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Lahntal will den Bürgerbus noch in diesem Jahr starten

Mobilität auf dem Dorf Lahntal will den Bürgerbus noch in diesem Jahr starten

„Notfalls fangen wir mit dem alten Gemeindebus an“, drückte Bürgermeister Manfred Apell (SPD) die Dringlichkeit für ein neues Mobilitätsangebot in der Gemeinde aus. Und Mitstreiter stehen auch schon „Gewehr bei Fuß“.

Sterzhausen. Bei der Bürger-Informationsveranstaltung in der Gemeindeverwaltung erklärten sich zwölf Lahntaler bereit, bei Planung und Durchführung eines ehrenamtlichen Bürgerbus-Projekts für Lahntal mitzumachen.

Im vollen Sitzungssaal der Gemeindeverwaltung machte Apell die Notwendigkeit zusätzlicher Angebote gerade für weniger mobile Mitbürger deutlich. „Wir sind zwar mit der Bahnlinie und der Busverbindung zwischen Biedenkopf und Marburg nicht gerade abseits der Verkehrsströme.

Aber viele Ortsteile sind nicht angebunden. Außerdem ist der Weg zum Bahnhof, vielleicht noch mit schweren Einkaufstaschen, für manche nicht mehr zu bewältigen.“

Für viele sind die Wege zum Geschäft oder Arzt zu weit

Könnten sich die Menschen nicht mehr selbst versorgen, selbstständig einkaufen oder zum Arzt fahren, sei es nur eine Frage der Zeit, bis sie die Gemeinde verlassen und in eine Einrichtung oder zu ihren Kindern ziehen müssten, sagte Apell.

Er freute sich über den vollen Saal, der zeige, dass die Notwendigkeit zusätzlicher Angebote von den Bürgern auch so gesehen werde.

Ehrenamtlich betriebene Bürgerbusse gibt es bereits in einigen Gemeinden des Landkreises, auch firmenfinanzierte Modelle existieren. Aus Weimar waren Werner Reif und Horst Nau vom Arbeitkreis Bürgerbus zu Gast und stellten den Lahntalern ihr erfolgreiches Modell vor.

Ehrenamtliche kümmern sich in Weimar um ihr Projekt

Reif schilderte die Anfänge 2011 und den heutigen Busbetrieb voller Begeisterung. „Wir sind derzeit 14 Ehrenamtliche, jeder fährt rund zweimal im Monat“, berichtete er. „Aber wir fahren nicht nur unsere vier festen Touren, es ist viel mehr. Wir holen Menschen auch mal zuhause ab, wir erklären die Fahrpläne und setzen uns für Bänke an den Haltestellen ein.“

Natürlich gebe es auch Probleme, beispielsweise war der Bus der Gemeinde Weimar dasselbe ältere Modell, das derzeit noch in Lahntal in Betrieb ist. „Da muss schon mal ein Bänkchen zum Ein- und Aussteigen mitgenommen werden“, sagte Reif.

Aber auch solche Probleme könnten in der Runde der Ehrenamtlichen leicht gelöst werden. „Wir treffen uns einmal im Monat und besprechen alles. Außerdem ist es auch einfach schön, mit allen zusammenzusitzen und zu reden“, meinte er.

Für Lahntal schwebt Apell ein Rundkurs mit dem Zentrum Sterzhausen vor, wo die meisten Ärzte und Geschäfte sind. Gerade bergige Ortsteile müssten komplett abgefahren werden, meinte er. „In Caldern beispielsweise ist der Weg zum Bahnhof und zurück mit Taschen kaum zu machen, wenn man auf dem Berg wohnt.“

Reif und Nau warnten davor, einen Verein für den Bürgerbus zu gründen. „Das macht nur viel mehr Arbeit als ein Arbeitskreis, und wir brauchen die Zeit zum Fahren, nicht für Verwaltung.“ Auch Anrufmodelle hätten sich in anderen Gemeinden nicht bewährt, man brauche eine feste Strecke und einen Fahrplan. „Und Geduld. Das erste halbe Jahr ist kaum jemand mitgefahren, jetzt ist der Bus sehr gefragt“, berichteten die beiden Aktiven. „Halten Sie also durch.“ Es gab großen Applaus für die beiden Ehrenamtlichen und ihr Engagement.

Gespräche zur Anbindung an Stadtbusnetz laufen

Fragen hatten die Anwesenden vor allem zu den Möglichkeiten eines Bürgerbusses. Warum man nicht auch nach Marburg fahre, wollten mehrere Lahntaler wissen. Apell erklärte, dass dies aus Lizenzgründen nicht möglich sei. „Wir können nur innerhalb der Gemeinde frei einen Bus betreiben.“

Er berichtete aber auch von Verhandlungen mit den Stadtwerken Marburg, um Goßfelden und Sterzhausen an das Stadtbusnetz anzuschließen. „Dann können wir Verbindungen mit dem Bürgerbus organisieren.“

Auf der herumgehenden Liste trugen sich zwölf Lahntaler ein, die an einem Bürgerbus mitarbeiten wollen. Apell kündigte an, baldmöglichst ein Vorbereitungstreffen einzuberufen. „Wir sollten so schnell wie möglich anfangen, der Bus soll noch dieses Jahr fahren“, sagte er.

von Martina Koelschtzky

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