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Machtkämpfe, Gewalt und Liebe

Premiere in Wetter Machtkämpfe, Gewalt und Liebe

Am Freitag ist es soweit: der Theaterverein Wetter präsentiert die Neuauflage von „„Lutrudis oder Das Weistum von Wetter"“. Dann werden auf der Freilichtbühne am Klosterberg Schwerter geschwungen, live gesungen, getanzt, geliebt und gelitten.

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Sabine Kaiser als Elisabeth von Thüringen und Hans Kaiser als Konrad von Marburg in einer Szene, die den damals mächtigsten Inquisitor Deutschlands als Zuchtmeister zeigt.

Quelle: Manfred Schubert

Wetter. Wer sich für die realen historischen Hintergründe des 1989 von Dr. Joachim Hintze zur 750-Jahr-Feier geschriebenen Stückes interessierte, aber zugleich einen kleinen Vorgeschmack auf die Aufführung bekommen wollte, war am Sonntag in der ehemaligen Synagoge am richtigen Ort. „Elisabeth von Thüringen und Konrad von Marburg – Legenden und Realitäten“ hieß die Veranstaltung.

In einer Mischung aus Lesungen, Theaterspielszenen, Erläuterungen und Kommentaren, boten Mitglieder des Theatervereins und des Geschichtsvereins Wetter einen Einblick in die historischen und im Theater fiktiv dargestellten Geschehnisse in Wetter im beginnenden 13. Jahrhundert. Diese führten 1239, also vor 777 Jahren, zur feierlichen Beurkundung der Stadtrechte von Wetter durch Landgraf Hermann, den Sohn der heiligen Elisabeth auf den Kirchplatz. Anlass für den Theaterverein, das Stück neu aufzulegen.

Politische und religiöse Hintergründe

Der Geschichtsvereinsvorsitzende Kay-Hubert Weiß erläuterte einführend die politischen Hintergründe, die Auseinandersetzungen um Macht und Einfluss zwischen Kirche und Reich im 11. bis 13. Jahrhundert, in die auch Wetter geriet. Das hochmittelalterliche Lehenssystem, die Landleihe, mittels derer sowohl weltliche wie geistliche Herren ihre Gefolgschaft von sich abhängig machten, spielte dabei eine große Rolle. Ebenso der sogenannte Investiturstreit. Es kam zum heftigen Streit um die Vorherrschaft zwischen den römischen Päpsten und den deutschen Königen. Und zu Beginn des 13. Jahrhunderts forderte die Kirchenfreiheitsbewegung wieder den Führungsanspruch der Kirche über das Weltliche.

In diesem Interessenkonflikt stand Wetter. Auf der einen Seite das Haus Thüringen, seit 1234 mit dem jungen Landgrafen Hermann an der Spitze, auf der anderen das mächtige Erzstift Mainz, das von den Gisonen großen Besitz bekam und das Recht hatte, das Wettersche Lehen an eigene Gefolgsleute zu vergeben. Die Thüringer hielten die Vogtei über das Stift Wetter. Beide Lager wollten ihren Machtbereich sichern und ein möglichst geschlossenes Herrschaftsgebiet aus dem „Flickenteppich“ machen. Hermann wollte den Konflikt militärisch lösen. 1238 besetzte er Stadt und Stift Wetter und vertrieb die Mainzer Gefolgsleute aus den Mauern. „Diesem Streich verdankt Wetter die Niederschrift ihres Weistums. Zwar wissen wir heute, dass Wetter diese Rechte viel früher erhielt, dennoch ist die Urkunde viel mehr als nur ein Schriftstück. Das Dokument zeigt Landgraf Hermann als alleinigen Herrn und wir ahnen, dass dies seine Absicht war“, sagte Weiß.

Eine andere Seite der Elisabeth von Thüringen

Das Theaterstück setzt zeitlich bereits früher an. Wichtige Figuren darin sind Elisabeth von Thüringen (1207-1231), die für Barmherzigkeit und Frömmigkeit steht, und Konrad von Marburg, der zu Deutschlands mächtigstem Inquisitor aufstieg, sagte Sabine Kaiser. Dr. Anne Archinal und Jutta Kindzorra als Elisabeths Dienerinnen Guda und Isentrud von Hörselgau traten als Zeitzeuginnen auf. Sie lasen aus den niedergeschriebenen Aussagen der vier Dienerinnen, die im Heiligsprechungsprozess die grundlegende Akte waren. „Wir wollen auch die andere Seite der Frömmigkeit Elisabeths zeigen. War die Trennung von ihren Kindern ein freiwilliger Akt oder Unterwerfung“, fragte Kaiser.

Es gebe Hinweise darauf, dass sie ihre Kinder aus materieller Not heraus fortgeschickt habe, ein zweite, wahrscheinlichere Erklärung sei, dass sie sich auf Geheiß des von Ludwig IV 1226 als Vertrautem und Beichtvater an den thüringischen Hof geholten Konrad von ihnen trennte. Nach Ludwigs Tod 1227 hatte Papst Gregor Konrad zu Elisabeths Vormund bestimmt, der sie grausam behandelte und von dem sie materiell, psychisch und emotional absolut abhängig wurde. Eine Züchtigungsszene verdeutlichte dies den Zuschauern, die einbezogen wurden, als Konrad seine Hand zum Schlag erhob.

Lebendig und spannend wird die Geschichte im Theaterstück um Elisabeth und Konrad, die Liebe junger Menschen im Umfeld eines Ketzerprozesses, die Schlacht landgräflicher und päpstliche Ritter auf die Freilichtbühne gebracht.
n Premiere von „Lutrudis oder das Weistum von Wetter“ ist am Freitag, 15. Juli, um 21 Uhr; weitere Aufführungen sind am 16., 22. und 23. Juli um 21 Uhr, 17. und 24. Juli um 17 Uhr. Kartenreservierung unter www. theaterverein-wetter.de, Vorverkauf bei Gardinen Mehring, Fuhrstraße 29 in Wetter.

von Manfred Schubert

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