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Initiative bangt weiter um Wollenberg

Windkraftgegner Initiative bangt weiter um Wollenberg

Die Bürgerinitiative „Rettet den Wollenberg“ arbeitet an der Erstellung eines tier- und artenschutzrechtlichen Gutachtens und will weiter Öffentlichkeitsarbeit betreiben.

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Bernd Schautes (vorn), einer der stellvertretenden Vorsitzenden der Bürgerinitiative „Rettet den Wollenberg“, sprach zur Wirtschaftlichkeit des Windparks.Foto: Schubert

Quelle: Manfred Schubert

Warzenbach. Entgegen der von ihr wahrgenommenen verbreiteten Ansicht in der Bevölkerung sei der Windpark aus ihrer Sicht noch nicht gescheitert.

Trotz Sommerferien kamen 24 Menschen zur außerordentlichen Mitgliederversammlung der mittlerweile als Verein eingetragenen Bürgerinitiative (BI) „Rettet den Wollenberg“. Schnell wurde zunächst eine Formalität erledigt, eine Satzungsänderung zur Erlangung der steuer­lichen Gemeinnützigkeit, die einstimmig erfolgte.

Mehr als zwei Stunden lang gaben anschließend Vorstandsmitglieder Informationen an die Versammelten weiter und diskutierten mit ihnen darüber und über das weitere Vorgehen der BI gegen den geplanten Windpark.

Bernd Schautes, einer der beiden stellvertretenden Vorsitzenden, berichtete von einem kürzlich stattgefundenen Gespräch der BI mit den Bürgermeistern Lahntals und Wetters sowie weiteren Gemeindevertretern. Man habe dabei nochmals versucht, darzulegen, warum sich ein Windpark im Wollenberg nicht rechne. Zudem habe die BI kritisiert, dass beide Kommunen keine Wind­messungen forderten, obwohl inzwischen aufgrund der Nachuntersuchungen zum FFH-Status des Gebiets und den Fledermauspopulationen dafür Zeit gewesen wäre.

Skepsis an den Zahlen

Schautes präsentierte folgende Zahlen: Die ursprüngliche Annahme der Stadtwerke Marburg, dass die Windkraftanlagen am Wollenberg auf 1900 Volllaststunden im Jahr kommen würden, sei auf sogar 2300 Stunden angehoben worden. Deutschlandweit komme man im Mittel nur auf 1533 Stunden, die Windkraftanlage (WKA) Hohenahr gleichen Typs und in vergleichbarer Höhenlage von 410 Metern habe im ersten Betriebsjahr 1550 Volllaststunden erzielt. Zudem seien die Planungs-, Wartungs- und Betriebskosten „sehr optimistisch“ angesetzt, Die BI rechne mit einem mittleren Verlust von 310000 Euro im Jahr. „Wir fordern die Gemeinde auf, selbst eine Kosten-Nutzen-Rechnung zu erstellen oder von den Stadtwerken eine neue Berechnung nach der EEG-Reform zu verlangen“, sagte Schautes.

Zu Anfang Juli von Hessen-Forst durchgeführten Planierarbeiten und Baumfällungen an Waldwegen im Wollenberg hatte die BI die Obere Naturschutzbehörde beim Regierungspräsidium Gießen gefragt, ob diese genehmigt waren und ob negative Auswirkungen auf die laufenden Nachuntersuchungen zu den Fledermauspopulationen durch die genannten Arbeiten ausgeschlossen werden können. Von dort hieß es, es seien forstübliche, genehmigungsfreie Wegeunterhaltungsmaßnahmen gewesen, und auch negative Auswirkungen auf die Nachuntersuchungen könnten ausgeschlossen werden. Von Seiten der BI wurde kritisch angemerkt, dass die Behörde einfach den Darlegungen von Hessen Forst folge und niemanden vor Ort geschickt habe.

BI beobachtet Rotmilane

Der BI-Vorsitzende Dr. Jürgen Scheele berichtete, dass man derzeit an der Erstellung eines tier- und artenschutzrechtlichen Gutachtens arbeite, um dieses vor Ende des laufenden Genehmigungsverfahrens Ende September einzureichen. Allein drei Rotmilane hätten ihre Horste am Wollenberg. Seit Anfang April befahre er regelmäßig mit dem Rad den Wollenberg, um deren Flugrouten zu kartieren. Vorläufiges Ergebnis sei, dass sie in der Richtung der geplanten WKA-Standorte fliegen.

Weitere relevante Arten seien der Uhu, andere Greifvögel, eventuell der Schwarzstorch und die Wildkatze sowie Kammmolche und Hirschkäfer. Keine eigene Untersuchung könne die BI zu den Fledermäusen vornehmen, da die Detektoren zu teuer und schwierig zu bedienen seien. „Spekulativ“ nannte Scheele das Vorhandensein des extrem seltenen Rothalsigen Düsterkäfers sowie des Eremit oder auch Juchtenkäfers, zu denen eine Sichtungsmeldung vorliege. Diese nachzuweisen, wäre „eine Sensation“, sagte er. Auf jeden Fall bitte er um Meldungen von Sichtungen, die hilfreich sein könnten.

Das Ziel sei, die Genehmigungsbehörde dazu zu bringen, eine umfassende FFH-Umweltverträglichkeitsprüfung zu veranlassen.

Abschließend wurde über verschiedene Möglichkeiten und Vorschläge diskutiert, von Flugblättern über Veranstaltungen in Kneipen auf den Dörfern um den Wollenberg bis hin zu Informationsabenden mit Präsentationen, um den Interessierten klar zu machen, dass die Angelegenheit noch nicht ausgestanden sei.

von Manfred Schubert

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