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Die kluge Frau hinter dem Künstler

Hanna und Otto Ubbelohde Die kluge Frau hinter dem Künstler

Eine Sonderausstellung im Otto-Ubbelohde-Haus stellt die Frau des Malers, Hanna Ubbelohde, in den Mittelpunkt. Sie unterstützte ihren Mann bei seiner Arbeit, erhielt seinen Nachlass und das historische Gebäude.

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Hanna Ubbelohde stand Modell für ihren Mann: Das Ölgemälde von 1896 zeigt sie in der ­Natur.

Quelle: Manfred Schubert

Goßfelden. Zum Internationalen Museumstag wurde im Otto-Ubbelohde-Haus in Goßfelden die Sonderausstellung „Hanna und Otto Ubbelohde. Die Frau des Malers“ eröffnet. Ludwig Rinn, Vorsitzender der Otto-Ubbelohde-Stiftung, betonte in seiner einführenden Ansprache vor 40 Gästen, dass die Aufgabenstellung des Museums grundsätzlich sei, zu sammeln, zu bewahren, zu forschen und zu vermitteln.

Die Trägerschaft der Stiftung setze derzeit allerdings Grenzen, bis auf Dr. Rainer Zuch, der mit der Inventarisierung des Nachlasses beschäftigt sei, arbeiteten alle Mitglieder ehrenamtlich. Er freue sich sehr, dass jüngst mit der Bildung des Arbeitskreises „Zukunft des Ubbelohde-Hauses Goßfelden“ wichtige Hilfe zugewachsen sei. Dessen Mitglieder übernähmen beispielsweise Museumsdienste zu den Öffnungszeiten. Rinn hob hervor, dass neben Bürgermeister Manfred Apell wieder Barbara Seitz die treibende Kraft gewesen sei, die auch schon die Initiative ins Leben gerufen habe, die sich um die Pflege der Gärten rund um das Otto-Ubbelohde-Haus kümmere.

Öffnungszeiten

Die Ausstellung ist bis zum 3. September zu sehen. Geöffnet ist das Otto Ubbelohde-Haus, Otto-Ubbelohde-Weg 30, samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr. Führungen sind nach Absprache möglich. Der Eintritt ist frei. Kontakt: Ludwig Rinn, Telefon 0641/63326

Im Kern bestätige auch die Sonderausstellung die ­Museumsidee. „Ohne Hanna­ Ubbelohde säßen wir heute­ hier nicht zusammen“, betonte Rinn. Ubbelohde hatte 1897 seine Kusine Hanna Unger in Bremen geheiratet und sich mit ihr 1900 in Goßfelden im nach eigenen Entwürfen gebauten Atelierhaus niedergelassen. Nach dem frühen Tod ihres Mannes, der 1922 mit 55 Jahren starb, habe sie durch einige kluge Entscheidungen für den Erhalt seines Nachlasses gesorgt.

Sie schenkte die Zeichnungen zu den Grimmschen Kinder- und Hausmärchen dem Landkreis Marburg-Biedenkopf und hielt sie so zusammen, statt sie gewinnbringend zu verkaufen. Weiter gab sie 64 Gemälde, 60 Zeichnungen und 99 Radierungen in die Obhut des Marburger Universitätsmuseums für Kunst und Kulturgeschichte und schließlich hielt sie das Ubbelohde-Haus bis zu ihrem Tod 1948 und darüber hinaus durch Aufnahme von Familienmitgliedern lebendig.

Selbst kinderlos, hatte sie ­eine Erbrechtsregelung getroffen. Ihre Nichte Else Ubbelohde-Doering handelte in ihrem Sinne und führte per Testament den Nachlass 1991 in die Otto-Ubbelohde-Stiftung über. Aber auch in der Kunst Otto Ubbelohdes spiele Hanna eine entscheidende Rolle. „Man kann sich seine Arbeit nicht ohne sie denken“, erklärte Rinn. Er geht davon aus, dass die Beziehung der beiden sehr eng war und das Paar die Stilbewegung der Jahrhundertwende lebte. Darüber hinaus habe Hanna sich unmittelbar in die angewandte Arbeit des Künstlers eingebracht und nach seinen Entwürfen sehr schöne Tischdecken und Läufer gestickt, von denen vier im Nachlass erhalten sind.

„Die Frau in Weiß“ steht im Mittelpunkt der Ausstellung

Der Läufer „Ginster“ und die Vorzeichnung dazu sind in Goßfelden ausgestellt. Weiter habe sie wohl Wandteppiche und Supraporten, Verzierungen über Türen, geknüpft. Und nicht zuletzt sei Hanna Modell für ­Ottos Malerei gewesen. Auffällig sei, dass er sie fast immer in einen Naturzusammenhang gestellt habe.

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht das Gemälde „Frau in Weiß“ von 1900, um das sich Ubbelohde intensiv bemühte. Drei vorbereitende Fotografien, einige Bleistiftzeichnungen, sieben Gemäldeskizzen und -studien sowie drei ausgeführte Fassungen sind erhalten, die letzte ist ausgestellt.

 
Das letzte Gemälde mit Hanna Ubbelohdes Bildnis entstand um 1903. Foto: Manfred Schubert

von Manfred Schubert

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