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Bürgerhilfe will Pflege-Lücken schließen

Interkommunale Zusammenarbeit Bürgerhilfe will Pflege-Lücken schließen

Immer mehr Menschen brauchen Hilfe, um Notsituationen oder auch den Alltag bewältigen zu können, ohne ihr Zuhause verlassen zu müssen. Die Bürgerhilfevereine Lahntal und Wetter bilden freiwillige Helfer aus.

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Dr. Wolfgang Engelhardt (von links), stellvertretender Vorsitzender des Vereins Bürgerhilfe Wetter, Vorsitzende Ingrid Gärtner, Ernst Boltner, Vorstandsmitglied in beiden Vereinen, Anke Bodenstein, Koordinatorin der Bürgerhilfe Wetter, Thomas Meyer-Bairam, Kassenwart in Lahntal, Schriftführerin Birgit Bartsch und Vorsitzender Dr. Herbert Koch.

Quelle: Manfred Schubert

Sterzhausen. „Es gibt eine steigende Zahl von Bürgern, die ohne Hilfe nicht mehr in ihrem angestammten Umfeld wohnen können. Die Idee ist, Menschen Hilfe anzubieten, die nicht mehr alles alleine bewältigen können, damit sie zu Hause bleiben können“, erläuterte Anke Bodenstein, seit August Koordinatorin der im November 2015 gegründeten Bürgerhilfe Wetter.

„Wir wissen, dass es einen großen Bedarf gibt, aber noch nicht genau, wie viel und welchen in welcher Ecke der Gemeinde“, erklärte Dr. Herbert Koch, Vorsitzender des Vereins Bürgerhilfe Lahntal. Demnächst will auch der ein Jahr später gegründete Verein Bürgerhilfe Lahntal eine Koordinatorenstelle besetzen. Bereits jetzt geht es aber los mit der Umsetzung der gesteckten Ziele. Und zwar in ­interkommunaler Zusammenarbeit auf Bürgerebene, dazu noch auf dem wichtigen Gebiet der Bewältigung des demografischen Wandels.

Erste Schulung startet am Freitag

Die Vertreter beider Vereine informierten jetzt in der Gemeindeverwaltung Lahntal über den am Freitag, 27. Oktober, startenden ersten Kurs, in dem freiwillige Helfer geschult werden sollen. Noch sind einige Plätze frei, 16 bis höchstens 20 Personen können teilnehmen. „Es wäre­ schön, wenn sich bereits eine Warteliste für den nächsten Kurs bilden würde“, meinte ­Bodenstein.

Immer mehr hilfsbedürftige Menschen wohnen heutzutage allein, mehrere Generationen unter einem Dach oder auch nur im gleichen Ort sind seltener geworden. Die künftigen Helfer sollen die Lücken schließen, die zwischen (fehlender) Hilfe aus Familie und Nachbarschaft und den Leistungen von Pflegediensten entstanden sind. Die Hilfen können von Begleitung zu Arzt oder Behörden, ­Besuchsdiensten, Entlastung pflegender Angehöriger, Hilfestellungen in Haus oder Garten bis zur Betreuung Demenzkranker zu Hause oder in Gruppen reichen.

Um eine Förderung durch die Pflegekassen zu erhalten, müssen die Helfer qualifiziert sein. Der 32 Unterrichtsstunden umfassende Kurs, wird an zwölf Terminen abwechselnd in Sterzhausen und Wetter stattfinden. Dazu soll bei Bedarf jeweils ein Fahrdienst beziehungsweise Mitfahrgelegenheiten angeboten werden.

Keine Konkurrenz zum Pflegedienst

Der Kurs soll unter anderem Kenntnisse darüber vermitteln, welche Krankheiten zu Hilfs- und Pflegebedürftigkeit führen und wie man mit den ­Betroffenen umgeht. Wie kann man Alltagsarbeiten gemeinsam mit den Betreuten erledigen, diese aktivieren, beispielsweise zu Spaziergängen. Eine Auffrischung in Erster Hilfe gehört ebenso dazu, wie der Umgang mit Krisensituationen bis hin zu Sterben und Tod und mit der Familie von Betreuten. „Die hauptamtlichen Koordinatoren werden als Erste auf die Hilfesuchenden zugehen und sich über die Situation informieren, um zu sehen, wo könnte es passen, welcher freiwillige Helfer könnte sich das vorstellen“, beschrieb Bodenstein das Vorgehen.

Die Frage, ob Pflegedienste die angebotene Hilfe als Konkurrenz sehen könnten, verneinte Ernst Boltner, Geschäftsbereichsleiter Altenhilfe beim St.-Elisabeth-Verein und Vorstandsmitglied in beiden Bürgerhilfevereinen: „Die Pflegedienste werden künftig die Versorgung nicht mehr allein leisten können, der Personalmangel hat noch lange nicht den ­Zenit erreicht.“

Die freiwilligen Helfer sollen eine Aufwandsentschädigung von acht Euro pro Stunde erhalten, die Hilfesuchenden werden zwölf Euro pro Stunde an den jeweiligen Bürgerhilfeverein zu zahlen haben. Beratung, Unterstützung bei Anträgen und Informationen, zum Beispiel Vorträge, werden kostenfrei angeboten.

  • Die Schulung beginnt mit einem Begrüßungsabend am Freitag, 27. Oktober, um 19 Uhr in Sterzhausen in der Gemeindeverwaltung Lahntal, Oberdorfer Straße 1. Menschen, die sich in der Bürgerhilfe Lahntal engagieren möchten und an dem Schulungsangebote Interesse haben, können Birgit Bartsch Telefon 0 64 20 / 82 30 18, E-Mail birgit.bartsch@lahntal.de, kontaktieren. Für die Bürgerhilfe Wetter ist Anke Bodenstein, Telefon 01 74 / 3 95 78 61, E-Mail bodenstein.a@gmx.de, zuständig.

von Manfred Schubert

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