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Knickefuß kehrt zurück

Wintergast in Sarnau Knickefuß kehrt zurück

Eine Vogelbeobachtung der besonderen Art macht der Sarnauer OP-Leser Karl Heinz Görmar seit einigen Jahren. Das Amselmännchen „Knickefuß“ ist ihm schon richtig ans Herz gewachsen.

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Die Amsel mit dem umgeknickten Füßchen ist nun schon das dritte Jahr in Folge bei Görmars in Sarnau ein gern gesehener Wintergast.

Quelle: Karl Heinz Görmar

Sarnau. Unser Vogelfutterhäuschen steht genau hinter der Balkontüre. Und da wir nie die Gardine vorgezogen haben, können wir vom Esstisch aus sehen, wenn im Winter die Vögel kommen und im Futterhäuschen die Körner picken.
Vor drei Jahren schon kam ein ganz besonderer Gast, ein Amselmann mit einem nach hinten geknickten linken Füßchen. Da stand er auf dem Balkongeländer wie ein Storch auf einem Bein.

Im vergangenen Winter hatte ich meine Mitbläserin im Bass des Posaunenchores Lahnfels, Anna Maria Riehl, gefragt, wie es denn kommen kann, dass ein Vogel ein nach hinten genicktes Füßchen hat. „Das kommt schon mal vor“, sagte die Vogelmutti,­ die in ihrem Garten in Sterzhausen eine große Voliere hat, in der sie sich in Zusammenarbeit mit dem Nabu um kranke, verletzte oder sonst pflegebedürftige Vögel kümmert und diese auch schon mal in die Vogelklinik Gießen bringt. Sie hat in ihrem Herz neben ihrer Familie einen wichtigen Platz frei für die Vögel.

So wie im vergangenen Jahr, als sie in eine Übungsstunde des Posaunenchores kam und in einem Körbchen in einem selbst gemachten warmen Nest aus Tüchern und Zellstoff zwei kleine nackte Amselchen mit sich trug, nur ein paar Tage alt. Die Finder hatten sie zu ihr gebracht, damit sie gepflegt und gefüttert werden und vielleicht überleben. „Ich muss sie in die Übungsstunde mitbringen“, erklärte Anna Maria Riehl, „sie dürfen nicht kalt werden und müssen regelmäßig gefüttert werden.“ Und da stand er nun, der Korb mit den Vögelchen, ­sicher die jüngsten Zuhörer, die je in einer Übungsstunde des ­Posaunenchores zu Gast waren. In der Pause der Übungsstunde holte die Vogelmutti dann das Körbchen zu sich und fütterte die Tierchen mit einer Pinzette. Kleine Maden gab es.

Maden stillen den Hunger – und löschen den Durst

Auf die Frage, ob die Vögelchen denn kein Wasser bräuchten, hat sie mir gesagt, dass in Maden und Insekten genug Flüssigkeit drin steckt. Zu dem umgeknickten Füßchen „unseres“ Amselmannes hat mir die Vogelmutti erklärt, dass die jungen Vögel in einem Nest ganz eng beieinander liegen – und da könne es schon mal vorkommen, dass sich die noch weichen Gliedmaßen nach hinten biegen. „Das bleibt dann so, wenn das längere Zeit der Fall ist.“ Die Vogelmutti hat mir auch verraten, dass Amseln gut und gern zehn Jahre alt werden können. „Dann kann er ja im nächsten Jahr wiederkommen“, habe ich gesagt, „Ja, ganz sicher, wenn er sich bei euch wohlgefühlt hat und er noch lebt.“

Und nun war er wieder da, unser lieber Knickefuß, schon den dritten Winter in Folge. Auf dem Balkongeländer saß er, als der erste Frost kam. Und er schaute­ ganz erwartungsvoll in unser­ Esszimmer. „Habt ihr mich denn schon entdeckt?“, schien er uns zu fragen, „ich bin wieder da!“ Wir haben uns gefragt, was er den Sommer über gemacht hat. Ob er eine Amselfrau hatte­ und mit ihr kleine Amselchen großgezogen hat? Ich bin sicher, er würde es uns erzählen, wenn er das könnte.

von Karl Heinz Görmar

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