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„Alle sollen einen Sitzplatz haben“

Schulbus jeden Morgen überfüllt „Alle sollen einen Sitzplatz haben“

In Oberasphe stehen die ersten, alle Schüler, die später einsteigen, haben kaum eine Chance auf einen Sitzplatz. Trotzdem hat der Verkehrsverband derzeit keinen zusätzlichen Bus zur Verfügung, heißt es.

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Bis zu 81 Schüler fahren mit der Linie 482 zur Wollenbergschule. Davon muss rund die Hälfte stehen.

Quelle: Freya Altmüller

Münchhausen. „Wir müssen meistens stehen“, erklärt eine Siebtklässlerin, die an diesem Freitagmorgen gerade in Niederasphe in den Schulbus eingestiegen ist. Seit der Bus wegen der Baustelle in Münchhausen eine andere Strecke fahre, bekomme sie darin nur noch dann einen Sitzplatz, wenn eine Freundin, die früher einsteigt, es schaffe, ihr einen zu reservieren. 59 junge Passagiere hat der Niederflurbus jetzt, der nach dem Prinzip ‚wenige Sitzplätze, viele Stehplätze‘ gebaut ist. Die Siebtklässlerin, die mit ihren Freundinnen vor der hinteren Tür in der Mitte des Busses steht, kann sich an zwei Stangen festhalten, aber ihre Mitfahrerinnen halten sich teils aneinander fest. Um die Schlaufen und die horizontalen Stangen in der Höhe zu erreichen, sind sie zu klein.

Hintergrund

Wegen der Baustelle am Bahnhof von Münchhausen gibt es seit Ende der Sommerferien einen geänderten Fahrplan. Der Bus zur Wollenbergschule in Wetter, der normalerweise von Frohnhausen aus über Oberasphe und Niederasphe fährt, startet nun schon am Bahnhof von Münchhausen und fährt über Wollmar nach Frohnhausen. So müssen sich nun Schüler aus deutlich mehr Ortschaften einen Bus teilen. Auch in Todenhausen hält er noch. Ein zweiter Bus, der sonst in Wollmar startet, fährt von der Grundschule in Münchhausen über Simtshausen und Todenhausen nach Wetter. Bis voraussichtlich Mitte November gilt der Baustellenfahrplan.

„Überfüllte Schulbusse sind gefährlich“, sagt der Wollmarer Ortsvorsteher Wolfgang Henseling, der sich die Situation in der Linie heute selbst anschaut. Schlechtes Wetter oder LKW-Gegenverkehr auf der schmalen Straße würden die Fahrt noch gefährlicher machen, meint er. Im Haupt- und Finanzausschuss in Münchhausen hat er deshalb auf das Problem aufmerksam gemacht. Bürgermeister Peter Funk reichte Beschwerde beim Regionalen Nahverkehrsverband Marburg-Biedenkopf (RNV) ein.

Das Unternehmen schickte daraufhin einen Brief an die Wollenbergschule in Wetter, mit der Bitte, Schüler aus Münchhausen darauf aufmerksam zu machen, dass sie auch mit dem Zug nach Wetter fahren könnten. Vorteil sei, dass sie bis zu 35 Minuten länger schlafen könnten. Vom Bahnhof in Wetter aus müssten sie dann fünf Minuten zu einer Haltestelle laufen, von der aus sie ein Bus an die Schule bringe.

Drei bis fünf Münchhäuser

Zwei Mädchen, die bereits in Wollmar in den Bus gestiegen sind, erklären, dass in Münchhausen nicht nur an diesem Morgen, sondern regelmäßig gerade mal zwischen drei und fünf Schüler einsteigen. Bis er an der Schule ankommt, sind 66 Schüler im Bus, von denen fast die Hälfte steht. Einmal habe der Busfahrer alle Schüler nacheinander aussteigen lassen und gezählt, sagt eine Zwölfjährige. 74 seien es gewesen. Da habe er gesagt: „Das kann so nicht weitergehen“, erklärt die Schülerin. Die zwei Mädchen aus Wollmar meinen, heute sei es leerer als sonst, weil einige Schüler erst zur zweiten Stunde hätten.

Sascha Heldmann, stellvertretender Elternbeirat in der Wollenbergschule sagt, seine Tochter habe erzählt, einmal habe der Busfahrer auch 81 Schüler gezählt. „Ich habe Angst um die Kinder, weil schon einmal etwas passiert ist“, so Heldmann. Weil sich ein Kind, das auf einer Fahrt stehen musste, bei einem Sturz Schürfwunden zugezogen habe, habe er sich bereits vor den Sommerferien an den RNV gewandt. Die Sache sei inzwischen aber geklärt. Auch vor dem geänderten Baustellenfahrplan sei der Bus schon zu voll gewesen. Seiner Tochter sei es schon passiert, dass sie in Niederasphe nicht mehr einsteigen konnte.

Eine andere Siebtklässlerin aus dem Ort sagt: „Ich würde mir wünschen, dass alle einen Sitzplatz haben.“ Dafür brauche es einen zweiten Bus. Gerhard Born, stellvertretender Geschäftsführer des RNV erklärt, derzeit gebe es aber keinen, den man einsetzen könnte. Weil auch für das Zubringen der Schüler, die aufgrund der Sanierung der Wetteraner Grundschule in andere Orte verteilt seien, Fahrzeuge benötigt würden, seien die Kapazitäten erschöpft. „Da müssen wir jetzt durch“, so Born.

Verkehrsverband sieht keine Lösung

Aber nicht nur morgens gäbe es Probleme, sondern auch nach Schulschluss. Kerstin Schäfer aus Wollmar erklärt, ihre Kinder seien nach der sechsten Stunde, als alle Schule aus gehabt hätten, nicht mehr mit gekommen. Stattdessen seien sie dann anderthalb Kilometer an den Bahnhof gelaufen, um den Zug zu nehmen. „Der Busfahrer kann sie nicht stehen lassen“, findet sie. Elternbeirat Heldmann ergänzt, es gäbe große Verunsicherung, ob die Kinder in solchen Fällen auch versichert seien.

Born hofft auf eine Entspannung der Situation mit dem Ende der Baustelle. Bürgermeister Funk wünscht sich zur Klärung einen Runden Tisch, an dem über eine langfristige Lösung gesprochen werden soll. Auch mit dem Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) und dem Kreisschülerbeirat will er sich dazu in Verbindung setzen.

von Freya Altmüller

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