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In Cölbe liegen Pläne für Wiederaufbau

Zerstörte Kulturgüter in Nepal In Cölbe liegen Pläne für Wiederaufbau

Als der Cölber Wolfgang Korn in den 70er Jahren anfing, Tempel und Gebäude in Kathmandu mit Zollstock zu vermessen und Grundrisse und Ansichten davon zeichnete, hätte er nicht geahnt, wie wichtig dies mal werden könnte.

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Der pensionierte Denkmalpfleger und Architekt Wolfgang Korn aus Cölbe hat viele Jahre in Nepal gearbeitet und zahlreiche Skizzen und Pläne von den traditionellen Tempeln und Palastgebäuden angefertigt. Das große Bild im Hintergrund mit drei markanten Bauwerken aus Kathmandu und Bhaktapur hat der Ubbelohde-Preisträger vor wenigen Tagen begonnen. In den Vordergrund will er noch Schutthaufen malen. Sie symbolisieren dann, was das Erdbeben von den Kulturdenkmälern übrig gelassen hat.

Quelle: Michael Agricola

Cölbe. Das Jahrhundert-Erdbeben vom 25. April hat in Nepal unzählige Tote, Verletzte und Zerstörung hinterlassen. Im Moment ist die Stunde der Helfer, die noch immer versuchen, Menschen lebend aus den Trümmern zu retten, sie mit Wasser, Essen und Medizin zu versorgen und ihnen wieder ein Dach über dem Kopf zu geben. Danach wartet mit dem Wiederaufbau aber wohl eine ebenso herausfordernde Aufgabe auf das arme Land im Himalayagebirge.

Wie viele andere verfolgt Wolfgang Korn die Nachrichten seit Tagen besonders aufmerksam. Doch das Ausmaß der Zerstörungen in den Städten und Dörfern erschüttert den früheren Denkmalpfleger ganz besonders. Denn der Cölber hat einen Teil seines beruflichen Lebens in Nepal und vor allem in Kathmandu verbracht.

Von 1968 bis 1978 arbeitete er als Architekt im Dienst der Unesco und des Deutschen Entwicklungsdienstes dort und war an der Dokumentation und Renovierung von Teilen des Königspalastes in Kathmandu und diverser Tempel beteiligt. Seitdem zieht es ihn immer wieder in die Region.

Bilder aus der Erdbebenzone führen zu Tränen

Seine Freunde und Bekannten vor Ort scheinen wohl alle relativ glimpflich davon gekommen zu sein, berichtet Korn erleichtert. Doch die schlimmen Bilder, die ihn aus der Erdbebenzone erreichen, verfehlen ihre Wirkung nicht. „Ich hab‘ geheult zwischendurch“, sagt der 70-Jährige angesichts des Ausmaßes der Zerstörung.

Viele der Gebäude, die das Beben in traurige Geröllwüsten verwandelt hat, kennt der weitgereiste Denkmalpfleger wie seine Westentasche. „Ich bin nicht der Einzige, der Pläne und Grundrisse von den historischen Gebäuden gezeichnet hat, aber ich war der Erste, der in den Tempeln mit dem Zollstock aufgemessen hat.“ Das sei damals sein „Privatvergnügen“ gewesen und auch nicht immer ganz legal, weil manche der Tempel gar nicht öffentlich zugänglich waren.

Es wurde aber eine ganz wichtige Quelle für jüngere Generationen in Nepal, weil es solche Aufzeichnungen vorher offenbar nicht gab. Sein Buch über die traditionelle Architektur im Kathmandu-Tal, 1976 erstmals erschienen, ist längst ein Standardwerk für Architekten in der Region.

Reise nach Nepal im Juni geplant

Darüber hinaus besitzt Korn aber auch noch die Originalpläne von damals - und die sind für den Wiederaufbau der Gebäude spätestens seit dem 25. April von unschätzbarem Wert. Diese Pläne werde er natürlich zu diesem Zweck auch zur Verfügung stellen, wenn er wieder nach Nepal reist.

Schwierigkeiten wird es auch so noch genug geben, wenn die Kulturdenkmäler wieder aufgebaut werden sollen. Wolfgang Korn fürchtet zum Beispiel, dass es schwer werden könnte, ausreichend lange Stämme des Sal-Holzes, einer besonders harten Holzsorte, aufzutreiben. Die wurde traditionell für tragende Balken und Ständer benutzt, die Bestände würden aber seit Jahren rücksichtslos abgeholzt. Was man von den Resten der zusammengestürzten Gebäude noch nutzen kann, lasse sich zum jetzigen Zeitpunkt auch noch nicht abschätzen.

Zum Zeitpunkt des Erdbebens hatte Korn schon auf gepackten Koffern gesessen - in Richtung Nepal. Diesmal sollte es aber nicht nach Kathmandu gehen, sondern im Auftrag des Senior Expert Service (SES) ins abgelegene, tibetisch geprägte Mustang-Tal nördlich des Annapurna-Massivs. Auch wenn diese Gegend vom Erdbeben nicht so stark betroffen war, wurde die Reise vorerst storniert.

Im Mustang-Tal berät er die Menschen bei der Umsiedelung aus drei Dörfern. Durch den Klimawandel sind die Felder ihrer Dörfer oberhalb von 4000 Metern Höhe zu trocken geworden, es gibt nicht mehr genug Schmelzwasser von den Bergen für die Versorgung, sodass sie in tiefere Gefilde umziehen müssen. Für die neuen Dörfer erarbeitet der Architekt erweiterbare Bauformen für die Häuser, die auch den klimatischen Bedingungen gerecht werden. Korn hofft nun, im Juni nach Nepal aufbrechen zu können - ins Mustang-Tal und natürlich auch nach Kathmandu, um auch dort sein Knowhow anzubieten.

von Michael Agricola

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