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Lokales Nordkreis

Protest

Hunderte demonstrieren gegen Rechtsextremismus

Laut Polizei waren es rund 300, nach Angaben der Veranstalter 500 Menschen, die am Samstag in Goßfelden friedlich gegen Rechtsextremismus demonstrierten.

Für ein buntes Lahntal: Hunderte Menschen demonstrieren am Samstag gegen Rechtsextremismus.

© Nadine Weigel
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Goßfelden. Der Zug des gemeinsamen „Spaziergangs gegen Rechtsradikalismus“ von „Bürgerforum gewaltfreies Lahntal“ und „Bündnis gegen Rechts“ Marburg verlief ohne Zwischenfälle. Zahlreiche Lahntaler Bürger und viele Gäste von meist linken und antifaschistischen Gruppen aus Hessen zogen mit Musik und Sprechchören durch den Ort, die Veranstaltung endete schließlich mit einem kleinen Fest an der alten Brücke. Unter anderem sprachen Dirk Geißler, Vorsitzender der Lahntaler Gemeindevertretung, Claus Opper vom Bürgerforum und Gewerkschaftssekretär Ulf Immelt zu den Veranstaltungsteilnehmern.

Die Wollenbergschule Wetter zeigte als „Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“ Flagge. Auch Vertreter aus den Nachbargemeinden waren gekommen, darunter der Vorsitzende der Cölber Gemeindevertretung, Heinrich Palz-Gerling, oder der Erste Stadtrat der Stadt Wetter, Hans Bernd Kuhnhen. Ein großes Polizeiaufgebot sicherte die Veranstaltung ab, da zur gleichen Zeit in der Goßfeldener Kaffeestraße eine Gegenkundgebung einer rechtsgerichteten Gruppe stattfinden sollte. Die Polizei musste jedoch nicht eingreifen, denn zur Kundgebung des „Volkstreuen Komitees für gute Ratschläge“ war nur der Anmelder erschienen. Um 12.10 Uhr erklärte er seine „Veranstaltung“ für beendet, während sich der bunte Festzug des Bürgerforums gegen 12.45 Uhr auf seinen Weg durch Goßfelden machte.

von Michael Agricola

Mehr lesen Sie am Montag in unserer Printausgabe.


  • Nazis sammelten sich in Marburg Günther – 19.04.10
    Die Nazis (ca. 15 - 20 Personen) standen gegen 11:30 Uhr an der Shell-Tankstelle in der Gisselberger Straße. Sie unterhielten sich uns stiegen auf einen Anruf blitzartig in ihre Autos und fuhren Richtung Innenstadt (Affenfelsen). Gibts Infos wo diese aufgetaucht sind? Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
  • Ergänzung: Rede der Gruppe d.i.s.s.i.d.e.n.t. Gerda Maler – 18.04.10
    // Wir freuen uns, dass sich etwas bewegt im Lahntal! Nur gemeinsam mit
    möglichst vielen Menschen, können Nazis wirkungsvoll bekämpft werden.

    // Wir freuen uns, dass es in der Gemeinde Lahntal Menschen gibt, die
    nicht einfach wegschauen, sondern aktiv geworden sind. Das Bürgerforum
    ist dabei ein wichtiger Schritt.

    Dass es in Lahntal ein Naziproblem gibt müsste eigentlich unstrittig
    sein: Übergriffe auf alternativ aussehende Menschen, Naziparolen im
    Jugendclub, eine rechte Spontandemo und Reichskriegsflaggen im Garten.
    Eigentlich müsste es da allen Beteiligten vor Ort leicht fallen, das
    Problem beim Namen zu nennen und klar gegen Nazis Stellung zu beziehen.

    Dass dies nicht immer so ist, es oft sehr lange dauert ist einerseits
    erschreckend, andererseits typisch. Statt das Problem zu benennen, wird
    viel lieber über Jugendgewalt debattiert oder gleich die wenigen
    alternativen und linken Jugendlichen vor Ort mit den Nazis unter dem
    Etikett Extremismus in einen Topf geworfen.
    Beides ist eine Verharmlosung dessen was in Goßfelden oder anderen Orten
    wie Wetzlar oder dem Schwalm-Eder-Kreis passiert.

