheim, der inzwischen fertig ist. Mit Haarspray fixiert sie die Frisur, dann widmet sie sich ihrem Tuch. Eine Helferin faltet ein quadratisches Exemplar diagonal, sodass ein Dreieck entsteht. Jetzt will sie es in drei Falten legen.

„Du musst es einschlagen“, wirft Julia Damm ein, die als eines der „Versuchsobjekte“ auf einem Stuhl daneben sitzt. Die Helferin legt zwei Falten, dann kommt das Tuch in den Nacken. „Die dritte Falte legt sich automatisch, wenn die Trachtenträgerin vorne zuzieht“, erklärt Fett.

Die überschlagenen Enden werden mit einer Sicherheitsnadel am Rock befestigt, damit sie beim Tanzen nicht unter der Schürze herausrutschen. Mit einer Brosche wird das Tuch nahe am Hals fixiert.
Im letzten Workshop des Vereins haben die Frauen Haubenschachteln hergestellt. Als Nächstes wollen sie einen Korbflechter einladen, der ihnen sein Handwerk zeigt.

von Freya Altmüller

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr