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Goßfelden

„Kiesteiche wird es nicht geben“

Ein Projekt, das Kiesabbau mit Hochwasser- und Naturschutz verbindet, planen die Firma Oppermann und der Nabu Hessen in Goßfelden. Doch auf einhellige Zustimmung stößt das bisher nicht.
Das Bild zeigt beispielhaft die für Kiesabbau und anschließende Renaturierung vorgesehene Fläche „In der Wehr“ südlich der Lahn und westlich von Goßfelden. Nördlich grenzt das Werksgelände der Firma Oppermann an.Foto: Groß & Hausmann

Das Bild zeigt beispielhaft die für Kiesabbau und anschließende Renaturierung vorgesehene Fläche „In der Wehr“ südlich der Lahn und westlich von Goßfelden. Nördlich grenzt das Werksgelände der Firma Oppermann an.Foto: Groß & Hausmann

Goßfelden. Viel Skepsis, offene Ablehnung und viele Fragen prägten die erste Informationsveranstaltung, zu der die Gemeinde gemeinsam mit der Firma und dem Naturschutzbund am Dienstag in die Lahnfelshalle Goßfelden eingeladen hatte.

Und noch bevor Matthias Nörthen, Geschäftsführer der Firma Irma Oppermann GmbH und Nabu-Landesgeschäftsführer Hartmut Mai die Kurzvorträge über ihre Pläne abschließen konnten, befand man sich schon mitten in einer bisweilen hitzigen Diskussion.

Doch zunächst zu den Fakten. Seit 1970 baut die Firma Oppermann großflächig Kies zwischen Goßfelden und Sterzhausen ab. Das Abbaugelände ist einerseits von der Lahn und nördlich von der Bundesstraße 62 begrenzt. Der Abbau dort ist schon relativ weit fortgeschritten, zuletzt wurden Flächen in unmittelbar Nähe zur Ortsrandlage Goßfeldens geöffnet. Mit dem vorgestellten Projekt würden erstmals auch Abbauflächen südlich der Lahn angegriffen.

Das Gebiet, das derzeit landwirtschaftlich genutzt wird, ist bereits erkundet, dort lagern nach Angaben der Firma bis in fünf Meter Tiefe insgesamt etwa 15000 Kubikmeter Kies. Allerdings sind die Böden unterschiedlich ergiebig. In der Mitte der für das Projekt angenommenen etwa 15 Hektar Fläche ist die sogenannte Kiesmächtigkeit am höchsten, an anderen Stellen erwarten die Fachleute des Unternehmens fast gar kein verwertbares Material.

Um das Vorhaben für die Firma wirtschaftlich zu machen, seien fünf bis sechs Hektar unerlässlich und dort natürlich die ergiebigen Flächen. Da es keine für Lkw geeigneten Zufahrtswege gibt, müsste der Abtransport des Materials mittels Transportbändern über die Lahn auf das Werksgelände erfolgen.

Wenn die Böden ausgebeutet sind, soll das Gelände nicht wieder aufgefüllt werden, sondern als Tiefauenlandschaft mit wasserführenden (Furkations-)Rinnen auf Höhe der Lahnsohle gestaltet werden. Das bietet zum einen Tieren und Pflanzen Lebensraum, zum anderen könnte die Fläche bei Hochwasser überströmt werden und den flussabwärts gelegenen Ort entlasten.

Keine Enteignung möglich

Die nächsten Schritte sind schnell skizziert: Zunächst werde die Firma nun versuchen, sich die notwendigen Grundstücke zu sichern. Gelingt dies nicht, kommt das Projekt nicht, denn Enteignungen könne und werde es in diesem Zusammenhang nicht geben, stellte der Oppermann-Chef auf Nachfrage klar. Bislang habe man von den angefragten Grundstückseigentümern unterschiedliche Resonanz erfahren. Mancher sei verkaufswillig, andere nicht, von manchen kam keine Rückmeldung. Nicht alle Grundstücke würden dazu aber benötigt, um das Vorhaben für die Firma wirtschaftlich zu machen, ergänzte Oppermann-Planungsleiter Roland Schippany. Die Einschätzung: „Das Projekt hat Chancen.“

Im Erfolgsfall folgt ein förmliches Planfeststellungsverfahren, bei dem auch die Öffentlichkeit beteiligt wird und worüber letztendlich vom Regierungspräsidium Gießen entschieden wird. Nach dem Ende des Abbaus, der bei voller Auslastung etwa fünf Jahre dauern würde, wahrscheinlich aber deutlich länger, würde die Fläche gemeinsam mit dem Nabu renaturiert und dann in dessen Eigentum übergehen.

Die Gemeinde Lahntal, betonte Bürgermeister Manfred Apell, sei in keiner Weise an diesem Projekt beteiligt, außer dass auch sie im Genehmigungsverfahren angehört wird. Allerdings befürworte man das Projekt nicht zuletzt aus Hochwasserschutzgründen, so Apell weiter. Prognostiziert wird eine entschärfende Wirkung vor allem für die niedriger gelegenen Gebäude in Goßfelden. Zumindest für zehnjährige Hochwasserereignisse könne dies ausreichen, für 100-jährige Hochwasser wollte man sich bei der Veranstaltung nicht festlegen.

Skepsis im Publikum

Die Skepsis vieler der gut 70 Zuhörer bekamen die Vertreter von Firma Oppermann und dem Nabu dennoch deutlich zu spüren. Neben der Angst von Anwohnern wegen möglicher regelmäßiger Kiestransporte durch das Dorf (Schippany: „Wird es nicht geben“), wurde die Sorge um eine der letzten unverbauten Auenflächen in der Umgebung spürbar.

„Durch den Abbau nördlich der Lahn haben wir schon drei Wegeverbindungen nach Sterzhausen verloren, damit ginge auch noch die letzte Verbindung südlich der Lahn verloren“, beklagte ein Veranstaltungsbesucher. Dem versuchte Nabu-Geschäftsführer Hartmut Mai entgegenzutreten, indem er zusagte, dass es natürlich weiterhin eine Wegeverbindung geben werde und auch die geplante Renaturierung eine begehbare, „erlebbare Auenlandschaft“ sein werde, die neben dem Natur- und Hochwasserschutz auch Naherholungsfunktion habe.

Neben dem Verlust der liebgewordenen Landschaft während der Zeit des Kiesabbaus, die das Gebiet auf jeden Fall für mehr als fünf Jahre nicht mehr zugänglich machen würde, wurde auch der weitere Verbrauch von landwirtschaftlichen Flächen kritisiert. Eins versprachen die Firmenvertreter allerdings: „Kiesteiche, wie nördlich der Lahn, wird es nicht geben.“

Eine provokante Forderung von Gemeindevertreter Claus Opper (Grüne) wies Hartmut Mai für die Projektpartner an diesem Abend allerdings auch deutlich zurück. Opper hatte gesagt: „Nehmen Sie die Veranstaltung doch mal so an, dass die Bürger Ihnen die Meinung gesagt haben und blasen Sie das Ganze wieder ab.“

von Michael Agricola


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