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Mit blendender Sonne beginnt das Unheil

Absturzursache Mit blendender Sonne beginnt das Unheil

Die Sonne blendete, das Pendelhöhenruder der „Liberty“ reagierte empfindlich auf ein ungeeignetes Manöver - dies nennen die Sachverständigen als Ursache für den Flugzeugabsturz vor gut elf Monaten bei Cölbe.

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Das von der Polizei aufgenommene Foto zeigt Unfallstelle und im Hintergrund die Landebahn des Schönstädter Flugplatzes.

Quelle: Foto: Polizei

Cölbe. „Anstatt den Anflug frühzeitig abzubrechen und zeitgleich durchzustarten, um den weiteren Flugverlauf in geeigneter Weise fortzusetzen, wurde ein tiefer Überflug mit erhöhter Geschwindigkeit über die Piste 22 durchgeführt“, so steht es in dem Bericht, den die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) gestern zum Cölber Flugzeugabsturz veröffentlichte.

Den Landeanflug hatte der Pilot abgebrochen, weil die tiefstehende Sonne ihn geblendet hatte. Davon gehen Untersuchungsführer Klaus-Uwe Fuchs und sein Team von der BFU in Braunschweig aus. „Beim anschließenden Hochziehen des Luftfahrzeuges am Ende des Flugplatzes geriet die Liberty in eine unkontrollierte Fluglage, kippte ab und prallte auf den Boden“, heißt es in dem Bericht, in dem die Sachverständigen Faktoren benennen, die zu der für den Piloten unkontrollierbaren Fluglage beigetragen haben sollen: „Die eingeschränkte Wahrnehmungsfähigkeit und Einschätzung der Fluglage des Piloten, infolge der Blendung durch die tief stehende Sonne beim Überflug, die Empfindlichkeit des Pendelhöhenruders der ‚Liberty‘, der rasche Geschwindigkeitsabbau nach dem Hochziehen, begünstigt durch leichtes Schieben in Verbindung mit dem vergleichsweise voluminösen Rumpf des Luftfahrzeuges“.

Die Sachverständigen weisen in ihrem Bericht auch darauf hin, dass die beiden Piloten und auch das Flugzeug alle Voraussetzungen für einen sicheren Flug erfüllten. „Der verantwortliche Luftfahrzeugführer hatte alle vorgeschriebenen Erlaubnisse und Berechtigungen, um den Flug durchzuführen.“ Mit mindestens 1300 Flugstunden auf Flugzeugen und Motorseglern habe er als erfahrener Pilot gegolten, schreiben die Sachverständigen. „Eine ausreichende Flugerfahrung auf der Liberty XL-2 war mit über 30 Stunden Flugzeit beziehungsweise mit mehr als 70 Landungen ebenfalls gegeben.“ Das Luftfahrzeug sei ordnungsgemäß zum Verkehr zugelassen und geprüft gewesen.

„Die Funktion der Steuerorgane sowie die Stellungen von Schaltern und Bedienhebeln konnten aufgrund des hohen, brandbedingten Zerstörungsgrades“ jedoch nicht geprüft oder nachvollzogen werden, räumen die Ermittler ein.

Für den Kurhessischen Verein für Luftfahrt (KVfL) findet mit dem Bericht ein bitterer Abschnitt seiner Vereinsgeschichte einen Abschluss. „Es ist ein sehr schmerzlicher Verlust für uns alle im Verein“, sagte Sprecher Werner Hoffarth gegenüber der OP. Daran werde man täglich erinnert, schließlich hätten beide Unglücksopfer das Vereinsleben entscheidend mitgeprägt. „Aber es ist auch gut, dass nun ein Ergebnis vorliegt, sodass langsam etwas Ruhe in den Verein einkehren kann.“

Das Andenken an die Unfallopfer halten die Mitglieder weiterhin wach. So plant der Verein am Jahrestag des Absturzes, am 11. Februar, mit Angehörigen und Freunden eine interne Gedenkfeier für die ums Leben gekommenen Männer.

Als eine Konsequenz aus dem tragischen Ereignis stellt der Verein zudem das Thema Sicherheit im Flugverkehr noch intensiver in den Fokus der Aus- und Weiterbildung sämtlicher Piloten. Ein Bericht darüber folgt in der Samstagsausgabe.

von Carina Becker und Michael Agricola

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