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Lektorin, Küsterin, Prädikantin, Pfarrerin

Neue Pfarrerin für Goßfelden und Sarnau Lektorin, Küsterin, Prädikantin, Pfarrerin

Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass man das Pferd auch von hinten aufzäumen kann, um zum Ziel zu kommen, dann hat ihn ganz sicher Goßfeldens neue Pfarrerin Sandra Niemann erbracht.

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Pfarrerin Sandra Niemann freut sich auf ihre erste Stelle in Goßfelden und Sarnau.

Quelle: Götz Schaub

Goßfelden. Der Kirchenvorstand von Goßfelden und Sarnau freut sich: Nach doch nur kurzer Vakanzzeit gibt es für die beiden Dörfer wieder eine feste Pfarrerin: Sandra Niemann. Sie ist für die Gläubigen in den beiden Dörfern keine Unbekannte, absolvierte sie doch den überwiegenden Teil ihrer Zeit als Vikarin in ihrer Gemeinde. Nun ist sie fertig ausgebildet und steht bereit.

Am Sonntag stellt sie sich ab 14 Uhr in einem Gottesdienst in der Kirche in Sarnau vor. Warum jetzt noch vorstellen? Wird sie nicht eher in ihr Amt eingeführt? Nein, das muss noch warten. Vor der offiziellen Einführung steht nämlich eine zweieinhalbjährige Probezeit, die nun mit der offiziellen Vorstellung beginnt. Auch wenn es ­also Vorstellungsgottesdienst ­heißt, so weiß also der Kirchenvorstand schon ganz genau, auf wen er sich da eingelassen hat. Auf eine Person, die einfach passt. So empfindet es auch die Pfarrerin, die sich sehr, sehr, sehr über diese Stelle freut und sie auch als eine Art „nach Hause kommen“ empfindet.

Erst am vergangenen Sonntag, 30. Oktober, wurde sie in einem Festgottesdienst in der Marienkirche Gelnhausen ordiniert. Goßfelden ist also ihre erste Pfarrstelle. Und das mit wie viel Jahren? 51.

Von der Radiologie-Assistentin zur Pfarrerin

Wie jetzt 51? Ja, das kommt halt raus, wenn man Jahrgang 1965 ist. Sandra Niemann bringt dafür ganz viel Erfahrung mit. Aus einem ganz anderen Beruf und aus der Zeit, in der sie sich für die Institution Kirche als Mitglied des Kirchenvorstandes, Lektorin, Küsterin und seit 2004 als Prädikantin engagierte. Im Marburger Stadtteil Marbach, um genau zu sein. Dort wohnt sie auch noch.

„Ich glaube, ich habe nichts ausgelassen und Kirche von innen sehr gut kennengelernt“, sagt Sandra Niemann, die sich bereits im Pfarrhaus Goßfelden ihr Büro eingerichtet hat. Der Umzug ins Haus wird wohl im kommenden Sommer stattfinden, wenn die Familie Hammann nach Beendigung der Schulausbildung der beiden Söhne dann komplett nach Schlüchtern umgezogen ist. Dann kommt sie mit Ehemann und Katze. Ihre beiden Kinder sind selbstständig, sind bereits 22 und 23 Jahre alt. Die Auseinandersetzung mit Gott, der Bibel und Kirche fand in den jungen Jahren mehr privat statt. Beruflich wählte Sandra Niemann eine ganz andere Richtung.

„Ich machte eine Ausbildung zur Medizinisch-technischen Radiologie-Assistentin und arbeitete sechs Jahre in der Strahlentherapie“, sagt sie. Das sei schon eine sehr prägende Zeit gewesen. Als junger Mensch von 21, 22 Jahren hat man doch andere Dinge im Kopf, als sich über das Sterben Gedanken zu machen. Die Arbeit verlangte ihr einiges ab, von den gemachten Erfahrungen profitiere sie noch heute. Dann stand erst einmal die eigene Familie im Vordergrund. Und als die Kinder kamen, blieb sie zu Hause, weil ihr Mann als Industrie-Apotheker viel unterwegs war. Dann, als die Kinder etwas größer waren, nahm sie in Marburg das Theologiestudium auf. Gerne erinnert sie sich an die Zeit, als sie mit ihren Kindern an einem Tisch saß und alle drei mit ihren jeweiligen Hausaufgaben beschäftigt waren.

"Göttliche Fügung" bei erstem Einsatzort

2014 legte sie das erste theologische Examen ab und nun in diesem Sommer ist sie nach dem Vikariat mit allem fertig geworden. Und dann wurde es echt spannend, denn der erste­ Einsatzort eines Pfarrers beziehungsweise einer Pfarrerin ist eigentlich erst einmal immer da, wo er oder sie dringend gebraucht wird, nicht gerade da, wo es ihm oder ihr genehm ist. Tja, im Fall Sandra Niemann jedoch kam es zu einer „göttlichen Fügung“ wie sie sagt. Es passte einfach haargenau: „Ich freue mich einfach, dass es hier für mich losgeht.“

Sie kann musikalisch unter anderem auf die Mitarbeit des Kirchenchors, des Posaunenchors und der Gruppe Saitenwind setzen und möchte natürlich Einrichtungen wie das Begegnungs­café und den Kindergottesdienst fortsetzen. Darüber hinaus würde sie gerne einen Bibelgesprächskreis ins Leben rufen, in dem sich Menschen auch trauen, etwas zu sagen und miteinander über die Bibel ins Gespräch kommen, ganz ohne Vorträge.

Im Gottesdienst am Sonntag ab 14 Uhr in der Kirche Sarnau begrüßt die Kirchengemeinde auch Pfarrer Matthias Westerweg, der ab 1. November einen Predigtauftrag für die Gemeinde­ erhalten hat. Westerweg war Vikar in Wetter und Studienkollege von Sandra Niemann, die sich auch darüber freut, dass sich ihre Wege in Goßfelden und Sarnau wieder treffen.

von Götz Schaub

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