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Leicht und locker 800 Jahre überstanden

Festkommers in Münchhausen Leicht und locker 800 Jahre überstanden

„Wenn du etwas Wichtiges schreibst, vergiss nie Datum und Unterschrift.“ Mit dieser Erkenntnis endete der Festvortrag von Pfarrer Friedhelm Wagner.

Münchhausen. Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde - so weit wollte Pfarrer Wagner doch nicht zurückgehen, aber er streifte mit wenigen Worten die Zeit der Jäger und Sammler, die Entstehung der Kesterburg, die Geschichte vom König vom Christenberg, der auf seiner Flucht vor dem Feind, König Grünewald, in Wollmar rastete, so dass staunenswerterweise die Freundschaft mit Wollmar älter als die Geschichte des Dorfes Münchhausen sei.

1130, die Präsentationsleinwand blieb schwarz, hätte die Münchhäuser Geschichte dann offiziell beginnen können, wenn nicht auf der in Frage kommenden Liste über Eigentumsverhältnisse Datum und Unterschrift fehlen würden. Mit dem geschicktem Kunstgriff, ein Fremder habe Kunde von der Stadtgründung Heinrichs des Löwen im Herzogtum Bayern, genannt „Bei den Minchen“, gebracht, wo die Kerle lieber hinter einem runden Leder her laufen, statt was Gescheites zu arbeiten, brachte Wagner tatsächlich die heutigen Championsleague-Finalisten sowie Eintracht Frankfurt und Schalke 04 in seiner Historie unter. Flott ging es weiter durch Jahrhundert-Ereignisse in der Welt und in Münchhausen, meist augenzwinkernd, manchmal auch ernster, bis zur Wiedervereinigung Deutschlands, dem Ende des Kalten Krieges und dem Zusammenwachsen der europäischen Völker in der EU. Damit habe eine neue Epoche der Weltgeschichte begonnen, die die meisten von uns bewusst miterleben.

Alles befinde sich mittlerweile in rasanter Beschleunigung. Manches, was wir aus der Betrachtung der Münchhäuser Geschichte lernen können, drücke ein Lied von Hannes Wader gut aus. Der Text von „Heute hier, morgen dort“ lag auf allen Plätzen aus, so dass alle 350 Gäste die zwischendurch eingestreuten Strophen, von Wagners Frau Johanna an der Gitarre begleitet, mitsingen konnten.

Danach traten „Vier alte Münchhäuser aus dem Jahre 1213“ auf. Regina Briel, Margret Schedone, Karin Kühnel und Doris Sohn spielten als ein unterhaltsames Mundartstück aus der Feder von Armin Weber über die Urkunde, die der jetzigen 800-Jahr-Feier zugrunde liegt. Beim Müller am Hutschbach berichtete der für das Einziehen der Abgaben zuständige Verwalter Konrad von der Ausstellung der Urkunde, laut der die Grafen von Wittgenstein-Battenberg dem Erzbischof von Mainz die mainzischen Güter in Münchhausen zurückgeben mussten. Am Ende stand eine Prophezeiung: nachdem, entgegen den Erwartungen, im Jahre 1000 die Welt nicht unterging, werde sie wohl 2000 auch nicht untergehen und die Nachfahren 2013 das Jubiläum feiern können.

Den offiziellen Teil zu Beginn hatte Ortsvorsteher Bodo Molodych straff gestalten können. Landrat Robert Fischbach verkündete erheitert, dass auf dem Tisch der Ehrengäste liegende Zettel dazu aufforderten, drei Minuten Redezeit möglichst nicht zu überschreiten und keinen Wahlkampf zu machen. Er halte sich daran, denn er brauche keinen mehr, sagte Fischbach, und überreichte Ortsvorsteher Bodo Molodych und dem ersten Beigeordneten der Gemeinde Münchhausen, Willi Parr, die Ehrenmedaille des Landkreises zum 800-jährigen Bestehen Münchhausens. Parr vertrat Bürgermeister Peter Funk, der krankheitsbedingt nicht kommen konnte.

Den Reigen der Grußworte lockerte der Gesangverein Münchhausen auf.

Sehr groß war das Interesse an den 250 alten Fotos aus Münchhausen, die an Stellwänden gezeigt wurden. Sie waren im Hinblick auf die Feier gesammelt worden und wurden intensiv von den Gästen betrachtet und diskutiert. Hans Walter Holzapfel vom Heimat- und Geschichtsverein sagte, dass später ein Buch mit den Fotos entstehen soll.

von Manfred Schubert

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