Volltextsuche über das Angebot:

12 ° / 1 ° wolkig

Navigation:
Kahlschlag statt Blütenpracht

Schildbürgerstreich Kahlschlag statt Blütenpracht

Schönstadts Ortsvorsteher Johannes Weber mochte dieser Tage seinen Augen nicht trauen, als er sich zwei örtliche Verkehrsinseln anschaute.

Voriger Artikel
Stadt fördert Altbaukauf
Nächster Artikel
Ein Zehntagesritt für Herz und Seele

Ortsvorsteher Johannes Weber und seine Stellvertreterin Barbara Fiebinger stehen an der Kreuzung Bracht / Reddehausen in Schönstadt und schauen sich die abgemähte Verkehrsinsel an, auf der nun eigentlich die „Mössinger Mischung“ erblühen sollte.

Quelle: Thorsten Richter

Schönstadt. Zugegeben, mit der Blütenpracht war es noch nicht soweit wie in anderen Jahren Anfang Juni. „Wir machen das mit der Mössinger Mischung ja schon seit einigen Jahren in Schönstadt vom Ortsbeirat aus - es ist immer eine tolle Sache gewesen“, schwärmt Ortsvorsteher Johannes Weber, der sich schon auf die bunten Blumen gefreut hatte, die der Mössinger Samen normalerweise hervorbringt. „Das hat den Leuten immer so gut gefallen - da gab es viele schöne Rückmeldungen“, erzählt Weber und erklärt: „Aufgrund der Trockenheit waren die Blumen noch nicht soweit, aber immerhin kamen die ersten Blüten heraus.“

Kamen - das ist das entscheidende Wort. Im Moment blüht auf den Verkehrsinseln von Schönstadt, das sind die an der Tankstelle und die an der Kreuzung nach Reddehausen, nämlich gar nichts. „Und ich befürchte, da kommt auch nichts mehr nach“, sagt Weber. Der Bauhof, der für Schönstadt zuständig ist, hat ganze Arbeit geleistet.

„Da haben die tatsächlich unsere Blumen weggemäht“

Webers Ortsbeirats-Kollegin Barbara Fiebinger rief dieser Tage bei Johannes Weber an und überbrachte die schlechte Nachricht. „Der Bauhof war da und hat gemäht.“ Da zog der 71-Jährige gleich los, um sich die Bescherung anzuschauen. „Da haben die tatsächlich unsere Blumen weggemäht“, schimpft Weber und ist so richtig sauer.

In sorgfältiger Arbeit hatte er selbst im April die Samen ausgebracht. 40 Euro kostete das Saatgut für die beiden Verkehrsflächen, bezahlt aus der Kasse des Ortsbeirats. „Und der Bauhof selbst“, so hebt Weber hervor, „hatte die Flächen ja für den Samen vorbereitet.“ Das verhielt sich so: Bei ihrem Frühlingsputz in Dorf und Feld befreiten die Schönstädter die Verkehrsinseln vom Unkraut und der Bauhof lockerte später die Erde fürs frische Saatgut auf. „Auf mein Bitten hin haben die Mitarbeiter sogar extra noch Sand in den Boden eingearbeitet, damit er nicht zu schwer und lehmig für die Blumen ist“, führt der Ortsvorsteher aus.

Alles vergeblich. Die eigenen Vorbereitungen machte der Bauhof in dieser Woche in zwei Durchgängen mit dem Rasenmäher zunichte.

Keine blühenden Verkehrsinseln in diesem Jahr

„Da könnte man doch verrückt werden“, meint Weber und hält sich noch zurück. Er denkt an die Vorbereitungen und an das verschwendete Geld für die Mössinger Mischung und die Arbeitsstunden des Bauhofs. „Nein, da hab ich jetzt noch nicht angerufen, ich muss mich erstmal wieder abkühlen“, erklärt er und arrangiert sich gedanklich damit, dass es in diesem Jahr in Schönstadt wohl keine blühenden Verkehrsinseln geben wird. Im kommenden Jahr vielleicht wieder.

Eine schriftliche Stellungnahme von Cölbes Bürgermeister Volker Carle, der sich am Freitag aus dem Urlaub per Mail auf die Anfrage der Redaktion meldete, weckt jedoch Hoffnung. „Wir versuchen, unseren Fehler wieder gutzumachen“, versprach Carle.

Die Aussaatzeit für die Mössinger Mischung ist vorüber, aber vielleicht wird der Bauhof anderen Blumensamen ausbringen. Dass es überhaupt zu dem Kahlschlag auf den Verkehrsinseln kam, könne nur ein Versehen sein, schrieb Carle. „Bei der Menge der Pflegearbeiten für drei Kommunen muss dies auch mal zugestanden sein“, nimmt er den Bauhof, der interkommunal für Wetter, Lahntal und Cölbe zuständig ist, in Schutz.

von Carina Becker

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr