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In Cölbe sind „Mitdenker“ gefragt

Neue Kampagne In Cölbe sind „Mitdenker“ gefragt

„Ich denk mit“. So heißt eine Kampagne der Gemeinde Cölbe, die heute anläuft. Über die Homepage der Kommune können die Bürger ihre Vorschläge unterbreiten - die Antwort folgt schnell.

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Auf der Startseite der Gemeinde-Homepage finden Bürger ab heute den orangefarbenen „Ich denke mit“-Button, der sie zu einem Formular führt. Anregungen an die Gemeinde kann man dort einfach eintragen.

Quelle: Screenshot: Regine Hassenpflug

Cölbe. Auf der Homepage der Gemeinde Cölbe prangt ab dem heutigen Tag auf der Startseite ein dicker orangefarbener Button. „Ich denke mit“, heißte es darauf. Und jeder Bürger, der dies von sich behaupten kann, kommt über den Button zu einem Formular. Vorschläge, Anregungen, Ideen: Was kann man besser machen in Cölbe, wodurch spart die Gemeinde Geld, bei welchen kommunalen Aufgaben bietet sich eine andere Vorgehensweise als bisher an? Solchen und ähnlichen Fragen sollen die Bürger sich widmen, dazu ruft Bügermeister Volker Carle (parteilos) sie auf.

Carle braucht jetzt „Mitdenker“, denn für die Gemeinde nördlich von Marburg wird die Situation schwieriger. Vergleichsweise geht‘s den Cölbern zwar noch gut, aber auch dort fehlt es inzwischen am Geld zur Bewältigung der einfachsten Aufgaben kommunaler Daseinsvorsorge. „Die Bürgerhäuser, wo sich unser gemeindliches Leben abspielt, werden wir jedenfalls nicht dicht machen“, sagt Carle entschlossen. Er ist enttäuscht vom Land, das die Kommunen allein lasse mit ihrer Geldnot. „Es fehlt einfach an einer Ausstattung, die es uns ermöglicht, unsere Aufgaben zu erfüllen - doch an das Thema Kommunaler Finanzausgleich will ja niemand so richtig ran, da wartet man vergeblich“, sagt der Rathaus-Chef, für den manche Einsparung, wie die an den örtlichen Gemeinschaftshäusern noch ein Tabu ist. Andere Amtskollegen in Hessen schrecken inzwischen auch davor nicht mehr zurück. Die Not ist groß.

Doch auch Cölbe muss seine Konsequenzen ziehen. „Es geht nicht mehr alles, die Bürger müssen das jetzt leider auch merken“, sagt Carle und nennt als Beispiel das Mitteilungsblatt der Gemeinde, das es künftig, wenn es nach ihm geht, nicht mehr kostenlos geben wird.

Die Lage der Gemeinde hat sich in den vergangenen Jahren zugespitzt: Bei einem der größten Gewerbesteuerzahler brachen die Einnahmen ein, das schlug sich im Gemeindehaushalt zuletzt mit Mindereinnahmen von zwei Millionen Euro nieder, wie Carle berichtet. Als Belastungsfaktor hinzu kommen Mehrausgaben, wie etwa durch die vom Land auferlegte Mindestverordnung zur Kinderbetreuung an den Kitas.

Deshalb geht‘s jetzt auch in Cölbe ans Eingemachte. Gespart wird an einstigen Selbstverständlichkeiten - beispielsweise an den Instandhaltungsarbeiten und beim Grünschnitt. Oder bei der Leerung der Abfallkörbe auf öffentlichen Flächen, wofür nun statt 15000 Euro nur noch 6000 Euro im Jahr bereitstehen. Die Bauhofmitarbeiter leeren die Müllkörbe jetzt nur noch alle drei Wochen. Das Budget für die Arbeiten des Bauhofs hat die Gemeinde drastisch zurückgefahren, um insgesamt 100000 Euro im Jahr

„Aber wir wollen hier ja auch nicht den Kopf in den Sand stecken“, stellt Carle klar und wendet sich an die Bürger, an „Mitdenker“, die ihre Beobachtungen und Verbesserungsvorschläge der Gemeinde mitteilen. „Dann soll auf ganz einfachem Wege erfolgen - und die Antwort kommt prompt“, führt der Bürgermeister aus.

Die über die Homepage ausgefüllten „Ich denke mit“-Formulare werden in der wöchentlichen Runde der Führungskräfte im Rathaus besprochen - „und dann fällen wir direkt eine Entscheidung darüber, ob und wie wir auf Vorschläge eingehen können, ohne Aufschub“, verspricht der Bürgermeister.

Die „Mitdenker“ können gleich loslegen. Die Formulare stehen online bereit, Anfang nächster Woche widmen sich die Mitarbeiter im Rathaus den ersten Eingaben.

„Vorerst wollen wir das nur übers Internet machen“, stellt Carle klar und ruft alle, die selbst keine Möglichkeit haben, sich übers Internet zu melden, dazu auf, beispielsweise die Nachbarn um Hilfe zu bitten. Ansprechpartner könne auch der Seniorenrat sein, bei dem es eine Computer-Gruppe gebe.

„Mitdenker“-Formulare gibt es im Internet unter www.coelbe.de

von Carina Becker

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