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Gemeinde will Barrieren weiter verringern

Rundgang in Goßfelden Gemeinde will Barrieren weiter verringern

Menschen ohne körperliche Einschränkungen nehmen oft nicht wahr, dass manche Einrichtungen oder Wege durchs Dorf mit Rollator, Rollstuhl oder dem Kinderwagen nur schwer oder gar nicht zu bewältigen sind.

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Deutlich mehr Steigung als sechs Prozent weisen die Rampen an der Lahnbrücke zwischen Goßfelden und Sarnau auf. Nur mit Hilfe kann ein unmotorisierter Rollstuhlfahrer diese überwinden.

Quelle: Manfred Schubert

Goßfelden. Manchmal bringen Rundgänge durch den Ort doch überraschende Erkenntnisse. Zum Beispiel hatten die Teilnehmer erwartet, dass an Goßfeldens neuer Mitte Behindertenparkplätze ausgewiesen sein müssten, zumindest vor dem Ärztehaus. Doch Fehlanzeige.

Andere Mängel waren bei der gemeinsam von der Gemeinde Lahntal und dem Kreis­seniorenrat mit dem VDK unternommenen Ortsbegehung bereits bekannt oder von den Teilnehmern erwartet worden. Klaus Eckel, Fachberater für Barrierefreiheit vom VDK, machte am Startpunkt des Rundgangs, der Lahnfelshalle, direkt auf die Eingangstür aufmerksam, die für Rollstuhlfahrer schwierig zu öffnen sei: „Man stößt sich die Tür vor die Fußstützen. Ideal wären automatische Türöffner mit Sensoren“, sagte er. Aber nicht nur um Rollstuhlfahrer gehe es, unterstrich Eckel: „Das Wichtigste ist, das Rollstuhl-Piktogramm aus den Köpfen zu kriegen, denn es gibt unterschiedlichste Behinderungen.“ So fehlen in der Halle akustische und optische Notsignale für Blinde und Taube, die nach dem Zwei-Sinne-Prinzip auf Notfälle aufmerksam machen würden, bei denen man die Halle verlassen muss.

VDK-Fachberater wies auf Mängel hin

Für Hörgeschädigte wäre es bei Veranstaltungen in Hallen nützlich, wenn über Mikrofone und Lautsprecher übertragene Signale direkt auf Hörgeräte gespielt würden, sonst verstehen diese oft nichts. Ein Hinweisschild zur Behindertentoilette vermisste Eckel ebenso wie eine Notfallschnur in dieser. Zudem öffnet deren Tür nach innen; falls jemand umfällt, ließe sie sich nur noch unter Schwierigkeiten öffnen.

An der Lahnbrücke zwischen Goßfelden und Sarnau weisen die Rampen deutlich mehr Steigung als die sechs Prozent auf, die die DIN 18040 im öffentlichen Bereich fordert. Nur mit Hilfe kann ein unmotorisierter Rollstuhlfahrer die Barriere überwinden. Durch Verlängern ließe sich die Steigung verringern. Heinrich Graf vom Lahntaler Bauamt sagte, es sei beabsichtigt, die Rampe an der Straßenseite nach links im Bogen zu führen und so zu verlängern.

Auf dem weiteren Weg zum Friedhof zeigte sich, dass die Fußgängerampel über die Marburger Straße eine sehr kurze Grünphase aufweist. Nur bei sportlichem Tempo ist es möglich, die andere Seite vor dem Umschalten auf Rot zu erreichen. Am unteren Friedhofseingang fehlt ein Schild, das auf den zweiten, barrierefreien Zugang weiter oben hinweist.

Bürgersteige sollen abgesenkt werden

An der Kirchtreppe sei baulich nichts zu ändern. Wenn die Stufenkanten weiß markiert wären, könne die Treppe bei Dunkelheit sicherer werden. Vor der Kirche wäre es günstiger, den Schwerbehindertenparkplatz auf einen der längs befahrbaren Abstellplätze am Beginn des Kirchhofs zu verlegen.

Kleine Rampen fehlten sowohl vor dem Volksbank-Automaten als auch vor der Sparkassen­filiale. Klaus Schmidt vom Ortsbeirat ergriff die Gelegenheit und machte die Mitarbeiter direkt darauf aufmerksam, die die Anregung aufnahmen. Der Zugang zum Bahnhof sei für blinde Menschen gar nicht zu finden, monierte Eckel. Grundsätzlich, das sei aber in der ganzen Kommune so, müssten die Bürgersteige in fast jeder Straße an den Einmündungen abgesenkt werden. Wichtig seien auch Sitzgelegenheiten für ältere Menschen im Ort, damit sie sich zwischendurch ausruhen können, sagte Eckel. Er erzählte von einer Frau aus einer anderen Gemeinde, die plötzlich nicht mehr zum Gottesdienst erschien, weil eine Bank entfernt worden war, die sie für ­eine Ruhepause auf dem Weg zur Kirche brauchte.

 
Die neuen Gebäude der Baugemeinschaft Wohnhof Lahntal können bald bezogen werden. Foto: Manfred Schubert

Zum Schluss des Rundgangs führte Bernd Vohwinkel von der Baugemeinschaft Wohnhof Lahntal durch den fast fertiggestellten, teils schon bezogenen barrierearmen Baukomplex. Bei der Besichtigung gab Eckel noch ein paar kleine, leicht umzusetzende Tipps. Zum Beispiel ­sollten Lichtschalter eine deutlich andere Farbe als die Wand haben, damit sie von Sehbehinderten leichter gefunden werden.

Harald Michael, Lahntaler Vertreter im Kreisseniorenrat, erklärte, dass auf die vor längerer Zeit in Sterzhausen und jetzt in Goßfelden vorgenommenen Ortsbegehungen unter dem Aspekt der Barrierefreiheit weitere in den andern Ortsteilen folgen sollen. Unter dem Motto „Hinkommen, drankommen, teilhaben“ wolle man für das Thema sensibilisieren, Anregungen geben und Veränderungsmöglichkeiten aufzeigen, damit alle Menschen sich in Lahntal gut aufgehoben fühlen.

von Manfred Schubert

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