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Eltern stinksauer auf Gemeindevorstand

Kita-Entscheidung vertagt Eltern stinksauer auf Gemeindevorstand

Rund 30 Eltern und Erzieherinnen waren umsonst zur Sitzung der Gemeindevertreter ins Bürgerhaus gekommen. Sie waren sehr verärgert, als das Thema Kindergarten von der Tagesordnung genommen wurde.

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Oberaspher Eltern waren ins Bürgerhaus gekommen, um mehr über die Zukunft des Kindergartens zu erfahren.

Quelle: Carina Becker-Werner

Oberasphe. „Das ist doch frech, eine echte Sauerei“, schimpfte Mutter Nadine Weber. Gemeinsam mit ihrem Partner Andreas Nowitzki war sie am Donnnerstagabend ins Bürgerhaus Oberasphe gekommen, um sich über die künftigen Betreuungszeiten des Kindergartens zu informieren.

Das gemeinsame Töchterchen der beiden soll ab kommendem Jahr in die Kleinkinderbetreuung in Oberasphe gehen - falls es dieses Angebot dann noch gibt. Gegenwärtig wird es dem Gemeindevorstand zufolge nur von einem Kind genutzt. „Als Eltern wollen wir natürlich wissen, wo wir jetzt dran sind, wir brauchen Planungssicherheit“, sagte Nowitzki der OP. Als „Aspher“ wünsche er sich, dass sein Kind vor Ort in den Kindergarten gehen könne, wo er die Erzieherinnen kenne. „Außerdem muss man sonst wieder woanders hinfahren - das wäre umständlich.“

Weber und Nowitzki gehörten am Donnerstagabend zu einer Gruppe von rund 30 ­Eltern und Erzieherinnen, die etwa­ eine halbe Stunde nach Sitzungsbeginn schimpfend und murrend wieder abzogen. Der ­Gemeindevorstand hatte sich draußen vorm Saal nach Rücksprache mit Pfarrerin Michaela­ Frischkorn - der Kindergarten befindet sich in kirchlicher Trägerschaft - dazu entschieden, das Thema von der Tagesordnung zu nehmen. Es lägen neue Zahlen und Erkenntnisse vor, der Gemeindevorstand wolle sich in den kommenden ­Wochen intensiver mit der ­Zukunft der Kitas beschäftigen, ­sagte Gemeindevertretungs-Vorsitzender ­Roland Wehner zur ­Begründung. Und nach Rücksprache mit der Pfarrerin sei es auch kein Problem, im schon laufenden neuen Kindergartenjahr gegebenenfalls die Öffnungszeiten zu verändern. Frischkorn hatte im April bei der Gemeinde, die Hauptkostenträger der Kita ist, den Antrag gestellt, die Betreuungszeiten um zwei Wochenstunden auf dann 35,5 Stunden zu erhöhen. Der Gemeindevorstand hatte die Gemeindevertreter in der Sitzung auffordern wollen, diese Erhöhung abzulehnen, Ganztagesbetreuung nur noch in Münchhausen und Niederasphe anzubieten und über ein Gesamtkonzept für alle drei ­Kitas ins Gespräch zu kommen.

Nachdem der Gemeindevorstand die Kita von der Tagesordnung genommen hatte, legte die SPD einen Dringlichkeitsantrag vor: Das Thema müsse jetzt behandelt werden, nicht erst nach der Sommerpause, führte Hans-Martin Seipp (SPD) aus. Sonst würde das neue Kindergartenjahr beginnen, ohne dass die Frage nach der Ausgestaltung der Betreuungszeiten geklärt sei und die Eltern wüssten nicht, worauf sie sich einstellen müssten.

„Es darf nicht immer nur ums Geld gehen“

Vor der Abstimmung über den Dringlichkeitsantrag gab SPD-Fraktionsvorsitzender Klaus Weisenfeld eine umfangreiche Erklärung ab. Er durfte an der Abstimmung nicht teilnehmen, weil Bürgermeister Peter Funk ihm Befangenheit attestierte.­ Dazu habe Funk extra eine Rechtsauskunft eingeholt, sagte Weisenfeld, dessen Frau als ­Erzieherin im Kindergarten Oberasphe arbeitet. Für ihn persönlich sei dies sehr verletzend, sagte der SPD-Mann. „Ich ­sehe das anders, da wir hier nicht über Beschäftigungsverhältnisse reden, sondern über eine ­pädagogisch-strukturelle Änderung, da meine Frau Angestellte der Kirche ist und nicht der ­Gemeinde und da sie seit ­30 Jahren einen unbefristeten Vertrag hat, der hier nicht zur Debatte steht.“ Künftig werde er genau darauf achten, bei welchen Angelegenheiten auch anderen Gemeindevertretern Befangenheit unterstellt werden könne und darauf dann auch hinweisen, sagte Weisenfeld und kündigte aus Protest seine Mitarbeit im Jugend- und Sozialausschuss sowie in der Steuerungsgruppe Dorferneuerung auf. Er sei nicht mehr ­bereit, sich an der Zerstörung der ­Infrastruktur seines Heimatdorfs zu beteiligen.

Für den Dinglichkeitsantrag fand sich nicht die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit - nur die SPD stimmte dafür. Und somit hätte sich das Thema dann fast erledigt gehabt. Doch kam es überraschend unter dem Punkt Ehrungen, die Sitzung war schon fast beendet, noch einmal aufs Tapet.

Bürgermeister Funk und Parlaments-Vorsitzender Wehner verliehen dem früheren Mandatsträger Horst Heinrich Wagner aus Oberasphe für seine jahrzehntelange Mitarbeit in ­politischen Gremien der Gemeinde die goldende Ehrennadel der Gemeinde und würdigten seine Verdienste. Wagner nutzte diese Gelegenheit, um vor den Gemeindevertretern eine Lanze für den Kindergarten zu brechen. „Egal, wie schwierig es finanziell aussieht, es darf nicht immer nur ums Geld gehen - vor allem nicht dann, wenn es um Infrastruktur für Kinder und Jugendliche in der Gemeinde geht. Da darf man nie über Abbau oder Schließung nachdenken, sondern immer nur darüber, wie man Angebote­ erhalten kann.“ Wagner erntete kräftigen Applaus aus den ­Reihen der Zuhörer.

von Carina Becker-Werner

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