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Kein Mittel gegen Krähen-Attacken auf Lämmer

Skuddenherde bedroht Kein Mittel gegen Krähen-Attacken auf Lämmer

Die Schafe von Familie Freiling bringen zwischen 40 bis 50 Lämmer im Jahr zur Welt. Im vergangenen Jahr sind 20 kleine Skuddenlämmer durch Angriffe von Rabenkrähen und Kolkraben gestorben

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Die Skuddenherde versucht stets, ihre Lämmer zu schützen. Dieses kleine Lamm ist knapp fünf Tage alt. Gibt es mehrere Lämmer in der Herde, kümmern sich die Mutterschafe gemeinsam um ihren „Kindergarten“, wie die Halter es beschreiben.

Quelle: Philipp Lauer

Wollmar. Am vergangenen Freitag hat eine Spaziergängerin einen Angriff auf ein gerade frisch geborenes Lämmchen miterlebt. „Ich sah schon von weitem, dass etwas nicht stimmt, weil die Schafe so dicht zusammen standen und eines vereinzelt“, berichtet Karin Seipp.

Vier bis fünf Rabenkrähen saßen rund um ein neugeborenes Lamm verteilt. „Zwei von ihnen hatten schon ein großes Loch in den Oberschenkel gehackt. Sie ließen sich nur schwer vertreiben“, erinnert sich Seipp. Erst nachdem sie ihnen mehrere Male nachsetzte, flogen sie weiter weg. Zuhause angekommen rief die Wollmarerin den Halter an. Der verständigte Tierarzt musste das Tier einschläfern.

Die Freilings halten Skudden, eine der ältesten Schafrassen, die heute vom Aussterben bedroht ist (siehe Hintergrundkasten). Im vergangenen Jahr hat Familie Freiling 20 Lämmer durch Angriffe von Rabenkrähen verloren, das entspricht fast der Hälfte des jährlichen Nachwuchses der Herde.

„Man sagt immer, die Krähen gehen nur an alte, schwache Tiere. Das stimmt so nicht, die meisten Lämmer waren schon mehrere Tage alt und durchaus kräftig“, erklärt Burkhard Freiling. Für die ersten Tage nach der ­Geburt bringt Burkhard Freiling die Lämmer und ihre Mutterschafe nämlich in einem mobilen Stall in Sicherheit.

Besonders dramatisch war der Verlust eines Drillings

Erst wenn sie kräftig genug sind, dürfen sie wieder heraus. Besonders dramatisch war der Angriff auf eines der seltenen Drillingsschafe, über deren Geburt sich die Freilings besonders gefreut hatten. „Viele alte Rassen sind für die Landwirtschaft nicht mehr so interessant“, erklärt Katja Freiling. Die Freilings haben sich dennoch bewusst für die Skudden entschieden, weil sie gerne entgegenwirken möchten, dass alte Haus- und Nutztierrassen aussterben.

Der Pressesprecher des Landkreises, Stephan Schienbein erklärte dazu, es sei ein ganz normaler biologischer Vorgang, dass Tiere andere als Nahrungsquelle nutzen. „Natürlich ist es bedauerlich, wenn ein Schafhalter in dem beschriebenen Umfang betroffen ist. Häufungen solcher Fälle, insbesondere die Konzentration auf einzelne Herden, sind uns bislang nicht bekannt geworden.“

Rabenkrähen sind schwer zu bejagen

Bis zum vergangenen Jahr hatte Freiling auch keine Verluste durch Rabenkrähen zu beklagen. Der Landkreis sieht keine Besonderheiten, warum die Vögel ausgerechnet im vergangenen Jahr dermaßen zugeschlagen haben. „Grundsätzlich ist anzumerken, dass Rabenkrähen sehr intelligente Tiere sind.

Sollte sich also eine Schafherde als ergiebige Nahrungsquelle eignen, werden die Rabenkrähen ihr Verhalten entsprechend anpassen“, erklärt Schienbein. Weiter weist er darauf hin, dass Rabenkrähen vom 1. August bis zum 20. Februar bejagt werden dürfen und empfiehlt, die Schafe zum Lammen in einen Stall zu bringen.

Dass die Raben sehr klug sind, hat auch Burkhard Freiling schon gemerkt und schildert die Erfahrung des Jagdpächters. „Die Rabenkrähen sind schwer zu bejagen, sie erkennen auch, wenn das Auto des Jägers da steht und meiden die Umgebung solange“, berichtet Burkhard Freiling. Er habe auch schon versucht, die Schafe im Stall zu halten und damit schlechte Erfahrungen gemacht.

Schutzhund ist zu teuer für kleine Herde

Ein Schäferhund sei ebenso keine Alternative. „Ein Herdenschutzhund kostet zwei- bis dreitausend Euro und würde sich bei einer so kleinen Herde nicht rechnen“, sagt Burkhard Freiling. Letztlich sehen die Freilings keine andere Möglichkeit, als die Herde auf einer anderen Weide zu halten. Diese können sie vom Haus aus im Blick behalten. „Bis man da ist, wäre es dann zwar auch zu spät, aber so könnte man wenigstens sehen wenn ein Schaf bald lammt“, erklärt Freiling.

HINTERGRUND

Die Skudden gelten als eine­ der ältesten Schafrasse aus dem deutschsprachigen Raum und stehen auf der roten Liste der bedrohten Nutztierrassen. Heimatvertriebene brachten sie aus den Regionen Ostpreußen und Pommern mit. Heute werden sie hauptsächlich zur Landschaftspflege genutzt.

Dabei schonen die Schafe den Lebensraum von Bodenbrütern. Sie haben keine großen Ansprüche und können das ganze Jahr über draußen gehalten werden. Selbst hohe Minusgrade und Schnee machen ihnen nichts aus. Skudden können sogar im Schnee gebären. Skuddenwolle ist sehr fein.

von Philipp Lauer

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