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Jagdpacht liegt seit 80 Jahren bei Familie Briel

Oberrosphe Jagdpacht liegt seit 80 Jahren bei Familie Briel

Seit 80 Jahren hat dieFamilie Briel die Jagd in Oberrosphe gepachtet - eine unglaubliche Zeitspanne. Zur Feier kam auch ein „borstiger“Ehrengast.

Oberrosphe. Als Volpert Briel Anfag des Jahres 1933 vertretungsweise an die Schule in Oberrosphe versetzt wurde, sprach es sich im Ort schnell herum, dass der neue Lehrer Jäger sei.

Bei den Grundbesitzern, also den Bauern, im Ort, herrschte damals eine gewisse Unzufriedenheit mit den damaligen Jagdpächtern, die aus dem Westfälischen alle 14 Tage anreisten, aber, so erinnert man sich heute, durch die Wochenendbejagung den Bestand von Rotwild und Sauen nicht regulieren konnten - die Jagdgenossen stöhnten unter hohem Wildschaden.

So kam es, dass Volpert Briel ab 1. April 1933 die Jagd pachtete - zu einem jährlichen Pachtpreis von 50 Reichsmark, wie sich Briels Sohn Dr. Volpert Briel erinnert. Vater Briel verschaffte sich in Oberrosphe offenbar schnell Respekt, weil der Wildschaden merklich zurückging. So kam es, dass der Pachtvertrag immer wieder verlängert wurde.

Selbst als Briel im Zweiten Weltkrieg 1944 als vermisst gemeldet wurde, wurde der Pachtvertrag mit einem anderen Jäger - einem Freund Briels - nur mit der Auflage geschlossen, dass, sollte Briel aus Krieg oder Gefangenschaft heimkehren, dieser wieder als Alleinpächter in den Vertrag eintritt.

Genau das geschah dann, 1948 kehrte Briel aus russischer Gefangenschaft zurück und erfüllte wieder seinen Jagdpachtvertrag - der wurde von Periode zu Periode verlängert. Ende des Jahres trat Briels Sohn Dr. Volpert Briel in den Jagdvertrag ein, nahm im Laufe der Zeit seinen Freund Wilhelm Born und dessen Sohn Frank als Mitpächter auf - und feierte jetzt unglaubliche 80 Jahre Pachtvertrag.

„500, vielleicht noch mehr“ Wildsauen habe er in seinem Leben geschossen, verriet Briel der OP, außerdem sicherlich 80 Stück Rotwild - allein in seiner Jagd wohlgemerkt.

„Spannungen zwischen Jagdgenossen (den Grundbesitzern) und dem Jagdpächter gibt es immer wieder“, sagte Briel in einer kurzen Ansprache, aber hier ist alles immer in Freundschaft abgegangen.

Er spielte damit auf die Wildschäden an, um deren Regulierung Jagdpächter und Jagdgenossen in aller Regel verhandeln - meist mit einvernehmlichem Ergebnis, wie Briel anmerkte: „Den Wildschadenschätzer mussten wir nie holen!“ Das gute Verhältnis zwischen Jagdgenossen und Jagdpächer betonte auch Heinrich Henseling für die Jagdgenossen. Henseling bedankte sich bei Briel für die acht Jahrzehnte währende gute Zusammenarbeit. Dass die Jagdgenossen eine Ruhebank auf dem Weg zur Jagdhütte und einen Waldweg Dr. Volpert Briel widmeten, ist äußeres Zeichen des guten Einvernehmens.

„Die Jagd ist eines unserer ältesten Rechte“, erinnerte Wetters Bürgermeister Kai-Uwe Spanka, selbst passionierter Jäger. Es sei schon immer mit dem Besitz von Grundeigentum verbunden gewesen. Das Verhältnis zwischen Grundeigentümern und Pächtern sei eines „der gegenseitigen Abhängigkeit“, das, wie in Oberrosphe „gut ausbalanciert“ sein sollte.

Und noch ein Gast kam zum Gratulieren: Wildschwein Amalia, als Frischling vor dem Verhungern gerettet und inzwischen in Breidenbach fast wie ein Haustier lebend, war die große Überraschung auf der Feier von Jagdpächtern und Jagdgenossen. Und das zahme Tier machte gleich einmal deutlich, was ein „Wildschaden“ ist:

Mit dem Rüssel durchpflügte es ganz gemütlich und scheinbar mühelos die Grasnarbe der Waldlichtung am Ort des Geschehens auf einigen Quadratmetern und suhlte sich im so entstandenenen Loch. Pächter und Jagdgenossen werden den Schaden zu regulieren wissen.

von Till Conrad

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