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Mehrfach Chance nicht genutzt - jetzt Tränen vor Gericht

Gefängnisstrafe bestätigt Mehrfach Chance nicht genutzt - jetzt Tränen vor Gericht

Zwei Jahre und sechs Monate Haft wegen gefährlicher Körperverletzung, so lautete das Urteil des Jugendgerichts Mitte vergangenen Jahres. Der heute 22-Jährige Angeklagte aus dem Nordkreis legte dagegen Berufung ein.

Marburg. Deshalb erschien er jetzt vor dem Marburger Landgericht. Zur Tat: Im Herbst 2011 besuchte der junge Mann eine Techno-Party. Nach langen Stunden des Feierns begab er sich gemeinsam mit einigen Freunden spät in der Nacht auf den Heimweg. Auf einem Parkplatz trafen sie auf eine weitere Gruppe junger Leute. Mit auffordernden Aussagen wie „Denen hauen wir auf die Fresse“ oder „Pack sie dir“, der genaue Wortlaut konnte nicht mehr rekonstruiert werden, motivierte der Angeklagte einen seiner Bekannten zu einem Angriff auf die zweite Gruppe. Der Bekannte griff zwei der anwesenden jungen Männer an, fing an, sie massiv zu attackieren. Beiden schlug er ins Gesicht. Dabei verlor der Hauptgeschädigte mehrere Zähne. Er wurde dermaßen schwer getroffen, dass er zudem einen Oberkieferbruch sowie ein Schädelhirntrauma erlitt und das Bewusstsein verlor. Während der Schlägerei stieß der Angeklagte einen weiteren Zeugen gegen einen Laternenmast und beleidigte ihn, dieser Mann wurde bei dem Angriff jedoch nicht verletzt. Das Gericht verurteilte den vorbestraften Mann damals als Mittäter wegen gemeinschaftlicher, gefährlicher Körperverletzung in drei Fällen, einer davon galt als Versuch, sowie Beleidigung zu zweieinhalb Jahren Gefängnis.

Ein Zeuge sagte nun aus, dass sich der Angeklagte nicht an der Schlägerei beteiligt, jedoch zu dieser aufgefordert habe. Daraufhin sei der angetrunkene Bekannte, der bereits in ein Auto eingestiegen war, wieder herausgesprungen und auf die zweite Gruppe los gegangen. Mehrere Zeugen gaben an, dass dieser als besonders aggressiv und gewaltbereit bekannt sei.

Angeklagter: „Wollte niemsnden anstiften“

Parallel zu diesem Verfahren läuft zurzeit eine weitere Anzeige gegen den Angeklagten. Er soll seine Freundin „unzählige Male geschlagen, getreten und einmal bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt haben“, so die Aktenlage. Daneben seien zahlreiche Kurznachrichten mit bedrohlichem Inhalt ausgetauscht worden. Die junge Frau verließ ihren Freund schließlich, beide sind heute jedoch wieder ein Paar. Die Vorwürfe nahm sie zurück, das Verfahren läuft derzeit noch.

Beide hätten teilweise einen harten, schwierigen Umgang miteinander, versuchte der Angeklagte zu erklären. Gegenseitige Drohungen und Eifersucht würden die Beziehung häufig belasten.

Sein Mandant stehe unter großen Druck, betonte auch sein Verteidiger. Er habe große Angst vor einer Inhaftierung und bereue seine Taten, wollte nie, dass die Situation dermaßen eskalierte. Er hätte nicht gedacht, dass der Freund auf seine unbedachten Worte hin wirklich eine Schlägerei anfängt. „Wir haben nur rumgealbert, ich wollte niemanden anstiften“, so der Angeklagte. Er habe sich geändert, führe heute ein geregeltes Leben. Mehrfach brach der junge Mann vor Gericht in Tränen aus, wirkte verstört und deprimiert. Die Jugendgerichtshilfe bestätigte ein früheres Alkoholproblem des Beschuldigten. Zudem hielt er sich Anfang diesen Jahres für kurze Zeit stationär in einer psychiatrischen Einrichtung auf.

Der Angeklagte stand nicht zum ersten mal vor Gericht. Er wurde bereits unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung, räuberischer Erpressung, Bedrohung, Verstoß gegen das Waffengesetz, Nötigung und Trunkenheit am Steuer verurteilt. Insgesamt acht mal ist er juristisch vorbelastet, befand sich zur Tatzeit innerhalb einer Bewährungsstrafe. Er habe mehr als einmal eine zweite Chance erhalten und sie nicht genutzt, sagte der vorsitzende Richter Dr. Wolf.

Unter Einbeziehung dieses Verstoßes sowie seiner umfangreichen Vorstrafen, aber auch im Hinblick auf die Erkenntnisse der Verhandlung, wandelte das Gericht das Urteil nur geringfügig ab. Der Angeklagte wurde zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und drei Monaten verurteilt.

von Ina Tannert

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