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Ein wandelndes Lokalgeschichtslexikon

Walter Holzapfel Ein wandelndes Lokalgeschichtslexikon

Geschichten aus der Geschichte zu erzählen, das liebt Walter Holzapfel. Er verfügt über ein breites Wissen zur Weltgeschichte, aber sein Steckenpferd ist und bleibt seine Heimat rund um den Christenberg.

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Auf die Ausstellung im Küsterhaus auf dem Christenberg ist Walter Holzapfel sehr stolz.  Fotos: Schaub, Archiv

Münchhausen. Er genießt es jedes Mal von neuem, den Blick vom Christenberg-Plateau über die Baumwipfel zu den umliegenden Dörfern bis hin zu den weit entfernten Erhebungen am Horizont. Hier ist er zu Hause, hier kennt er sich aus. Holzapfel ist aber auch auf Urlaubsreisen richtig rum gekommen in der Welt. Überall saugt er geschichtliches Wissen auf, um es mit dem zu verschmelzen, was er schon hat, es ist seine Passion, sein Hobby.

Zur Person

Walter Holzapfel, Jahrgang 1942, ist waschechter Münchhäuser. Er wohnt im Ortsteil Niederasphe. Er ist Gründungsmitglied des Heimat- und Geschichtsvereins und seither Vorsitzender des Vereins, im Ganzen nun schon 30 Jahre. Er ist unter anderem Mitglied des Förderkreises Christenberg, des Arbeitskreises Heimatpflege und Lokalgeschichtsforschung des Landkreise Marburg-Biedenkopf und im Kulturherbst Burgwald. Er engagiert sich als Referent bei Veranstaltungen und veröffentlicht historische Beiträge in verschiedenen Publikationen. Zudem leitet er historische Führungen auf dem Christenberg.

Mit seinem Ruhestand nahm er sofort das Seniorenstudium an der Philipps-Universität Marburg auf, bildete sich weiter in Vor- und Frühgeschichte, Alte Geschichte, Mittelaltergeschichte und oben drauf noch Ägyptologie. Doch sein absolutes Top-Thema ist die Geschichte rund um und auf dem Christenberg. „Da gibt es so viel zu entdecken“, sagt er. Man kann darauf wetten, dass er mehr über den Christenberg weiß als je im Internet darüber zu finden sein wird. Zum Glück  behält er sein Wissen nicht für sich. Es ist ihm ein liebgewordene Angewohnheit, die verschiedenen Themen zu verschriftlichen. Er schreibt Aufsätze, Dokumentationen, Beiträge für Sammelbände, verfasst Referate. Die Bandbreite ist enorm. Von fundierten historischen Erkenntnissen bis hin zu eigenen Jugenderinnerungen ist alles dabei. Sagen und Mythen sind übrigens auch sein Ding. Egal, ob es sich um Bonifatius  handelt, geheimnisvolle Quellen, eine Steinmaus oder gar die Weiße Frau auf der Kesterburg.

Ach, und Märchen dürfen es auch gerne sein. Denn kein geringer als Otto Ubbelohde fand auf dem Christenberg Motive zur Illustration der Hausmärchen der Gebrüder Grimm. So weint beispielsweise Aschenputtel am Grab ihrer Mutter auf dem Christenberg und auch das Küsterhaus hielt für ein berühmte Szene her: Es bot die Vorlage des Knusperhäuschens der bösen Hexe aus Hänsel und Gretel.

Im Geschichtsverein fehlt es an Nachwuchs

Holzapfel schreibt auch ganze Bücher. So ist er Autor und Herausgeber von „Sagen, Märchen, Legenden und Geschichten aus unserer Heimat und dem Phantasieland“. In seinen schriftlichen Ausführungen geht es mal um die Pfarrkirche Niederasphe als kunsthistorisches Kleinod, dann um einen Streifzug durch die Geschichte des Dorfes Münchhausen. Es geht um frühere Dienstleistungen und Handwerk, etwa das Scherenschleifen wie auch historische Begebenheiten, die so langsam im Nebel der Geschichte zu verschwinden drohen. „Ich muss einfach forschen. Das macht Spaß, das will ich machen“, sagt Holzapfel. Er will niemanden sein Wissen aufdrängen, freut sich aber über jeden interessierten Zuhörer. „Geschichte, auch hier direkt bei uns in der Gemeinde ist so spannend. Es ist wirklich sehr schade, dass sich junge Menschen dafür nicht so sehr interessieren“, sagt er.

Wie er darauf kommt? Nun, er ist in diesem Jahr in seinem 30. Jahr als Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins Münchhausen am Christenberg. Und er muss feststellen, dass es im Verein einfach an Nachwuchs fehlt.

Zu den Vereinszielen gehören das Organisieren von Ausstellungen, das Erforschen und Erhalten von heimischen Sitten und Gebräuchen, Exkursuionen, das Erstellen von heimatkundliche Schriften und Dokumentationen. Walter Holzapfel verschreibt sich zudem der Mundart. Dazu wurden schon einige Mundartabende organisiert und der Öffentlichkeit angeboten.

Okay, die wirklich superspannenden Sachen liegen schon ein Weilchen zurück. „Das waren die Grabungen, na ja, Rettungsgrabungen im Zuge der Friedhofserweiterung auf dem Christenberg“, sagt Holzapfel. Ja, Ende der 80er Jahre, das war eine unglaubliche Zeit, mit Leuten wie Dr. Rolf Gensen neue Erkenntnisse zur Christenbergforschung zu Tage zu fördern. Holzapfel kann darüber hinaus auch von den Ausgrabungen erzählen, die 1953 und in den 60er Jahren stattfanden. Nun, der Heimat- und Geschichtsverein muss sich aber für den Rest der Zeit seines Bestehens nicht verstecken.

 
Ein Foto aus vergangenen Zeiten im selben Raum noch mit dem mittlerweile verstorbenen Dr. Rolf Gensen (rechts). Archivbild

Das Vereinsleben, die Veranstaltungen, die in den vergangenen 30 Jahre organisiert wurden, prägten auch das Miteinander in der Großgemeinde. Und: Sie schärften auch das Verständnis für die Lokalgeschichte, die dank des Christenbergs auch einen „Leuchtturm“ besitzt, der gerne als Ausflugsziel angesteuert wird. Da spielt natürlich auch ganz wesentlich der Förderkreis Christenberg mit rein, dem Holzapfel selbstverständlich auch angehört.

Für Holzapfel ist klar, Geschichte gehört zu seinem Leben. Sein Wunsch ist es, andere Menschen dafür zu begeistern, insbesondere junge Menschen zu animieren, in diesem Sinne selbst tätig zu werden.

von Götz Schaub

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