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Kleine Lücken im Hochwasserschutz

Schwachstellen entdeckt Kleine Lücken im Hochwasserschutz

Mit Gartenabfällen verstopfte Bäche, stark bewachsene Zuläufe – solche und ähnliche Probleme fielen Fachleuten bei einer Hochwasserschutz-Begehung in Sterzhausen ins Auge.

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Bei einer Hochwasserschutzbegehung in Sterzhausen verschafften sich ein Expertenteam und die Gemeindevertretung Lahntal einen Überblick über die Ortsanlagen.

Quelle: Ruth Korte

Sterzhausen. „Das sind Gartenabfälle, Leute. Beim nächsten Hochwasser verstopft euch das Zeug die Rohre!“, echauffiert sich Herbert Diehl beim Blick in den Bach einer Neubausiedlung in Sterzhausen, wo Bewohner offensichtlich den Grünschnitt aus ihrem Garten hineingekippt haben.

„Bei extremem Hochwasser kann es hier zu Aufstauungen kommen“, sagt der Boden- und Gewässerexperte vom Regierungspräsidium Gießen kopfschüttelnd und schreibt eine Notiz in seinen Block – schon wieder. Bei der Hochwasserschutzbegehung ist das Expertenteam, bestehend aus Vertretern der Unteren Wasserbehörde, der Wasserwehr, dem Zweckverband kommunaler Bauhof Cölbe und dem Fachbereich Bauen und Energie, bereits auf mehrere Schwachstellen gestoßen.

Wasser hat keinen ausrechenden Raum zum Abfließen

Die Begehung sei nötig, weil der Hochwasserschutz immer dringender werde, erklärt Mitinitiator Bürgermeister Manfred Apell (SPD). Erst im Juni hatten Starkregenfälle eine Überflutung im Ortsteil Oberndorf ausgelöst, die binnen
Sekunden Straßen unter Wasser setzten, in die Gärten und Höfe schwappten und in Kellerräume eindrangen (die OP berichtete).

„Der Klimawandel führt zu neuen Gefahren, unter anderem durch verheerende Regengüsse und zu immer höheren Hochwasserpegeln“, weiß Apell, „oft haben auch bauliche Veränderungen dazu geführt, dass die Wassermassen eines Starkregens keinen ausreichenden Raum zum Abfließen haben.“ Dazu gehören beispielsweise fehlende Rückhaltebecken oder zu kleine Zuläufe – Dinge, die auch bei der Ortsbegehung auffallen.

Rasenreste und Abfall gehören nicht in den Zulauf

Beispiel: Zwei nebeneinander liegende, kreisrunde Rohre an einem Zulauf im Sandweg sehen auf den ersten Blick zwar effizient aus. „Die hydraulische Leistung ist aber sehr viel geringer als  beispielsweise bei Vierkantrohren“, gibt Diehl zu bedenken. Zudem verfüge der Zulauf weder über einen Rechen noch über Abstand zur Sohle, so dass sich Treibgut, wie Müll, Grünschnitt oder Gehölz, davor lagern können.

Die Folge: Das Rohr verstopft, das Wasser sammelt sich im Becken und stürzt bei stärker werdendem Druck in die nächsten Gebiete. Extrem schmale Durchlässe finden die Experten auch im Neubaugebiet. „Für so ein Einzugsgebiet sind sie zu klein“, moniert Diehl.

Ein weiteres Problem: Zwar werden sie regelmäßig vom Bauhof kontrolliert. „Die Anwohner machen aber häufig komplett das Gegenteil und werfen ihre Rasenreste hinein oder lassen ihre Kinder Staudämme darin bauen“, ärgert sich Bauhof-Geschäftsführer Willi Krannich. Bei Hochwasser werde dann häufig die Gemeinde oder der Bauhof beschuldigt, dabei seien es die Bürger selbst, die den Schaden verursachten.

Apell ruft zur Mitarbeit auf Probleme einzuschränken

„Es ist nicht nur eine kommunale Aufgabe“, stimmt ihm Sandra Riehl zu, Leiterin des Fachbereichs Bauen und Energie. „Jeder muss sich selbst schützen. Es gibt Stellen, an denen Anwohner Ablaufstellen bewusst zugebaut haben, weil sie mehr Platz für den Ausbau ihres Grundstückes brauchten. Das geht nicht.“

Apell hält nach der Begehung „viele kleinere Maßnahmen“ an problematischen Zuläufen für nötig, sieht aber auch den Bedarf, das Bewusstsein in der Bevölkerung zu schärfen. „Wir können uns nicht vor Hochwasser retten. Aber wir können Probleme einschränken, indem jeder mitarbeitet.“

von Ruth Korte

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