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„Ein Moor ist keine Badewanne“

Untersuchungen im Burgwald „Ein Moor ist keine Badewanne“

Auf deutschlandweiten Karten von Mooren, wie der des Bundesamts für Naturschutz, war der Burgwald bislang ein weißer Fleck. Dabei ist es das größte wachsende mesotrophe Moorgebiet Hessens.

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Das Durchströmungsmoor im Diebskeller im Burgwald.

Quelle: Philipp Küchler

Oberasphe. Im Auftrag der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt hat der Diplom-Biologe Philipp Küchler aus Göttingen die Burgwaldmoore erfasst, untersucht und systematisiert. Er stellte fest, dass es wachsende quellfähige Durchströmungsmoore in Mittel- und Norddeutschland wohl nur noch im Burgwald gibt.

Auf Einladung des Forstamtes Burgwald stellte er seine Ergebnisse in der Grillhütte von Oberasphe einem 60-köpfigen Publikum vor, neben Forstfachleuten und im Naturschutz Engagierten waren Waldeck-Frankenbergs Landrat Dr. Reinhard Kubat, Münchhausens Bürgermeister Peter Funk, Burgwalds Bürgermeister Lothar Koch und Rauschenbergs Bürgermeister Michael Emmerich dabei.

Küchlers Befunde zeigen, dass die überregional anscheinend bisher unbekannten Burgwaldmoore Besonderheiten aufweisen, die sie noch beachtens- und schützenswerter machen, als bislang gedacht.

Burgwaldmoore sind maximal 4000 Jahre alt

Im Burgwald kommen von Natur aus nur geneigte Moore vor. Nach der Wasserzuführung unterschied er überrieselte Hangmoore, Quellmoore mit Durchrieselung tieferer Torfschichten und Durchströmungsmoore mit Durchrieselung der oberen Torfschicht. Da die Wasserversorgung im Burgwald relativ schwach sei, gebe es ­wenig Nährstoffe, was zum Vorkommen seltener Pflanzen wie der Glockenheide führe.Die Hälfte der Moore wachse im Moment wieder, was überhaupt nicht selbstverständlich sei. „Wenn man so etwas sehen­ will, muss man normalerweise in die Alpen oder nach ­Skandinavien fahren“, hob Küchler hervor. Vor allem gebe­ es fast nirgends mehr intakte­ Durchströmungsmoore. Mit 15,2 Hektar mache dieser Typ fast die Hälfte von den 32,2 Hektar an Burgwaldmooren mit einer durchschnittlichen Torftiefe von 57 Zentimetern aus.

Wachsende quellfähige Durchströmungsmoore gebe es in Mittel- und Norddeutschland wohl nur noch im Burgwald, betonte der Biologe. Er sei das größte wachsende mesotrophe (mit mittlerem Nährstoffgehalt) Moorgebiet Hessens. Die Burgwaldmoore seien vermutlich, das müsse noch ­genau untersucht werden, relativ jung, die Moorbasis maximal 4000 Jahre alt, und die Durchströmungsmoore erst seit 700 Jahren sekundär darauf aufgewachsen. Vermutlich habe es lange eine menschliche Nutzung wie Weide und Mahd ­ohne tiefe Entwässerung gegeben, so dass die Durchströmungsmoore danach wieder wachsen konnten.

Moore spielen eine große Rolle als CO2-Speicher

Moore spielen eine große Rolle als CO2-Speicher. Die 32,2 Hektar Burgwaldmoore sowie weitere 27 Hektar, überwiegend aus Moorgleye bestehenden Anmoore, also im Übergang zum Moor stehende Böden, binden laut Küchler knapp 20 000 Tonnen Kohlenstoff.

Im Burgwald gebe es eine 30-jährige Erfolgsgeschichte­ von Biotoppflege, Renaturierungsbemühungen und Selbstvernässung. Die verbliebenen, nicht vernässten Moore seien aufwändiger zu managen. Das Ziel sollte eine „Revitalisierung“ in Form einer Wiederbelebung des Torfwachstums sein. Für die Zukunft riet Küchler davon ab, weitere wasserbauliche Maßnahmen in den natürlicher­weise geneigten Burgwaldmooren vorzunehmen. „Ein Moor ist keine Badewanne. Ein Stöpsel, also ein Anstau, reicht nicht, ist allenfalls Torf konservierend. Maßnahmen im oberen Moorteil sind wichtiger“, erklärte er. Eine Teichanlage schaffe zwar artenreiche künstliche Biotope, sei aber kein Moorschutz. Die zerstörende zusammenhängende geneigte Moorabfolgen, verbrauche viel Wasser durch Verdunstung und trockne Moore unterhalb im Sommer aus.

 
Diplom-Biologe Philipp Küchler stellte die Ergebnisse seiner Untersuchung der Burgwaldmoore vor. Foto: Manfred Schubert

Ideal wäre eine bessere Wasserversorgung aus den Einzugsgebieten der Moore. Er versuche herauszufinden, welche die wichtigsten seien, sagte Küchler. Im Laubwald sei die Versickerung um fast die Hälfte höher als im Nadelforst. Dr. Anne Archinal, Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft „Rettet den Burgwald“, fragte: „Dank ihrer Analyse haben wir gelernt, dass wir einiges richtig, aber auch vieles falsch gemacht haben. Wie könnte man das nachträglich heilen?“ Küchler empfahl, recht kurzfristig mit dem Waldumbau zu starten. Im Moor selbst gebe es nicht so viele Möglichkeiten.

Burgwalds Forstamtsleiter Eberhard Leicht erklärte, dass man bereits in die Richtung gehe, zum Teil Nadelwald durch Bergahorn abgelöst habe. Die Fichte werde künftig forstwirtschaftlich nicht mehr so eine große Rolle spielen.

von Manfred Schubert

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