Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / 2 ° Regen

Navigation:
Münchhausen will ein Stück vom Kuchen

Windkraft Münchhausen will ein Stück vom Kuchen

Bis 2050 will Deutschland komplett auf erneuerbare Energien umstellen. Dafür müssen noch viele Anlagen zur Erzeugung regenerativer Energien aufgestellt werden. Doch was, wenn das vor der eigenen Haustüre geschehen soll?

Voriger Artikel
Gemütlichkeit im Oberaspher Dschungel
Nächster Artikel
„Ein bisschen Mut gehört schon dazu“

Bei der gut besuchten Bürgerversammlung zur erneuerbaren Energie in der Gemeinde Münchhausen wurde anhand der aktuellen Karte für den Teilregionalplan diskutiert. Rot sind dort Vorranggebiete zur Nutzung der Windenergie eingezeichnet, blau (kariert) die V

Niederasphe. Bei der Bürgerversammlung der Gemeinde Münchhausen im Bürgerhaus Niederasphe informierten sich rund hundert Bürger über das Thema erneuerbare Energien in der Gemeinde. Diplomingenieur und Umweltplaner Manfred Hausmann stellte den aktuellen Entwurf des Teilregionalplans Energie Mittelhessen vor.

Nach Prüfung der Umwelt durch den TÜV Hessen wurden Gebiete festgelegt, die für den Bau von Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien in Frage kommen. Dabei wurden auch Ausschlusskriterien wie Vogelschutzgebiete und die Einhaltung eines Mindestabstands von 600, üblicherweise aber 1000 Metern einer Windkraftanlage zu einer Siedlung berücksichtigt.

Auch die Beeinträchtigung des Landschaftsbildes spielt eine Rolle, so sollen im 360-Grad-Radius die Anlagen höchstens 120 Grad des Sichtfeldes einnehmen. Dann wurden sogenannte Vorranggebiete festgelegt, Flächen, auf denen die Windenergienutzung Vorrang vor sämtlichen anderen Nutzungsarten hat. Umgekehrt ist der Bau von Windenergieanlagen außerhalb dieser Gebiete nicht möglich.

Für Photovoltaik-Freiflächenanlagen wurden Vorbehaltsgebiete bestimmt. „Wenn über die Nutzung dieser Flächen entschieden wird, kommt dieser Nutzungsart gegenüber anderen Ansprüchen bei der Abwägung ein größeres Gewicht zu“, so Hausmann. Im Gegensatz zu den Vorranggebieten liegt die Entscheidung bei den Vorbehaltsgebieten in der Hand der Gemeinde. Zudem wurden sogenannte Suchräume oder Vorzugsräume festgelegt, die für die energetische Biomassenutzung geeignet sind.

So gibt es drei Vorranggebiete für Windenergie in der Gemeinde Münchhausen. Eines davon, mit einer Größe von 94 Hektar südlich von Wollmar, befindet sich vollständig auf dem Gebiet der Gemeinde und auf freier Fläche. Zwei andere, auf den Erhebungen Dexbacher Hardt und Engelbacher Hardt, haben nur Teilgebiete auf der Fläche der Gemeinde und sind überwiegend beziehungsweise vollständig bewaldet. In diesen Gebieten müsste daher gerodet werden. „Dafür müsste dann eine Ausgleichsfläche an Wald geschaffen werden oder eine Walderhaltungsabgabe geleistet werden, von der bestehende Waldflächen aufgewertet werden“, so Bürgermeister Peter Funk.

Wo genau schließlich tatsächlich Windkraftanlagen aufgestellt werden, entscheidet sich im kommunalen Bauleitplanverfahren beziehungsweise Genehmigungsverfahren. „Der Plan ist nicht parzellenscharf, daher kann die Gemeinde auf Katasterebene noch ausformulieren, wo die Standorte einzelner Anlagen sind und ihre Höhe limitieren“, sagte Hausmann. „Eine Verhinderungsplanung durch die Gemeinde ist jedoch unzulässig, dazu gibt es schon Bundesverwaltungsgerichtsurteile.“

Windenergieanlagen am Engelbacher Hardt würden das Sichtfeld der Niederaspher beeinträchtigen. Helmut Briel fragte verärgert: „Warum lässt man Grenzbebauungen zu, dass Biedenkopf uns Windräder vor die Nase setzt? Das gibt doch auch richtig Ärger unter den Bürgern.“ Hausmann erklärte: „Die Gemeindegrenzen spielen bei der Planung keine Rolle. Da geht es um die Eignung der Flächen. Und es wird auf interkommunale Kooperation gesetzt“.

Bürgermeister Funk appellierte an die Vernunft: „Man kann auch nicht immer sagen, man will eine Energiewende, aber bitte nicht vor meiner Haustür“. Johannes Wagner, Gemeindevorstandsmitglied aus Wollmar, meinte: „Man kann das nicht verhindern, wir müssen versuchen, das Beste daraus zu machen“.

Die Bürger sollten beteiligt werden, durch die Kreisgenossenschaft und eine Genossenschaft, die die Gemeinde Münchhausen gründen möchte. Funk erklärt, bei dieser Genossenschaft sollen auch kleine Anteile verkauft werden, damit sich auch Studenten und Rentner beteiligen können.

Ob in den Vorranggebieten tatsächlich Windenergieanlagen aufgestellt werden, hängt davon ab, ob sich Investoren finden und bei einer konkreten Messung tatsächlich eine Windgeschwindigkeit von mindestens 5,75 Metern pro Sekunde in 140 Metern Höhe erreicht wird. Denn laut Hausmann muss man pro Anlage mit zwei bis drei Millionen Euro rechnen, da muss sich die Errichtung schon rentieren.

Auf dem ehemaligen Bundeswehrdepot Oberasphe ist bereits eine Photovoltaik-Freiflächenanlage mit einer Größe von über fünf Hektar und zum Preis von 3,6 Millionen Euro geplant, die zur Hälfte von einem Investor, zur Hälfte von der Gemeinde und der geplanten Genossenschaft getragen werden soll. „Mitte März soll der Bau beginnen“, so Hausmann.

Bei der Gemeindevertretersitzung am 12. März im Bürgerhaus in Münchhausen wird über eine Stellungnahme zum Entwurf des Teilregionalplans Energie entschieden. Bis zum 4. April können Bürger beim Regierungspräsidium Gießen in schriftlicher Form Anmerkungen und Bedenken zu dem Entwurf des Plans äußern.

Weitere Informationen und einen Vordruck für eine Stellungnahme finden sich im Internet unter www.energieportal-mittelhessen.de

von Freya Altmüller

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nordkreis

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr