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„Einmalige Chance für Lahntal“

CSL Plasma „Einmalige Chance für Lahntal“

Auf dem Grundstück ­neben dem Edeka an der B 62 in Goßfelden will die Firma CSL Plasma ein Hochregallager bauen. Aber nicht alle Bürger sind dafür.

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Auf dem 95 000 Quadratmeter großen Industriegebiet „Spiegelshecke“ soll der Neubau des Logistikzentrums von CSL Plasma entstehen, in unmittelbarer Nähe zum Anschluss an die neue B 252.

Quelle: Grafik: Groß & Hausmann / Gemeinde Lahntal / Nikola Ohlen

Goßfelden. Nachdem aufgrund eines OP-Berichts öffentlich geworden sei, dass CSL Plasma das Unternehmen ist, das sich für das Goßfeldener Industriegebiet „Spiegelshecke“ interessiere, habe die Gemeinde nun beschlossen, die Bürger zu informieren, sagte Bürgermeister Manfred Apell am Donnerstagabend. Gemeinsam mit einem Ingenieur des Planungsbüros Groß & Hausmann sowie Bauamtsleiterin Sandra Riehl gab das Gemeindeoberhaupt rund 100 Gästen in der Lahnfelshalle in Goßfelden Auskunft.

Lärmgutachten liegt vor

Um zu verhindern, dass sich das Unternehmen für einen anderen Standort entscheide, habe man zuvor geschwiegen, erklärte der Bürgermeister. „Bis heute gibt es keinen abgeschlossenen Vertrag“, so Apell. Lediglich Absichtserklärungen­ gebe­ es bisher, weil die Entscheidungswege in einem internationalen Konzern länger als in einer Gemeinde seien. Das ­Unternehmen habe sich bereits mit Hessen Mobil geeinigt, wie das Grundstück an bestehende Straßen angeschlossen werden soll. Auch ein Lärmgutachten und eine ­klimaökologische Stellungnahme lägen vor, so Apell.

Die Gemeinde habe die Baumaßnahme vorbereitet, um dem Unternehmen Standortsicherheit zu garantieren. Daher sei der Bebauungsplan geändert worden und das Grundstück in ein Industriegebiet verwandelt worden. Derzeit ist der Plan öffentlich einsehbar. Im Frühjahr 2018 soll er rechtskräftig sein.

Tankstellen-Ansiedlung erwünscht

Ein schmales Grundstück auf der gegenüberliegenden Straßenseite, zwischen B 62 und den Bahnschienen sei hingegen als Gewerbegebiet „Hinterm Biegen“ ausgewiesen worden. Ein Grundstückseigentümer wünsche sich hier die Ansiedelung einer Tankstelle. Apell erklärte, dass die Tankstelle in Göttingen mit der Fertigstellung der neuen B 252 vermutlich nicht mehr wie bisher genutzt werde. Derzeit gebe es aber noch keinen Investor.

Die Ansiedelung von CSL Plasma aus Schwalmstadt in Goßfelden sehe die Gemeinde als „einmalige Chance für Lahntal“, sagte Bürgermeister Apell. Daher werde man sich weiterhin dafür einsetzen. Einige der anwesenden Gäste waren anderer Meinung. Mehrere fürchteten, dass das Grundstück schließlich von einem anderen Unternehmen gekauft und anderweitig verwendet werde. Apell erklärte, dass die Gemeinde vertraglich nur für 15 Jahre absichern könne, in welcher Sparte dort ­Gewerbe zulässig sei.

Angst vor zusätzlichem Verkehr

Auch Angst vor zusätzlichem Verkehr wurde geäußert. Bürgermeister Apell sagte, es werde zu keiner zusätzlichen Belastung kommen, weil die Transporte des Unternehmens vom derzeitigen Standort Schwalmstadt zum Mutterkonzern am Görzhäuser Hof ohnehin schon durch Goßfelden fahren.

Applaus für Ansiedelung

Mit der neuen B 252 sei damit zu rechnen, dass der Verkehr nicht mehr durch den Ort fahre. Hätten sich stattdessen zehn bis 15 Gewerbetreibende auf dem 95 000 Quadratmeter großen Grundstück angesiedelt, sei mit einer erhöhten Verkehrsbelastung zu rechnen gewesen, so Apell.

Die Angst um eine befürchtete „Wand“, die das 40 Meter hohe Gebäude bilden könnte, versuchte der Bürgermeister zu nehmen, indem er erklärte, das Gebäude sei von der Bundesstraße aus gesehen lang und schmal. Auch einen erhöhten Geräuschpegel fürchteten einige. Denn das Blutplasma lagere dort bei über minus 20 Grad, so Apell. Ein Bürger meldete sich zu Wort und sagte, er habe gerade mit seinem Handy ­recherchiert, die Kühlgeräte seien nicht lauter als ein laufender Lkw-Motor und damit vermutlich nicht wie befürchtet in den Nachbarorten hörbar.

Ein "sauberer Gewerbebetrieb"

Er war nicht der Einzige, der aufstand, und sagte, dass er die Ansiedelung von CSL Plasma ausdrücklich befürworte. Kurt Vogt, ehemaliges Mitglied des Lahntaler Gemeindevorstands, sagte: „Die Leute könnten sich freuen, dass sich hier ein sauberer Gewerbebetrieb ansiedelt.“ Es gebe immer wieder Menschen, die grundsätzlich gegen alles seien und Probleme sähen, so Vogt.

"Potenter Partner" für Lahntal

„Die Gemeinde hat die Verantwortung, für Arbeitsplätze­ und für Steuereinnahmen zu sorgen.“ Ein Mann aus den ­Zuschauerreihen sagte: „Ich bin froh, dass die Gemeinde es schafft, einen so potenten Partner hier her zu holen.“ Applaus brandet im Publikum auf. Man brauche in der Gemeinde „Bürger, Betriebe und Einnahmen, dann bleibt Lahntal am Leben.“

von Freya Altmüller

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