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Vom Gerichtsplatz rauf auf den Burgberg

Historische Dorfbegehung Vom Gerichtsplatz rauf auf den Burgberg

Der Arbeitskreis „Historisches Caldern“ im Förderkreis nahm die Besucher am Pfingstsamstag mit auf eine Reise in das mittelalterliche Caldern.

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Dr. Gerd Strickhausen (rechts) erzählte die Geschichte des Klosters und der Kirche.

Quelle: Elvira Rübeling

Caldern. 1200 Jahre Caldern – das ist ein Grund zum Feiern. Der Sprecher des Förderkreises Volker Heine und Kunst- und Bauhistoriker Dr. Gerd Strickhausen nahmen die Besucher während einer Dorfbegehung in drei Schritten mit in die Vergangenheit des Ortes.

Vom Treffpunkt am Bürgerhaus ging es zunächst zum rekonstruierten, historischen Gerichtsplatz, dessen Neugestaltung (die OP berichtete) bereits vor einigen Wochen fertiggestellt wurde. Im Mittelalter hatte der Platz eine große Bedeutung. Er lag im Bereich zweier Regionalstraßen, die sich dort kreuzten. Zum einen war es die Verbindung von der landgräflichen Burgenstadt Biedenkopf zur zeitweiligen Residenz in Marburg. Zum anderen führte eine wichtige Verbindung aus dem Raum Gladenbach mit der Burg Blankenstein zu einer der alten Städte der Landgrafschaft Hessens – der Stadt Wetter mit dem Reichsstift und einer Hochschule, erklärte Volker Heine.

Buch zur 1200 Jahrfeier kommt im August

Der Gerichtsplatz lag höchstwahrscheinlich im Schutze ­einer Befestigungsanlage, einer Burg oder nur einem Turm als Vorgängerbebauung der späteren Klosteranlage.

Von der Klosteranlage ist heute nur noch der Konventbau aus der Zeit um 1300 erhalten. Das Zisterzienser Kloster, kurz vor 1250 von der Landgräfin Sophie von Brabant gegründet, erlangte nie größere Bedeutung und wurde in der Reformation durch Landgraf Philipp aufgelöst und der neu gegründeten Universität Marburg zugeschlagen.

Um die Darstellung dieser Geschichte hat sich der Arbeitskreis „Chronik“ im Förderkreis 1200 Jahrfeier Caldern bemüht. Die Ergebnisse, darunter viele geschichtliche Details, die bisher noch nicht bekannt waren, werden im August als Buch erscheinen.

Vom Kloster aus führte damals ein Kreuzgangflügel zur benachbarten Nicolai-Kirche, die zwischen 1213 und 1230 von den Thüringer Landgrafen anstelle­ einer hölzernen Vorgängerkirche aus der Zeit von 1180 bis 1200 erbaut wurde. Beim Bau des Kirchenturms wurden Balken vom älteren Gebäude wiederverwendet, der älteste aus der Zeit um 1030.

Buntglasfenster zeigen biblische Geschichten

Die Gründung der Kirche im späten 12. Jahrhundert steht im Zusammenhang mit der zeitgemäßen Gründung einer Marktsiedlung in Caldern und geht einher mit der Einrichtung einer eigenen Pfarrei. In der Kirche ist heute noch der ehemalige Eingang zu sehen, über den die Zisterzienserinnen, unsichtbar für die Bevölkerung über eine hölzerne Galerie, am Gottesdienst teilnahmen. Heute zieren diesen ehemaligen Eingang, genauso wie alle anderen Kirchenfenster, die Glaskunst von Erhard Klonk, der in den Buntglasfenstern die Geschichte des Alten Testaments darstellte. Else Schneider und Annerose Fußmann vom Arbeitskreis Historie übernahmen nach Dr. Gerd Strickhausen auf dem Anwesen der ehemaligen Klosteranlage die Führung in der Kirche.

Anschließend ging es zum ältesten und letzten Punkt der Ortsbegehung: der Burg Caldern. Zuvor mussten die rund 50 Interessierten nach dem Verlassen des Shuttlebusses aber noch einen steilen Marsch bergauf absolvieren, wie die Landgrafen zu ihrer Zeit.

Am höchsten Punkt des Burgberges angekommen, konnten die Besucher die Steine der bereits 850-jährigen Ruine sehen.­ Anfang des 11. Jahrhunderts wurde die siedlungsferne­ ­Höhenburg vom Grafen Giso­ erbaut, der von Kaiser Heinrich II. als Graf und Vogt des Stiftes Wetter in Oberhessen eingesetzt wurde. Der steinerne Turm war mit einer Ringmauer umgeben, somit eine typische Hochadelsburg der Salierzeit. Die Gisonen heirateten in die Familie der späteren Landgrafen von Thüringen ein, die dann nach dem Tod des letzten Grafen Giso 1137 das Erbe antraten.

Nach der zweieinhalbstündigen Dorfbegehung ging es zurück zum Bürgerhaus. Dort warteten schon die vielen fleißigen Helfer des Heimat- und Geschichtsvereins mit Kaffee und selbst gebackenen Kuchen auf die Gäste.

von Elvira Rübeling

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