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Imker will sich nicht unterkriegen lassen

Tote Bienenvölker Imker will sich nicht unterkriegen lassen

"Seit 1958 bin ich Imker", sagt der Marburger Paul Hohmann, "aber so etwas habe ich noch nie erlebt". Er ist davon überzeugt, dass ihm jemand bewusst schaden will, indem er seine Bienenkästen zerstört.

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Kein Dummerjungenstreich, sondern die Tat eines Fachmanns – das glaubt zumindest Imker Paul Hohmann: Im Winter wurden seine Bienenvölker gezielt gestört und damit zum Sterben verurteilt.

Quelle: Michael Agricola

Reddehause. Bis zu 20 Bienenvölker betreute der Hobbyimker zeitweise auf seinem Wiesengrundstück bei Reddehausen, zuletzt hatte der 87-Jährige auf sieben Völker reduziert, doch jetzt regt sich gar nichts mehr in seinen Bienenkästen.

Doch daran ist nicht allein die lange Frostperiode schuld, auch nicht Krankheiten wie die Varroa-Milbe. An mehreren Kästen sieht man Abdrücke oder Löcher, die offenbar mutwillig ins Holz geschlagen wurden, mit einem spitzen Werkzeug wie einer Hacke, mutmaßt Hohmann. Er glaubt, dass ihm hier jemand absichtlich schaden wollte, indem er die Bienen mit Gewalt aus ihrer Winterruhe „geklopft“ hat, und sie damit dem Verderben ausgesetzt hat.

Einen ganzen Eimer toter Bienen hat er allein aus einem Bienenstock gefegt, berichtet der erfahrene Imker, der hinter der Tat einen Fachmann, einen „Kollegen“ vermutet. Solch ein Wissen habe nur ein Imker, meint Hohmann. Im Winter bildet das Bienenvolk um seine Königin herum eine „Wärmetraube“, um die kalte Jahreszeit zu überstehen. Wenn man den Bienenstock im Winter öffnet oder mit Gewalt dagegen schlägt, löst sich diese Traube auf, die Bienen erfrieren.

„Das Herumhämmern an den Bienenkästen in der kalten Jahreszeit hat circa 20000 Bienen das Leben gekostet“, schätzt Hohmann. „Und die Reddehäuser hätten sie doch dringend als Bestäuber nötig gehabt.“

„Da will mich jemand von meinem eigenen Grundstück weghaben“, glaubt Hohmann. Aber dem will er nicht nachgeben, und schon gar nicht, wenn ihn jemand terrorisieren wolle. „Ich mache weiter, ich bekomme auch wieder neue Bienen“, sagt der 87-Jährige, und das tue er nicht zuletzt für die Reddehäuser.

Hohmann, der früher Vorsitzender der Marburger Waldtalgemeinde war, hat auch einen konkreten Verdacht, wer hinter der heimlichen Tat stecken könnte. Es sei kein Reddehäuser, ist er sich sicher. Er hofft, dass derjenige zur Vernunft kommt. Ansonsten werde er die Polizei einschalten, sagt der rüstige Senior, der sich nicht unterkriegen lassen will.

Unterstützung erhält Hohmann von Reddehausens Ortsvorsteherin Hildegard Otto, die erst durch die OP von der Sache erfuhr. „Das ärgert mich schon ziemlich“, sagt sie. Zum einen, weil jemand dem Imker schaden will, aber auch auch wegen der fleißigen Helfer: „Bienen brauchen wir schließlich alle.“ Die Ortsvorsteherin will das Thema im Ortsbeirat ansprechen und auch die Reddehäuser sensibilisieren, damit sie verstärkt darauf achten, ob sich jemand auf dem etwas abseits des Dorfes gelegenen Grundstück des Imkers zu schaffen macht. Das ist vielleicht weiter nötig: Vor wenigen Tagen hat Hohmann festgestellt, dass plötzlich auch seine Schubkarre fehlte. Die stand ebenfalls seit Jahren unbehelligt in der Nähe der Bienenstöcke, nun ist sie verschwunden.

von Michael Agricola

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