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Tausende Fische in die Lahn gesetzt

EU gefördertes Projekt Tausende Fische in die Lahn gesetzt

Über 10.000 Nasen sind im Rahmen eines ökologischen Projektes in die Lahn gesetzt worden. Ob der Fisch sich wieder langfristig ansiedelt, ist aber ungewiss.

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„Living Lahn“-Projekt in Sterzhausen. Kleine Nasen-Fische werden in die Lahn ausgesetzt.

Quelle: Thorsten Richter

Sterzhausen. Früher war die Nase weit verbreitet. Überall in der Lahn war sie zu finden und wurde oft als Speisefisch geangelt. „Seit den 80ern ist der Fisch mehr oder weniger verschwunden“, sagt Horst Schrey. Seit 30 Jahren engagiert er sich als Gewässerwart für den Fischereiverein Marburg und Umgebung. Jetzt hat er wieder Hoffnung, dass bessere Zeiten für Nase und andere Arten anbrechen.

Im Frühjahr wurden Laichtiere aus der mittleren Lahn-Region gefischt. Deren Eier wurden ausgebrütet. In der Fischzuchtanlage „Wetterfeld“ im Landkreis Gießen wurden die kleinen Nasen aufgezogen und darauf vorbereitet, in die Lahn ausgesetzt zu werden. Über 10.000 dieser Fische wurden in den vergangenen Tagen zwischen Sterzhausen und Cölbe in die Freiheit entlassen.

Über 10.000 Nasen sind im Rahmen eines ökologischen Projektes in die Lahn gesetzt worden.

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Das Regierungspräsidium in Gießen hat die Federführung bei dem Projekt „Maßnahmen zur Stützung von Äsche und Nase in der oberen Lahn“. Das ist wiederum Teil des Projektes ­„Living Lahn“, welches von der Europäischen Kommission ­gefördert wird. Nachdem die Nase nun wieder häufiger in der Lahn zu finden ist, soll auch der Population der Äsche auf die Sprünge geholfen werden.

Rund 350.000 Euro kostet dieser Versuch, der Lahn ein Stück Ursprünglichkeit zurückzugeben. 40 Prozent der Summe zahlt das Land, der Rest kommt aus Brüssel. Einen Versuch nennt das ­Regierungspräsidium das Ganze deshalb, weil der Ausgang völlig ungewiss ist. Fünf Jahre lang wird der Bestand der Nasen und Äschen beobachtet, werden die Rahmenbedingungen wissenschaftlich analysiert. „Das ist auch ein Stück Grundlagenforschung“, sagt Marlene Höfner, die als Projektmanagerin des Regierungspräsidiums involviert ist.

Es gab „Unmengen“

Horst Schrey beobachtet Wasser und Fische schon seit Jahrzehnten. Er hat noch Zeiten erlebt, als es „Unmengen von Nasen“ in der Lahn gab. Irgendetwas stimmte dann mit dem Futterhaushalt nicht mehr, sagt er. Nasen ernähren sich von Algen und Kleintieren, die sie von Steinen am Grund knabbern. Diese Algen waren früher grün, erinnert sich Schrey. Doch verfärbten sich viele dieser Pflanzen, die Algen starben ab. In diesem toten Gestrüpp ersticke der Laich, erklärt Schrey. So schwand der Nachwuchs dieser Fischart.

Ein anderes Problem für den Laich seien niedrige Wasserstände, sagt Schrey. Führt die Lahn viel Wasser, reiße sie vom Ufer das Material mit, das der Laich der Nase braucht. Zudem gelänge mit höherem Wasserpegel neues Material ins Flussbett, auf dem frische Algen wachsen könnten. Diese höheren Wasserstände seien in der Vergangenheit aber oft ausgeblieben, sagt Schrey.

„Die Lahn hat viel Druck aushalten müssen“, sagt Kirsten­ Fründt. Marburg-Biedenkopfs Landrätin sprach im Rahmen eines Pressetermins, zu dem auch Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich und Lahntals Bürgermeister Manfred Apell gekommen waren, über die Gründe wie Begradigungen des Flusses und Siedlungspolitik. Mit dem Einsetzen der Nase solle „die Biodiversität nach vorne gebracht“ und die „ökologische Wertigkeit erhöht“ werden, so Fründt. Ob dies gelingt, weiß von den Politikern und ehrenamtlichen Helfern allerdings niemand. „Es bleibt ein Restrisiko“, sagt Marlene Höfner vom Regierungspräsidium. Allerdings gebe es Hoffnung, denn die Lebensverhältnisse in der Lahn hätten sich in den vergangenen Jahren verbessert.

von Dominic Heitz

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