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Liedgut ist für Nachkommen gesichert

Offenes Singen Liedgut ist für Nachkommen gesichert

Einmal im Monat treffen sich Menschen aus der Großgemeinde Münchhausen, um im Oberaspher Bürgerhaus gemeinsam zu singen und damit auch Erinnerungen hochleben zu lassen.

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Für diese Menschen aus der Großgemeinde Münchhausen und Umgebung gehört gemeinsames Singen einfach zum Leben dazu.

Quelle: Götz Schaub

Oberasphe. Es ist eine verschworene Gruppe, die aber keineswegs für Außenstehende abgeschlossen ist. Nein, es ist ein Gruppe von Menschen, die schon ein paar Jahrzehnte auf der Erde leben und dasselbe Hobby haben: Singen. Allerdings nicht unbedingt die Lieder, die sie zum Teil auch in ihren Gesangvereinen singen. Sie singen Lieder, die in ihrer Jugend in ihren Heimatorten gesungen wurden. Traditionelle Weisen zu bestimmten Anlässen wie Hochzeiten, aber auch Lieder, die aus den Ereignissen der Zeit heraus entstanden, wie etwa die Spinnstubenlieder, die gerade zu Kriegszeiten gesungen wurden.

„Dabei handelt es sich in keinster Weise um Kriegs- oder Militärlieder“, sagt Heidi Schneider aus Wollmar, die in den vergangenen Jahren als ehrenamtliche Seniorenbeauftragte der Gemeinde tätig war. Nein, es handelt sich um die Lieder, die den Trennungsschmerz junger Liebender oder Eltern, die ihre Kinder in den Krieg ziehen lassen mussten, zum Inhalt haben. „Es geht um die Hoffnung, einen geliebten Menschen nach dem Krieg wiedersehen zu dürfen“, so Schneider. Die Texte und Melodien haben sich allein in den fünf Ortsteilen der Großgemeinde Münchhausen im Laufe der Zeit schon etwas unterschieden. Grund für die Hobby-Sänger, sich auf eine Version zu einigen und diese für nachkommende Generationen auf einer CD zu sammeln. „Diese Lieder verschwinden sonst ganz aus dem Leben. Auch weil es oftmals keine Noten dazu gibt, so gehen ohne Aufnahmen auch die Melodien unwiderbringlich verloren“, erläutert Heidi Schneider die Motivation der Gruppe, sich der Herausforderung zu stellen, nach dem Einspielen einer ersten CD sich nocheinmal auf so ein Projekt einzulassen. „Als Freunde kamen wir...“, heißt die zweite CD der Mannschaft, die kein Verein ist, die keinen Vorstand, keine Kasse hat und sich ganz bewusst nicht als Konkurrenz von Gesangvereinen versteht.

Jeder ist eingeladen

Zum offenen Singen ist jeder eingeladen, und wer Zeit hat, ist dabei, um einfach seinem Hobby in Gesellschaft nachgehen zu können.

„Früher gehörte Singen einfach zum Alltag. Wenn man heute zu fünft oder sechst im Dorf auf der Straße singt, denken die Leute, man habe einen im Tee“, sagt Fritz Naumann und beschreibt damit wohl sehr treffend den Wandel der Zeiten. Als junge Burschen und junge Mädchen hatte man einfach sehr viele Lieder im Repertoire.

In der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts gab es keine Fernseher und Radios, da waren die Spinnstuben, die abwechselnd bei den Landwirten im Dorf stattfanden, die einzige Zerstreuung. Und dort wurde nicht nur erzählt, sondern auch viel gesungen. Wenn sich heute junge Burschen tatsächlich die Mühe machen, alte Traditionen aufleben zu lassen, brauchen sie Liederzettel mit den Texten. Hingegen sind den Teilnehmern des offenen Singens die Lieder aus ihrer Kindheit noch so präsent, als seien die Jahre seither gar nicht vergangen. Es ist sogar so, dass Angehörige, die an Alzheimer leiden, wenn sie nur die Lieder auf der CD hören sofort anfangen, die Lieder mitzusingen.

Auch wenn einige der offenen Gruppe noch irgendwo in einem Gesangverein singen, so versteht sich die Gruppe nicht als Chor.

Viele der gesungenen Lieder sind fast vergessen

Es geht wirklich locker zu, gesungen wird, was gefällt. Eine Liedermappe mit 70 zusammengetragenen Liedern bietet schon eine große Auswahl. Eigens zum Besuch der OP außerhalb der Reihe haben sich ganz viele Sängerinnen und Sänger im Oberaspher Bürgerhaus zusammengefunden, um ein paar Kostproben von der neuen CD live zu präsentieren. Danach gab es Kaffee, belegte Brötchen und kleine Schwätzchen über die Ereignisse, die sich jüngst zugetragen haben. Es wurden Verabredungen getroffen und bevor man auseinanderging, wurden noch ein, zwei Lieder angestimmt. Spontan – wer gerade einen Einfall hatte, begann einfach.

Nun, es macht wenig Sinn, für junge Menschen die Titel der CD aufzuzählen. Es sind Heimatlieder, die mehr oder weniger aus dem Alltag verschwunden sind. Aber gerade dieser Umstand soll sie wieder für die jüngere und noch kommende Generationen so interessant machen. Die CD liest sich wie ein lokales Geschichtsbuch, die Lieder sind Zeugen einer vergangenen Zeit, sie waren einmal aktuell, gehörten zum Alltag der Menschen.

Die Lieder gehen ins Ohr

Vielleicht kennt aber doch jemand Lieder wie „Ich habe mir eines erwählet“, „Es dunkelt schon in der Heide“ „Der alte Schäfer“ oder „Goldne Abendsonne wie bist du so schön“?

Wer ein Ohr für Heimatlieder hat, wird feststellen, dass sie ihre Wirkung noch heute haben, dass sie wie von selbst bestimmte Stimmungen erzeugen.

Und zwei, dreimal, viermal gehört, kann man sie schon mitsingen. Wem das gefällt, der darf auch gerne demnächst live dabei sein, etwa beim nächsten offenen Singen in Oberasphe.

von Götz Schaub

Die neue CD
Die neue CD „Als Freunde kamen wir. . .“ mit 26 ausgesuchten Liedern ist bei Heidi Schneider in Wollmar erhältlich. Einfach anrufen unter 06457/425 und bestellen. Ach, und wie heißt es immer so schön in der TV-Werbung? „Fragen Sie doch gleich auch nach...“ Ja, das dürfen Interessierte in diesem Fall auch gerne machen. Denn die erste CD „Lieder aus der Heimat“ mit 25 Liedern ist ebenfalls ein gelungenes Werk.
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