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Investor plant für Wollmar und Mellnau

Windkraft-Standorte Investor plant für Wollmar und Mellnau

Konkrete Pläne hat die Windkraftfirma Eno nicht nur für Wollmar. Auch bei Mellnau sind die Planungen laut der Firma weiter als bisher bekannt. Wetters Bürgermeister Kai-Uwe Spanka widerspricht.

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Nahe den Windrädern auf der Ernsthäuser Höhe werden bald auf Wollmarer Seite weitere kommen. Diese werden allerdings deutlich größer sein.

Quelle: Martina Koelschtzky

Wollmar. Acht Windkraftanlagen mit je 2,2 Megawatt Leistung und einer Nabenhöhe von 123 Metern will die Firma Eno auf dem Grund der Waldinteressenten Wollmar errichten – zeitgleich mit dem Windpark Wetter zwischen Mellnau und Todenhausen. Planer Christian Schindler stellte das Wollmarer Vorhaben bei einer Versammlung der dortigen Waldinteressenten am Freitag vor.

Die Fläche im Wald der Waldinteressenten sei im Regionalplan seit 2005 als Vorrangfläche für Windkraftanlagen ausgewiesen, berichtete Schindler den Waldinteressenten. Anfang des vergangenen Jahres habe Eno, die die Windkraftanlagen selbst herstelle, ihre Errichtung plane und sie schlüsselfertig aufstelle, alle Voraussetzungen für das Vorhaben geklärt.

Der neue Windpark soll im Anschluss an den bereits bestehenden Windpark auf der Ernsthäuser Höhe nun in der Gemarkung „Im Lichtenberg“ nahe der Kreisgrenze errichtet werden, erklärte Hans Hermann Zacharias von den Waldinteressenten.

Die Windräder hätten einen Rotordurchmesser von 92 Metern, das Fundament ist 300 bis 500 Quadratmeter groß. Jedes dieser Windräder koste ohne Vorarbeiten rund 2,5 Milionen Euro, sagte Schindler. „Das kann sich der durchschnittliche Bürger natürlich nicht mehr leisten.“ Diese Höhe sei jedoch erforderlich, damit auch im „windarmen“ Mittelhessen die Anlagen wirtschaftlich erfolgreich betrieben werden können, betonte er.

Möglich sei ein Windrad unter Bürgerbeteiligung, wenn die Gemeinde Münchhausen eines der Windräder übernehme, sagte Schindler. Zacharias erklärte gegenüber der OP die Hintergründe. Die Waldinteressenten Wollmar hätten 2009 drei Standorte zugunsten von Eno freigegeben. Auf der Grundlage der Größe der Vorrangfläche können entsprechend den zurzeit gültigen Abstandsflächen insgesamt aber auch vier Standorte zur Verfügung gestellt werden.

An dem vierten Standort ist neben Eno auch eine Interessengemeinschaft „Bürgerwindrad“ interessiert. Die Waldinteressenten beschlossen in der Jahresversammlung am Freitag deshalb einstimmig bei einer Enthaltung, dass der vierte Standort freigegeben wird.

Auch ein Bürgerwindrad ist derzeit noch geplant

Der Vorstand soll nun zuerst mit der Interessengemeinschaft Bürgerwindrad reden. Sollte es bis Mitte Mai kein Ergebnis geben oder das Bürgerwindrad nicht zustande kommen, würde der Vertrag mit Eno um eine zusätzliche Anlage ergänzt werden, berichtete Zacharias.

Alle Wollmarer Standorte seien am Freitag auch mit Hessen-Forst abgestimmt worden, so Zacharias weiter. Auf Nachfrage aus der Versammlung teilte Revierförster Steffen Hering mit, dass es aus forstwirtschaftlicher Sicht keine Bedenken an den festgelegten Standorten gibt.

Laut Schindler will Eno fünf der acht Windräder in eigener Regie mit den Waldinteressenten betreiben, zwei werden von den Stadtwerken Marburg betrieben, eins von der Firma Krug. Die Waldinteressenten erhalten eine Beteiligung am Ertrag, ein Mindestbetrag pro Jahr ist festgelegt.

Der Windpark Wollmar werde von Eno zusammen mit dem Windpark Wetter (zwischen Mellnau und Todenhausen) geplant und gebaut, berichtete Schindler weiter. Dort sollen sieben Windräder gleicher Größenordnung entstehen. In Wetter baue man wahrscheinlich für einen Investor, dies sei jedoch noch nicht endgültig geklärt. Für beide Windparks habe Eno im Februar 2011 mit den Bürgermeistern Peter Funk und Kai-Uwe Spanka das Einverständnis der Kommunen und die Möglichkeit des Flächenerwerbs geklärt sowie alle erforderlichen Flächen gesichert, berichtete Schindler. Unmittelbar danach seien für beide Standorte die notwendigen avifaunistischen (die Vogelwelt betreffenden) Gutachten in Auftrag gegeben worden, die nun nach einem Jahr abgeschlossen seien.

Wetter: Bürgermeister widerspricht Darstellung

Schindlers Darstellung einer Einigung mit der Stadt Wetter in dieser Sache widersprach Wetters Bürgermeister Kai-Uwe Spanka auf OP-Nachfrage energisch: „Das ist falsch.“ Fakt sei, dass die Stadt durch die Aufstellung eines Bebauungsplanes im vergangenen Jahr die Planungshoheit für diese Fläche habe. Diesen Einfluss lasse man sich auch nicht durch Druck der Firma Eno, die dort Windräder bauen will, entziehen. Man werde selbst ein Gutachten in Auftrag geben. Und: „Bevor im Stadtparlaments kein Bebauungsplan beschlossen ist, wird dort auch keine Anlage gebaut“, versicherte Spanka. Wie die Stadt mit der Windvorrangfläche umgehen will, werde in den nächsten Sitzungen der städtischen Gremien besprochen.

Das von Eno in Auftrag gegebene Naturschutz-Gutachten für Wollmar ergab unterdessen nach Angaben von Planer Schindler leichte Änderungen im Plan. Wegen des Vorkommens von Mopsfledermäusen müssten drei geplante Standorte an den Waldrand verschoben werden. Jedoch störe nur die Bauphase mit Wegebau die Flugtiere, der Betrieb finde so weit über den Baumkronen statt, dass dies die Fledermäuse nicht beeinträchtige, so Schindler.

Ob die Genehmigungsverfahren öffentlich oder nicht-öffentlich durchgeführt werden, hänge vom Ergebnis der Umweltverträglichkeitsprüfung ab, die das Regierungspräsidium Gießen durchführe. Man wolle beide Genehmigungsverfahren im Mai oder Juni dieses Jahres beginnen und auch die Ausgleichsmaßnahmen planen. Bei „optimalem Verlauf“ – also ohne öffentliches Verfahren – rechne Eno mit einem Baubeginn Mitte 2013.

Die Lärmgrenzwerte von 40 bis 45 Dezibel würden in allen betroffenen Ortschaften eingehalten, versicherte Schindler. Der Grenzwert für den Schattenwurf des Rotors auf Fenster und Terrassen von Wohnhäusern werde in Wetter überschritten, doch könne dies mit einem computergesteuerten Abschaltmechanismus kompensiert werden.

Ein Waldinteressent regte an, auf die Ausgleichsmaßnahmen zu verzichten und lieber die Strafe zu zahlen, da sonst noch mehr Flächen versiegelt würden. „Wenn keine Ausgleichsmaßnahmen gewünscht werden, ist die Zahlung für uns natürlich einfacher“, sagte Schindler. Aber da die Gemeinde Münchhausen ein Portefolio von Ausgleichsmaßnahmen habe, gehe er davon aus, daraus etwas zu wählen.

Eine Rendite von acht Prozent nannte Schindler für Mittelhessen „unrealistisch“. Hier seien vier bis fünf Prozent möglich. „Aber durch die Höhe der Windräder ist der Ertrag ausreichend und beide Standorte sind uns sehr angenehm“, betonte er.

  • Des Weiteren wurde bei der Jahreshauptversammlung der Vorstand einstimmig bestätigt. Neu wurden die Beisitzer Erich Koch und Heinrich Dersch für die Bauzeit der Windkraftanlagen gewählt. Schwerpunkt ihrer Tätigkeiten ist die Überwachung der Bauausführungen.

von Martina Koelschtzky und Michael Agricola

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