    Gewalt nicht in ihrem Kontext zu sehen folgt einem allgemeinen Trend,
    links, rechts, Islamismus, Jugendgewalt etc. gleichzusetzen. Dabei
    verschwimmen aber Ursache und Wirkung. Nazis als gelangweilte,
    frustrierte Jugendliche zu verharmlosen wird dem Problem nicht gerecht.
    Die ausgeübten Gewalttaten haben das Ziel, politische GegnerInnen und
    Menschen, die von der nationalistischen Norm abweichen einzuschüchtern
    und ein nationalsozialistisches Klima der Angst aufzubauen, das kein
    Anderssein mehr zulässt. Dabei scheuen Nazis auch nicht vor Mord zurück.
    Mehr als 140 Menschen wurden seit 1990 von Neonazis ermordet. Und der
    Brandanschlag auf das Wohnhaus eines aktiven Antifaschisten in Wetzlar
    zeigt, dass so etwas auch hier in Mittelhessen passieren kann. Trotz der
    tödlichen Gefahr rechter Gewalt schickt sich die Bundesregierung an
    Fördermittel gegen Rechts zum Kampf gegen jeden Extremismus einzusetzen.
    Da passt es, dass der Verfassungsschutz ein immer stärker akzeptierter
    Partner in der Bildungsarbeit wird und landauf landab in Schulen, in der
    Lehrerbildung und vor besorgten BürgerInnen vor Extremisten warnen kann.

    Die Ideologie der Nazis und die daraus folgende Gewalt taucht nicht aus
    dem Nichts auf. Die These vom Extremismus, gegen den die imaginierte,
    demokratische Mitte verteidigt werden muss, verschleiert, dass wir in
    einem zutiefst gewalttätigen Gesellschaftssystem leben. Der Kapitalismus
    ist mitnichten die bestmöglichste und garantiert nicht die
    friedfertigste Gesellschaftsform. Herrschaftsverhältnisse wie Rassismus,
    Sexismus, Antisemitismus, Nationalismus sind fundamentale Bestandteile
    dieses Systems. Gewalt gegen MigrantInnen ist dabei höchste
    Staatsaufgabe. Sie werden in Lager gesteckt, man lässt sie im Rahmen der
    Flüchtlingsabwehr im Mittelmeer ersaufen oder schiebt sie in Ländern ab,
    in denen Verfolgung, Folter und Tod drohen. Rassismus erfahren
    MigrantInnen in erster Linie nicht durch Nazis, sondern von den
    Nachbarn, von der Chefin, auf der Ausländerbehörde.Die Bundeswehr mordet
    im Auftrag von Demokratie und Freiheit in Afghanistan. Die Polizei
    sichert die herrschende Ordnung mit Knüppel, Wasserwerfer und Pistole im
    Inneren ab. Menschen werden durch die Drohung ihres sozialen Untergangs
    zu den erniedrigsten Arbeiten gezwungen.

    Der Rassismus und Nationalismus der Nazis ist nur die Spitze des
    Eisbergs. Überall in der Gesellschaft sind diese Ideologien anzutreffen.
    Im Lahntal, in Marburg, im Osten wie im Westen.
    Zu allererst muss es Aufgabe sein die Neonazis aktiv in ihre Schranken
    zu verweisen. Es muss ihnen unmöglich gemacht werden andersdenkende
    Menschen anzugreifen und sich hinter der Dorfgemeinschaft zu verstecken.
    Es gilt sie aus der Deckung zu holen und das Offensichtliche zu
    benennen. Es darf keinen Rückzugsort für Nazis im Fußballclub, in der
    Feuerwehr, in der Dorfburschenschaft, im Jugendclub oder sonstwo geben.
    Ebenso muss dafür gesorgt werden, dass Alternativen für die nichtrechten
    Jugendlichen geschaffen werden. Ein selbstorganisierter, nazifreier
    Jugendclub oder Schulprojekte gegen Rassismus wären ein Anfang.
    Wer aktiv auf allen Ebenen mit allen Mitteln gegen Nazis vorgehen will,
    darf nicht bei der Kritik an einzelnen Nazicliquen stehen bleiben.
    Antifaschismus überlassen wir nicht dem Staat.
    In diesem Sinne: Gegen jede Extremismustheorie! Für einen aktiven
    Antifaschismus! ? faşizme karşı omuz omuza (türkisch: Schulter an
    Schulter gegen Faschismus; wörtlich übersetzt)
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  • Demo ks – 18.04.10
    OP schrieb: "...war nur der Anmelder, der Marburger Manuel Mann, erschienen"

    Die anderen hatten wahrscheinlich den Zug verpasst. Eine Gruppe saß vom Bahnhof, in Marburg und leisteten uns kurz Gesellschaft.

    Sie strahlten eine unheimliche Unruhe, Hass und Getriebenheit aus.
    In mir entstand der Wunsch mit ihnen zu reden, aber sie verschwanden so schnell.
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