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Schüler müssen zum Bahnhof „fliegen“

Kritik an Fahrplanänderung Schüler müssen zum Bahnhof „fliegen“

Zum Fahrplanwechsel im Dezember sollen sich auf der Burgwaldbahn die Abfahrtszeiten verändern. Die drei Fraktionen des Münchhäuser Parlaments sehen darin viele Nachteile für ihre Region.

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Die Burgwaldbahn im Bahnhof Münchhausen. Das Münchhäuser Parlament debattierte über zwei Veränderungen zum Fahrplanwechsel im Dezember.

Quelle: Thorsten Richter

Münchhausen. Per Dringlichkeitsantrag rückte die Unabhängige Grüne Liste (UGL) während der Parlamentssitzung am Mittwochabend im Bürgerhaus Münchhausen das Thema Fahrplanänderungen auf der Burgwaldbahn in den Fokus.

SPD und CDU stimmten dabei nicht nur für die Aufnahme des Dringlichkeitsantrages auf die Tagesordnung, sie schlossen sich dem Antrag auch als Antragsteller an, um damit ein deutliches Zeichen zu setzen, dass sie die geplanten Änderungen zum Fahrplanwechsel im Dezember auf der Burgwaldbahn gar nicht gut finden. Konkret geht es um ein schon länger anvisiertes Vorhaben des Rhein-Main-Verkehrsverbundes, auf der Burgwaldbahn eine sogenannte „saubere“ Stundentaktung einzuführen.

Nachteile für Pendler und Schüler

Ab 6.29 Uhr fahren von Marburg jeweils im 60-Minuten-Takt aus Züge in Richtung Frankenberg – und das durchgängig bis einschließlich 21.29 Uhr. Nur zu zwei Zeiten weicht dieser Takt ab. So gibt es einen Zug statt um 13.29 erst ab 13.43 und statt 17.29 Uhr erst um 17.43 Uhr. Und das hat laut Michael Haubrok-Terörde, Mitglied der UGL-Fraktion, auch sehr gute Gründe.

„Mit der geplanten Fahrplanänderung entfallen für Fernreisende und Berufspendler die letzten Möglichkeiten, vom Regionalexpress aus Richtung Kassel, der in Marburg um 13.33 Uhr beziehungsweise und 17.33 Uhr ankommt, in angemessener Zeit auf die Burgwaldbahn umzusteigen“, führt Haubrok-Terörde aus.

Und: Schüler aus dem Nordkreis, die im Schulzentrum Marburg Süd, an Philippinum, Elisabethschule und Kaufmännische Schulen zur Schule gehen, hatten bisher nach Schulschluss um 13.05 Uhr beziehungsweise 13.10 Uhr  immer die Möglichkeit, mit dem Stadtbus zum Hauptbahnhof zu fahren, um dort den Zug um 13.43 Uhr zu erreichen. Diese Möglichkeit fällt dann definitiv weg. Die aufgezeigte Alternative sei kaum praktikabel. Den Schülern werde nämlich das Angebot gemacht, um 13.24 Uhr am Südbahnhof in den Zug Richtung Wetter, Münchhausen und Frankenberg einzusteigen.

Selbstversuch zeigt: Zeit reicht nicht aus

„Ich habe da schon einen Selbstversuch unternommen“, berichtete Haubrok-Terörde.
Wer diesen Zug wirklich erreichen wolle, müsse mehr als pünktlich aus den Schulgebäude kommen und sich sehr, sehr eilen, um eine Chance auf diesen Zug zu haben.

Eigentlich nur fliegend sicher zu machen. Dann bleibt nur noch eine Busverbindung ab Radestraße bis nach Wollmar. Dieser Bus, der um 13.20 Uhr fährt, sei aber schon sehr stark ausgelastet. Haubrok-Terörde kann sich nicht vorstellen, dass da alle mitgenommen werden können

Schüler, die einen langen Schultag bis 17 Uhr hinter sich haben, werden es auch kaum schaffen, bis 17.29 Uhr am Bahnsteig am Hauptbahnhof zu sein. Da es dann den 17.43-Uhr-Zug nicht mehr gibt, könnten sie erst den Zug um 18.29 Uhr in den Nordkreis nehmen.

Wenigstens mehr Busse einsetzen

Das sei alles andere als eine Stärkung für den ländlichen Raum, die politisch immer propagiert werde, meinte SPD-Fraktionsvorsitzender Klaus Weisenfeld. „Wenn wir dagegen nichts unternehmen, lassen wir es zu, immer mehr abgehängt zu werden.“ Weisenfeld ist sich sicher, dass die neuen Verbindungszeiten nur dazu führen werden, dass wieder mehr Schüler mit dem Privatauto transportiert werden. Das könne nun auch nicht die Lösung sein.

Haubrok-Terörde sagt deshalb: „Wenn die Fahrplanänderung wie angekündigt umgesetzt wird, können die entstehenden Probleme nur durch den zusätzlichen Einsatz von Bussen beziehungsweise eines größeren Busses in der Mittagsverbindung ausgeglichen werden.“

Wolfgang Henseling von der CDU-Fraktion, zudem Ortsvorsteher von Wollmar, weiß, wie schwer es ist, dass eine solche Forderung tatsächlich berücksichtigt wird. „Das haben wir doch schon durch mit den Bus von hier morgens nach Wetter.“ Er bleibt dabei: „Es muss wohl leider immer erst etwas passieren, bis sich etwas ändert.“

SPD-Mann fordert: Thema soll in den Kreistag

Weisenfeld regte an, dass dieses Thema auch in den Kreistag getragen werden müsse. „Die Landrätin und der Erste Kreisbeigeordnete müssen den Druck erhöhen. Der Landkreis muss sich jetzt mal um den Nordkreis kümmern.“
Die Parlamentarier gehen allerdings nicht davon aus, dass die beiden strittigen Abfahrtszeiten doch noch unverändert bleiben. Der einstimmig gefasste Beschluss sieht deshalb vor, dass der Gemeindevorstand sich beim Rhein-Main-Verkehrsverbund und beim Regionalen Nahverkehrsverband für die Kompensation der aufgeführten Nachteile durch eine entsprechende Verstärkung des Einsatzes von Bussen einsetzt.

von Götz Schaub

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