Volltextsuche über das Angebot:

12 ° / 7 ° Regenschauer

Navigation:
Leere Häuser sind bislang die Ausnahme

Lahntal Leere Häuser sind bislang die Ausnahme

Laut Abschlussbericht des zweijährigen Leerstandsprojekts in der Gemeinde Lahntal ist der Leerstand von Wohngebäuden bisher eher noch ein theoretisches Problem.

Voriger Artikel
Gebühren hoch? Münchhausen stellt sich quer
Nächster Artikel
Manfred Damm hütet am besten

Leerstand ist in Lahntal bisher eher die Ausnahme: Hier ein Beispiel an der Bundesstraße 62 in Sterzhausen.

Quelle: Martina Koelschtzky

Sterzhausen. Von rund 1700 Gebäuden stehen derzeit 23 leer, 77 sind vom Leerstand bedroht. Dass das so bleibt, „bleibt eine Frage vorausschauenden Handelns“, betonte Bürgermeister Manfred Apell (SPD).

Zwei Jahre lang war Leerstandsmanager Oliver Haupt in den Ortsteilen von Lahntal unterwegs, der „nördlichsten Gemeinde Hessens mit Bevölkerungswachstum“, wie Apell hervorhebt. Er hat mit Hilfe von Ortsvorstehern, Gemeindemitarbeitern und kundigen Bürgern nicht nur erfasst, welche Häuser seit mindestens drei Monaten ungenutzt sind, sondern auch, in welchen Gebäuden der jüngste Bewohner über 60 ist und Sanierungsbedarf besteht. So kommt er zu seiner „Leerstandswarnung“ für 77 Häuser.

Für die nächsten 15 Jahre kein Problem in Sicht

Sein beruhigendes Fazit lautet jedoch: „Wenn die weitsichtige Politik in Lahntal weitergeht, ist in den nächsten zehn bis 15 Jahren kein Problem zu erwarten.“

Zuvor hatte bei der Abschlusssitzung des Arbeitskreises Leerstand Professor Christian Diller von der Gießener Uni berichtet, dass Leerstand fast überall im ländlichen Raum bereits heute zum Problem wird. Umso mehr, je weiter nördlich man in Hessen kommt. Im Osten Deutschlands gebe es schon seit den 1990er Jahren einen hohen Leerstand, der die ländliche Infrastruktur nicht mehr finanzierbar mache.

„Hat die Entwicklung einmal begonnen, entwickelt sich eine Abwärtsspirale“, erklärte er. Schrumpfe die Bevölkerung, gehe auch der Einzelhandel zurück, während die Daseinsvorsorge teurer werde. So werde die Schrumpfung der Bevölkerung noch durch Wegzug verstärkt.

Fast unumkehrbar werde die Entwicklung, wenn mehrere Häuser nebeneinander oder in einer Straße leer stünden. Neue Einzüge seien dann nicht mehr zu erwarten und solche Objekte kaum verkäuflich.

1,1 Prozent stehen leer

Fünf Prozent Leerstand gelten auf dem Land schon als normal, sagte Diller. So stehe Lahntal mit aktuell 1,1 Prozent gut da. Diller wie Haupt attestierten Lahntal, auch von der Lage im „Speckgürtel“ von Marburg zu profitieren. Dem widersprach Apell: „Andere Gemeinden liegen auch nicht weiter von Marburg entfernt und haben dennoch massive Leerstandsprobleme.“ Entscheidend sei, dass in Lahntal mögliche Probleme gesehen und bearbeitet würden, bevor sie wirklich akut werden.

„Wir haben beispielsweise schon viel Geld in den Ausbau der Kinderbetreuung investiert, als die Kollegen in den Nachbargemeinden mir noch sagten, das sei Geldverschwendung und die Kinder gehörten zur Mutter nach Hause“, sagte er. Auch dass die Gemeinde schon seit mehr als zehn Jahren eine hauptamtliche Seniorenbeauftragte habe oder die Ansiedlung oder den Erhalt von Lebensmitteleinzelhandel immer massiv unterstützt habe, trage zu der positiven Entwicklung seiner Gemeinde bei.

Als zentral erachtete er auch den vor einigen Jahren abgeschlossenen Bau eines Gesundheitszentrums durch die Gemeinde, das die Ärzte in der Gemeinde gehalten habe, sowie das Projekt „Wohnhof Goßfelden“ für generationenübergreifendes Wohnen, das in dieser Woche seinen ersten Spatenstich feiere.

„Zwei Jahre Leerstandsmanagement in Lahntal - war es das?“, lautete Apells Abschlussfrage, die er erwartungsgemäß verneinte. Um Leerstand zu verhindern, sei auch die Mobilität zentral, sagte er. Die Gemeinde arbeite an einer Anbindung Lahntals an das Marburger Stadtbusnetz und einem Bürgerbus innerhalb der Gemeinde. „Nur wenn sich ältere Menschen auch innerhalb der Gemeinde ohne eigenes Auto zum Arzt oder Einkaufen bewegen können, können sie hier bis ins hohe Alter bleiben“, betonte er. Eine Anbindung ans Stadtbusnetz könne eine ländliche Gemeinde wieder attraktiv für Studierende machen, die selbstverständlich auch abends noch nach Marburg gelangen wollten.

Zudem habe das Projekt die Ortsvorsteher und andere Aktive in der Gemeinde für das Problem sensibilisiert. „Wenn man die Faktoren kennt, die zu Leerstand führen, kann man etwas dagegen unternehmen und rechtzeitig gegensteuern“, so Apells Fazit.

von Martina Koelschtzky

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr