Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 7 ° Regenschauer

Navigation:
Inklusion von unten nach oben

Levi-Hess-Preis Inklusion von unten nach oben

Zwei Gruppen der Wollenbergschule erhielten den Levi-Hess-Preis. Die eine kümmert sich um Sauberkeit vorm Schulgebäude, die andere setzte sich mit dem Umgang mit Menschen mit Beeinträchtigungen auseinander.

Voriger Artikel
Wieder Streit um Intransparenz
Nächster Artikel
Schön „shrekliches“ Musical in Oberasphe

Erhielten den Levi-Hess-Preis 2017: (von links) Nils Drusel, Rene Ruwedel, Sascha Koch, Vanessa Geisel, Clara Henseling, Sina Heiner, Luisa Schanze, Anna Würzler, Wiebke Hüttl, Chiara Otto, Janina Jeude und Stefanie Kneip.

Quelle: Manfred Schubert

Wetter. Der Levi-Hess-Preis soll denen ein Forum geben, die sich für ein gedeihliches Miteinander jetzt schon einsetzen. „Wir leben davon, dass die Werte unseres Zusammenlebens immer wieder neu gestaltet werden“, erklärte Dr. Martina Kepper, Vorsitzende des Träger- und Fördervereins ehemalige Synagoge Wetter, vor den 50 Teilnehmern der Vergabefeier in der ehemaligen Synagoge.

Der Trägerverein vergibt seit ein paar Jahren den mit 300 Euro dotierten Levi-Hess-Preis an Jugendliche, die in besonderer Weise soziales Engagement und Zivilcourage gezeigt haben. Der Preis ist benannt nach dem ehemaligen Wetteraner jüdischen Glaubens, der sein Privatgrundstück zum Bau der Synagoge in der Altstadt von Wetter stiftete. Es habe sehr viele­ preiswürdige Vorschläge von Schülern und Lehrern gegeben, aber es habe eine schnelle­ ­Einigung darüber gegeben, dass es diesmal ein Thema gab, ­unter dem die Preisverleihung stehen könne. „Politiker wollen Inklusion von oben verordnen. Viel wichtiger ist es, dass diese von unten nach oben geleistet wird“, sagte Kepper. Der Preis geht an zwei Gruppen, die sich jeweils auf ihre Weise mit dem Thema Teilhabe und Inklusion beschäftigten. Der eine Preisträger ist das „Freiwillige Schulhofteam des H-Gebäudes“, bestehend aus Nils Drusel, Stefanie Kneip, Sascha Koch und Rene Ruwedel. Diese Schüler haben es sich seit Schuljahresbeginn zur Aufgabe gemacht, den Schulhof vor dem H-Gebäudes, in dem der Sonderschulzweig der Wollenbergschule Wetter untergebracht ist, in jeder Pause von Unrat und Abfall zu befreien, um ihren Lernort für sich und auch für die Schüler des Hauptgebäudes attraktiv zu halten. Dieser kontinuierliche, freiwillige Einsatz wurde zwar von den Mitschülern anfänglich belächelt, ist aber für das Team inzwischen schon zu einem selbstverständlichen Einsatz für die Schulgemeinschaft geworden. Auf andere, aber ebenso intensive Weise hat sich der zweite Preisträger, die Gruppe „Darstellendes Spiel“ unter Anleitung ihrer Lehrerin, Monika Eller-Lührs, mit dem Thema Beeinträchtigungen und Umgang mit Menschen mit Beeinträchtigungen auseinandergesetzt. Dieser Gruppe gehören an: Tamina Grünweller, Wiebke Hüttl, Clara Henseling, Anna Würzler, Stefanie Diel, Vanessa Geisel, ­Sina Heiner, Janina Jeude, Luisa­ Schanze und Chiara Otto. In ihrer Freizeit haben sie sich regelmäßig getroffen und nach ausführlicher Recherche über körperliche und geistige Beeinträchtigungen ein Theaterstück entwickelt, in dem der oft gut gemeinte, aber dennoch häufig ausgrenzende Umgang „normaler“ Menschen im alltäglichen Zusammentreffen mit Menschen mit Behinderung thematisiert wird. So haben sie beispielsweise ausprobiert, wie es ist, mit dem Rollstuhl Bahn zu fahren und ein Theaterstück der Blindenstudienanstalt Marburg besucht. „Eine Schülerin fragte ungläubig, ob das wirklich Sehbehinderte sind, die nichts oder wenig sehen“, berichtete Eller-Lührs über die offenbar beeindruckende Vorstellung.

Mit dem Preisgeld wollen die Schüler einen Theaterbesuch und ein gemeinsames Essen ­finanzieren.

von Manfred Schubert

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nordkreis

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr