Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 16 ° Regen

Navigation:
Kritisches und Kurzweiliges zur Burgfeier

750 Jahre Burg Mellnau Kritisches und Kurzweiliges zur Burgfeier

Als „Eiserne Lady von Mellnau“ kündigte Christa Schubert die Ortsvorsteherin Margot Diehl als erste Rednerin beim Festkommers an, der am Freitagabend das Festwochenende zur 750-Jahr-Feier von Burg Mellnau eröffnete.

Voriger Artikel
Mehr als 30 Reiter bilden die Spitze
Nächster Artikel
Brücke nach NS-Opfer benannt

Die Mittelalter-Rockband „Galensang“ eröffnete am Freitagabend die Reihe der Open-Air-Konzerte auf der Burg.

Quelle: Manfred Schubert

Mellnau. Nach einigen Worten zur Geschichte des Wahrzeichens des Dorfes, das im Jahr 1263 als Burg Elenhouch erstmals urkundlich erwähnt wurde, ging Diehl vor den etwa 120 Gästen auf die Entwicklung in jüngster Zeit ein, auf die Dorferneuerung und die in Form der Kuckuckshütte geschaffene Einkehrmöglichkeit.

Zu gegenwärtigen Entwicklungen merkte sie kritisch an, dass Mellnau vom Wasser des Burgwaldes lebe und die Arbeit vergangener Generationen nicht durch Dinge wie Fracking aufs Spiel gesetzt werden dürfe. Ebenso dürften Kindergärten und Schulen nicht geschlossen werden, denn sonst würden unsere Dörfer „tote Orte“. In den kommenden Jahren müssten dringend die Burgmauer und die Turmkrone saniert werden. Dazu bedürfe es der Unterstützung öffentlicher Stellen, alleine könne der Heimat- und Verkehrsverein dies nicht leisten.

Bürgermeister Kai-Uwe Spanka warf zu Beginn seines Grußwortes Reiskörner sowie eine Klopapierrolle und hielt sich eine Zeitung über den Kopf. „Wer nicht weiß, was das bedeutet, soll sich die Zusatzvorstellungen der Rocky Horror Mellnau Show ansehen“, empfahl er. Er erinnerte an die Menschen, die sich seit vielen Jahren für ihren Ort engagieren. Das Bewusstsein, dass man viel Bewegung und Aktivitäten in unseren Dörfern brauche, sei wichtig, damit die Menschen dort ein Zuhause fänden. Besonders würdigte er den Einsatz dafür, dass die Burg für Besucher zugänglich bleibe.

Christa Schubert, die als Kommers-Moderatorin ebenso witzig und schlagfertig agierte wie als Erzählerin der Rocky Horror Mellnau Show, freute sich, dass ein Oberrospher ein „Fan der Mellnauer“ geworden sei. Das sei ja nicht immer so gewesen, sagte sie, und erzählte die Legende von Beginn des Streits zwischen den Dörfern, der durch Prahlerei zweier Bauern seinen Anfang genommen habe. Dr. Winfried von Schutzbar vertrat die Eigentümerfamilie der Burg und gratulierte den Mellnauern zu deren guter Erhaltung und Nutzung. Er wolle künftig öfter vorbeikommen. „Es war die beste Idee gewesen, den Pachtvertrag zu schließen, besser könnte es nicht sein“, sagte er.

Landrat Robert Fischbach gratulierte anfangs irrtümlich zur 1250-Jahr-Feier. Auf Kritik der Ortsvorsteherin am Zustand der Kreisstraße nach Simtshausen erwiderte er, sie gehöre jetzt Kai-Uwe Spanka, da im Zuge der Ortsumgehung ein Vertrag mit der Stadt Wetter zur Abstufung geschlossen worden sei. Spanka widersprach vom Tisch aus.

Auch weitere Vertreter aus der Landes und Kreispolitik gratulierten, ebenso der Bürgermeister von Hatzfeld, Dirk Junker. Die Hatzfelder halfen vor über 600 Jahren den Mellnauern gegen die Belagerung durch die Marburger.

„Konflikte werden mittlerweile nicht mehr so rustikal ausgetragen, auch wenn man manchmal in der Presse liest, dass das Raubrittertum wieder Einzug gehalten habe und das Reisen nachts so lange wie früher dauert“, schloss er.

Alexander Pahlke als Brad Majors lockerte mit Lena Dippel und Nadine Balzer, den beiden Janet-Weiss-Besetzungen, den Kommers mit dem Song „Damn it, Janet“ aus der Rocky Horror Mellnau Show auf. Dann sprach der Festausschussvorsitzende Andreas Ditze. „Ich bin noch ganz frisch, wohne erst zehn Jahre hier. Ich denke, dass die Mellnauer ein gespaltenes Verhältnis zur Dorfgemeinschaft haben. Sie wird immer skeptisch betrachtet, aber wenn es um etwas geht, steht sie doch zusammen“, meinte er.

von Manfred Schubert

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr