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Interkulturelles Leben und Lernen

Kindergarten Cölbe Interkulturelles Leben und Lernen

„Die Aufgabe des Kindergartens ist es, Kinder in ihrer gesamten Entwicklung zu fördern und Eltern in Entwicklungs- und Erziehungsfragen zu beraten“ – unter diesem Motto ist in Cölbe ein tolles Miteinander bis in die Elternschaft entstanden.

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Zwei Kinder beschwören mit ihren Flöten zwei Papierschlangen. Märchenhaftes aus fernen Ländern war ein Teilaspekt des interkulturellen Sommerfestes in 2010.

Quelle: Kindergarten Cölbe

Cölbe. Der gemeindliche Kindergarten in Cölbe steht vor großen Veränderungen. Räumlich, weil auf dem ehemaligen Luweco-Gelände ein neuer Kindergarten gebaut werden soll. Und inhaltlich, weil in dem Kindergarten etwas begonnen wurde, was nachhaltig auf das tägliche Miteinander der Kinder, Erzieherinnen und Eltern Auswirkungen hat. Erzieherinnen und Eltern kennen sich nicht mehr bloß vom Holen und Bringen der Kinder, der einen oder anderen gemeinsamen Aktion und Elterngesprächen. Mit dem Sommerfest und dem dazugehörigen Projekt im vergangenen Jahr wurde etwas Besonderes in Gang gesetzt. „Sprachförderung ist ein ganz wichtiger Bestandteil der multikulturellen Erziehung“, sagt Kindergartenleiterin Erika Völker. Und weil man es in Cölbe damit ganz genau nimmt, leistet man sich auch die Unterstützung von Fachleuten. Zum einen gibt es da die Lerntherapeutin Irmgard Marlene Block, die gezielt mit verhaltensauffälligen Kindern arbeitet, zum anderen die Rauschenberger Sprachtherapeutin Katharina Mannheims, die sich beratend um die sprachlichen Belange der Kinder kümmert.

Das hat einen guten Grund. Von den 60 Kindern, die derzeit den gemeindlichen Kindergarten besuchen, sind 26 Kinder ausländischer Herkunft. Sie stammen aus Pakistan, dem Iran, Kasachstan, Italien, Marokko, Afghanistan, Somalia, Russland, Polen, Indien und Serbien. „Es kommt nicht selten vor, dass Kinder ausländischer Herkunft erst bei uns im Kindergarten mit der deutschen Sprache in Kontakt kommen“, informiert Erika Völker, Die Arbeit der beiden Frauen ist für Kinder aus deutschen Familien genauso wichtig wie für Kinder aus Familien, die aus anderen Ländern stammen oder ein Elternteil aus einem anderen Land kommt.
Je besser sich Kinder aus Familien, die zu Hause nur bedingt oder gar kein Deutsch sprechen, im täglichen Umgang mit den anderen Kindern auf deutsch verständigen können, um so leichter fällt die Integration. Und davon haben alle etwas. „Wir interessieren uns für alle Kinder und bei ausländischen Kindern eben auch für ihre Herkunft“, sagt Völker. Und da kommen dann auch die jeweiligen Eltern ins Spiel. „Wenn Eltern merken, dass wir uns für ihre Herkunft interessieren, sind sie eigentlich sehr aufgeschlossen und freuen sich darüber“, sagt Erika Völker. Und so gelang es dem Kindergartenteam, viele Eltern zu finden, die im Kindergarten den anderen Kindern ihr Herkunftsland vorstellten. Dies geschah nicht einfach so, sondern kindgerecht und natürlich mit Aktionen verbunden. Höhepunkt war das Sommerfest, während dessen die Kinder spielerisch alle Länder anflogen, die im Kindergarten vertreten sind. Die Eltern kamen dabei zum Teil in landestypischer Tracht und boten für das gemeinsame Büfett traditionelle Gerichte aus ihrer Heimat an. Kontaktschwierigkeiten gab es zu diesem Zeitpunkt schon längst nicht mehr, waren die Eltern doch schon vorher in einem insgesamt fünfmonatigen Projekt eingebunden. Unter anderem zeigten sie den Kindern landestypische Instrumente, Speisen und Essgewohnheiten, erzählten von Tieren, die in ihrem Land leben, stellten Kinderspiele vor und erzählten auch etwas über ihre Religion oder wie sie Weihnachten feiern. Interessant war es auch für alle, Texte in verschiedenen Sprachen zu hören, Lieder einzustudieren, und die Erkenntnis, dass „Bruder Jakob“ auch in vielen anderen Ländern gesungen wird. Katharina Mannheims betont, dass „ein Kind auch in so jungen Jahren in der Lage ist zwei Sprachen parallel zu lernen“. Deshalb sei es durchaus in Ordnung, wenn es zu Hause mit seiner Landessprache konfrontiert wird. „Es sollte nur klare Regeln geben und nicht zu sehr durcheinander gehen.“

Irmgard Marlene Block weiß, dass es ganz wichtig ist, einen Zugang zu Kindern und Eltern zu erhalten. „Haben Kinder wie auch Eltern ein Gefühl des Angenommenseins entwickelt, trauen sie sich auch mehr und es entsteht ein wechselseitiges Vertrauensverhältnis.“ Dabei sei auch ganz wichtig, sich bewusst zu machen, dass Kinder, die nun beispielsweise wegen ihrer Verhaltensauffälligkeit bei ihr sind, keine „Problemfälle“ sind. „Jedes Kind ist anders, entsprechend entwickeln sie sich auch anders . Man muss den Kindern auch Zeit lassen, es muss nicht immer schnell gehen. Ich bin nur dafür da, dass es für die Kinder in die richtige Richtung geht.“

Evgenija Erfle ist Mutter eines Kindergartenkindes und stammt aus Weißrussland. Sie ist voll und ganz zufrieden mit der Art, wie man in Cölbe mit den Kindern umgeht. Sie merkt, dass ihr Kind auch zu Hause deutsch reden möchte und lässt dies auch gerne zu. Ähnliche Erfahrungen machte auch Ancy Würzler mit ihrer Enkelin. Die gebürtige Inderin sagt dass ihre Enkelin derzeit nur deutsch sprechen möchte. „Wir haben mit dem Projekt, und dem Sommerfest eine Basis für interkulturelles Leben und Lernen geschaffen, die wir weiter nutzen und ausbauen wollen“, sagt Erika Völker.

von Götz Schaub

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