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Zweifel am Status "Denkmal"

Ehemaliges Museum Zweifel am Status "Denkmal"

Es gibt sieben Interessenten, darunter zwei Investoren, teilt der Bürgermeister mit. Sie alle können sich offenbar vorstellen, das ehemalige Museum als Privathaus unter Auflagen des Denkmalschutzes zu sanieren.

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Das ehemalige Heimatmuseum muss vor einer Neunutzung umfassend saniert werden. Nach gutachterlichen Schätzungen sind dafür rund 500.000 Euro nötig.

Quelle: Götz Schaub

Lahntal. Kaufen kann man das Fachwerkhaus samt 1200-Quadratmeter-Gründstück für einen Euro. Vertraglich muss sich der Käufer aber verpflichten, das Haus grundlegend unter Auflagen des Denkmalschutzes zu sanieren.

Kostenschätzungen gehen von einer Investitionssumme in Höhe von 500.000 Euro aus (die OP berichtete).

Hintergrund

Der Beschluss des Gemeindeparlaments Lahntal im Wortlaut: „Die Gemeindevertretung der Gemeinde Lahntal schließt sich der Auffassung des Gemeindevorstands der Gemeinde Lahntal an, dass es sich bei dem Gebäude nach der Umsetzung auf das jetzige Gelände nicht mehr um ein Denkmal handelt. Wir beauftragen den Gemeindevorstand der Gemeinde Lahntal dies abschließend zu klären. Ein Verkauf des Grundstückes mit Gebäude zum symbolischen Preis darf nur erfolgen, wenn das Gebäude am jetzigen Standort als Denkmal ausgewiesen wurde.“

Lahntals Bürgermeister Manfred Apell freut sich, sich geirrt zu haben. Er konnte sich nicht wirklich vorstellen, dass es aufgrund des baulich schlechten Zustands des Hauses Interessenten für dieses Projekt geben könnte. Überraschend wurde die Zukunft des Heimatmuseums noch einmal Thema im Lahntaler Parlament.

Alle Fraktionen, also SPD, CDU, Grüne und die Bürgerliste Lahntal brachten einen Dringlichkeitsantrag ein, der nach seiner Aufnahme auf die Tagesordnung auch einstimmig beschlossen wurde. Danach zweifeln die Parlamentarier an, dass es sich bei dem Gebäude tatsächlich um ein zu schützendes Baudenkmal handelt, weil der Nachweis darüber nie erbracht wurde. Nun haben sie Angst, dass sich ein Käufer deshalb vielleicht nicht an den Vertrag, der eine Denkmaleigenschaft voraussetzt, halten muss.

Claus Opper von den Grünen sprach aus, was alle befürchten: „Ein auf die grüne Wiese versetztes Haus kann kein Denkmal sein. Einen Nachweis darüber gibt es auch nicht. Es darf aber auch nicht sein, dass wir ein Grundstück von Wert für ­einen Euro hergeben. Deshalb unser Antrag.“ In der Sitzung des Denkmalschutzbeirats des Landkreises Marburg-Biedenkopf hatte­ Dr. Bernhard Buchstab, der Leiter der Außenstelle des Landesamtes für Denkmalschutz in Marburg ist, erklärt, dass das Gebäude aus seinem geschichtlichen, künstlerischen und bauhistorischen Wert Denkmaleigenschaft besitze. Der Verlust des städtebaulichen Werts führe nicht zum Verlust der Denkmaleigenschaft.

Fachwerkhaus wurde in den 80er-Jahren versetzt

Das Haus sei 1981, also noch vor seiner Umsetzung, als Kulturdenkmal in das Denkmalschutzbuch eingetragen worden. An diesem Status habe sich nichts mehr verändert. Den entsprechenden Bescheid aus dem Jahr 1981 gibt es, die Bestätigung, dass das Haus auch nach seiner Umsetzung ein Denkmal ist, konnte indessen nicht vorgelegt werden.

Aus Sicht der Gemeinde hätte die Versetzung des Gebäudes in Sachen Denkmal-Status einer Neubewertung bedurft. Warum? Weil das Haus, das um 1700 entstanden ist, nun allein für sich steht und nicht mehr in seiner historisch gewachsenen Umgebung.

In diesem Zusammenhang hatte die Gemeinde darauf hingewiesen, dass alle historischen Häuser, die im Hessenpark in Neu-Anspach ausgestellt wurden, nach ihrem dortigen Neuaufbau den Status Denkmal verloren haben.

Zuletzt hatte der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow in dieser Sache vermittelt und erreicht, dass sich der Denkmalschutzbeirat und die Gemeinde­ Lahntal darauf verständigten, das Haus samt Grundstück ein Jahr lang zum symbolischen Preis von einem Euro zum Kauf anzubieten. Natürlich mit der Maßgabe, dass es dann auch auf Kosten des Käufers als Denkmal saniert wird.

Letztendlich wird zu prüfen sein, inwieweit sich das offensichtliche Fehlen eines Beweises zum Denkmal-Status nach der Hausversetzung auf den Vertrag auswirken kann, den der Käufer des Hauses unterschreiben muss.

von Götz Schaub

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