Volltextsuche über das Angebot:

26 ° / 15 ° wolkig

Navigation:
Kassiererin prellt Vereine um 50000 Euro

Bewährungsstrafe Kassiererin prellt Vereine um 50000 Euro

Zwei Jahre Haft auf Bewährung - so lautet das Urteil des Amtsgerichts Marburg. Als Kassiererin zweier Vereine im Nordkreis brachte eine 48-Jährige diese um eine beträchtliche Summe Geld.

Voriger Artikel
Auch Unterrosphe wandelt sich zum Energiedorf
Nächster Artikel
Vom Land der Fjorde zurück an die Lahn

Sie griff in die Vereinskasse, wieder und wieder: Vorm Amtsgericht bekannte sich eine 48-Jährige aus einer Kommune im Nordkreis zu jahrelanger gewerbsmäßiger Untreue.

Quelle: Peter Kneffel

Marburg. Wegen gewerbsmäßiger Untreue in 231 Fällen ist eine 48-Jährige aus einer Nordkreiskommune zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden.

Die Frau gestand vor dem Marburger Amtsgericht, als Kassiererin zwei Vereine um mehr als 50 000 Euro gebracht zu haben. In acht Fällen gab es einen Freispruch, weil entweder nur Umbuchungen vorgenommen wurden oder das Geld tatsächlich zweckgemäß überwiesen wurde. Angeklagt waren Taten, die die Angeklagte zwischen 2009 und 2014 begangen haben soll. Angefangen habe sie aber bereits vor etwa neun Jahren, als die Familie in finanziellen Schwierigkeiten steckte, so die Angeklagte.

Angeklagte selbst von der Summe überrascht

In den ersten Jahren habe sie noch versucht, den Schaden am Jahresende auszugleichen, das sei später nicht mehr gegangen. Zunächst, so berichtete die 48-Jährige, habe sie die Kasse eines Kunstvereins geplündert, insgesamt liegt der Schaden bei diesem nach Überzeugung von Staatsanwältin Sarah Otto im angeklagten Zeitraum bei etwa 6000 Euro.

Wenn Rechnungen gekommen seien, habe sie die wiederum aus Mitteln des Fördervereins einer Grundschule entnommen, so die Angeklagte, die angab, über die ganzen Jahre das Geld für Konsum und Tilgung eigener Schulden verwendet zu haben.

„Ich weiß gar nicht, wo das Geld hingegangen ist. Ich war selbst überrascht, als ich die Anklageschrift gelesen habe, wieviel ich da genommen habe“, betonte sie und sagte, sie habe die Vorstände ausgenutzt, „die haben mir blind vertraut“. Strafrichter Dirk Schauß verwies darauf, dass sie jedoch die Kassenprüfer auch durch manipulierte Unterlagen getäuscht habe, was krimineller Energie bedürfe.

Aufgeflogen waren die Untreuefälle, als der Landkreis Marburg-Biedenkopf Ende 2014 für zurückliegende Jahre Geld für Betreuung der Schülerinnen und Schüler forderte.

Laut Anklage versuchte die Kassiererin noch mit 17 500 Euro aus eigenen Krediten, die sie bar einzahlte, ihre Untreue zu vertuschen, aber es gelang nicht. Verteidiger Carsten Dalkowski verwies darauf, dass der Landkreis in den Vorjahren zwar Rechnungen in E-Mails geschickt habe, sich aber bei Nichtbegleichung nicht mehr gemeldet habe.

Frau behält Job und tilgt Schulden

„Der Schaden hätte wesentlich niedriger gehalten werden können“, so seine Kritik. Otto und später auch Schauß in seinem Urteil rechneten der Frau hoch an, dass sie zusammen mit dem Vorstand des Fördervereins zu Polizei ging und Selbstanzeige erstattete. Dort gestand sie auch sofort die Untreue bei dem anderen Verein, die noch nicht bekannt war. „Sie hat gleich reinen Tisch gemacht“, so Dalkowski, der höchstens ein Jahr auf Bewährung für seine Mandantin forderte. Otto hatte zwei Jahre gefordert.

Dem Argument eines für eine Milderung nötigen Täter-Opfer-Ausgleichs wollte Schauß jedoch nicht folgen. Das Gesetz gehe davon aus, dass eine weitgehende Schadenswiedergutmachung bereits erfolgt sei. Gleichwohl müsse es der Frau zugute gehalten werden, dass sie sich wirklich bemühe.

Unter Berücksichtigung der verjährten Taten und der tatsächlich größeren Schadenshöhe, angeklagt waren nur Entnahmen von mindestens 50 Euro, hat die 48-Jährige zugunsten des Kunstvereins ein Schuldeingeständnis in Höhe von 8000 Euro unterschrieben. 1000 Euro seien in Raten bereits getilgt. Mit dem Förderverein einigte sie sich innerhalb des Strafverfahrens auf einen Vergleich. Demnach zahlt sie 37 000 Euro in monatlichen Raten von mindestens 100 Euro.

Der Antrag der Staatsanwältin sei „äußerst maßvoll“, eine Bewährung bei der unbescholtenen Frau natürlich möglich, zumal der Gesellschaft mehr gedient sei, wenn sie ihre Arbeit behalte und Schulden tilge, anstatt ins Gefängnis zu gehen.

Die 48-Jährige nahm das Urteil an, damit ist es nun rechtskräftig.

von Heiko Krause

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
OP-Wochenrückblick
Auch in dieser Woche haben wir die wichtigsten Themen aus dem Landkreis für Sie im Wochenrückblick zusammengestellt.

Auch in dieser Woche gab es viele Themen, die die Menschen im Landkreis bewegten - allen voran natürlich das Thema "Flüchtlinge" und das Bild des ertrunkenen dreijährigen Aylan.

mehr

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr