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„Ihr seid für uns da, ohne etwas zu erwarten“

Begegnungsfest mit Flüchtlingen „Ihr seid für uns da, ohne etwas zu erwarten“

Das Begegnungscafé in Goßfelden feierte ein Fest, um die Gelegenheit zu bieten, die in Lahntal wohnenden Flüchtlinge kennenzulernen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen.

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Im Bang-Haus saßen die Festteilnehmer bei Essen und Getränken zusammen, hörten Erzählungen und Gedichte, die einige der Flüchtlinge vortrugen, und sangen gemeinsam einfache Lieder, die Conny Winter am Akkordeon begleitete.

Quelle: Manfred Schubert

Goßfelden. Ein fröhliches „Begegnungsfest“ feierten etwa 70 Menschen, einheimische und Flüchtlinge aus verschiedenen Ländern, am Donnerstag im Bang-Haus, auf dem Hof und in dem Garten der Goßfeldener Kirche. Sie sangen und tanzten gemeinsam, aßen neben deutschen Speisen landestypische Gerichte, beispielsweise aus Pakistan, und nahmen an einer eritreischen Kaffeezeremonie teil. Dabei werden grüne Kaffeebohnen geröstet, gemahlen und mit Gewürzen zubereitet.

Einige der Flüchtlinge berichteten in kurzen Erzählungen und Geschichten über sich und ihre Herkunft, die 21-jährige Amina Ahmet Upsiye aus Somalia trug Gedichte vor.

In dieser Form hatte sie auch ihren Dank an die mittlerweile 28 Mitglieder des Goßfeldener Begegnungscafés verfasst (siehe unten), die seit dessen Gründung im Mai 2014 den zurzeit 40 in Lahntal untergebrachten Flüchtlingen Unterstützung bieten in Form von Deutschunterricht, Hilfen bei Ämterpost und Ämtergängen, Arzt- und Krankenhausbesuchen, Kinderbetreuung, Familienzusammenführung und vielem mehr.

Behtash Djafari kommt aus Irans Hauptstadt Teheran. Der 31-jährige Bergbauingenieur berichtete, dass er seine Heimat verlassen musste, weil er Christ sei. Dies sei, wie vieles andere auch, im Iran verboten, und alle Iraner hätten große Probleme mit ihrem Staat. Die Regierung, die Mullahs, benähmen sich wie Diktatoren.

Er fühle sich wohl in Deutschland und danke Gott, dass er so viele freundliche, hilfsbereite Menschen gefunden habe. Traurig sei er, weil seine Mutter allein in Teheran sei und er sie sehr vermisse. Ziada (27) berichtete, ihr Leben in Eritrea sei sehr gefährlich und ihre Familie immer bedroht gewesen. Sie flohen aus der Heimat in den Sudan. Dort sitze ihr Mann zurzeit im Gefängnis, ihre Tochter lebe dort bei Freunden. Mit ihr telefoniere sie manchmal und sei oft traurig. Wenn sie gut Deutsch könne und Arbeit finde, wolle sie ihre Tochter zu sich holen.

Sabine Barth vom Kirchenvorstand von Elnhausen freute sich, dass mittlerweile 28 Menschen ehrenamtlich ihre unterschiedlichen Fähigkeiten einbringen. Von der evangelischen Kirchengemeinde Elnhausen/Wehrshausen/Dagobertshausen war damals die Initiative zur Flüchtlingsbegleitung ausgegangen, und da in Goßfelden Flüchtlinge untergebracht sind, wurde gemeinsam mit der evangelischen Kirchengemeinde Goßfelden vor Ort das Begegnungscafé ins Leben gerufen.

Während dieses Festes, bereits dem zweiten nach dem im vorigen Oktober, meldete sich erneut jemand, der mithelfen möchte und sich im EDV-Bereich auskennt. Die Beziehungen haben sich über die Monate vertieft. Über Dinge wie Deutschunterricht und praktische Hilfen hinaus sei es wichtig, einfach mit jemandem reden, sich ihm anvertrauen zu können, zum Teil werde man auch als Ersatzfamilie von den allein gekommenen Menschen angesehen, meinte Barth. Eva Tuschling, die Deutschunterricht gibt, erzählte, dass Einige die Möglichkeit, sich mir ihr auf Französisch zu unterhalten, für ins Therapeutische gehende Gespräche über schlimme Erlebnisse vor und während deren Flucht nutzten. „Und umgekehrt geben uns diese Kontakte menschlich ganz viel, wir bekommen so viel Herzlichkeit zurück“, betonte Barth.

Das Begegnungscafé findet jeden Donnerstag ab 15 Uhr im Gemeinderaum der Kirche statt. Es beginnt jeweils mit Deutschunterricht. Unter anderem dafür würden sich die Mitarbeiter zurzeit über Spenden gebrauchter Laptops freuen. Sie sollten vollständig mit Netzteil und Akku sein, es würde reichen, wenn als Betriebssystem Windows XP darauf läuft, meinte Hendrick Suckrow, der sich als Ansprechpartner für diesen Bereich zur Verfügung stellt und beurteilen kann, ob ein Gerät noch sinnvoll nutzbar ist. Laptops können per E-Mail unter webmaster@soft-create.de angeboten werden.

Des Weiteren werden gebrauchte Fahrräder gesucht, möglichst mit Nabenschaltung, weil diese wartungsärmer sei.

Ansprechpartner für Fahrradspenden sind Andreas und Roswitha Slemeyer, Telefon 06421-35945, E-Mail andreas.slemeyer@freenet.de.

HINTERGRUND:

„Dank an euch“ von Amina Ahmet Upsiye, 21 Jahre, aus Somalia:

Einen besonderen Dank / an Sabine, die liebe Freundin mit großem Herzen, / an Eva, meine Lehrerin und Vertraute, / Einen ganz speziellen Dank an Rotraut, die Freundin meines Sohnes / Der wunderbare Halt während schlimmer Turbulenzen / Dank an Andrea, die Kämpferin, die nie aufgibt!

In meinem Namen und all derer, die so viel von eurer Güte bekommen / Danke ich euch, die ihr uns so viel von eurer Liebenswürdigkeit / und eurer Zeit widmet / Die ihr uns immer wieder Mut macht / den Kopf / den Kopf aufrecht zu tragen / Danke auch, die ihr uns mehr unterstützt / Viel mehr, als ihr euch vorstellen könnt.

Das Leben hat mich gelehrt, dass der Mensch, wenn er etwas gibt, / etwas zurück haben will / Aber mit euch entdecke ich das Gegenteil / Ihr seid für uns da, ohne etwas zu erwarten / Merci a vous!

Aus dem Französischen von Eva Tuschling.

von Manfred Schubert

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