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Holpriger Weg zum hehren Ziel

Cölbe Holpriger Weg zum hehren Ziel

Ein neuer Feuerwehrstandort und ein Zentrum für die ehrenamtliche Arbeit in Cölbe: Alles soll funktionell, modern, schön werden, so der Bürgermeister. Doch er scheint einige der Betroffenen eher verärgert zu haben.

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Das Haus Heuberg 1 in Cölbe wurde der Feuerwehr zugeschlagen. Bis auf die Bücherei sind die anderen Nutzer bereits ausgezogen. Doch nicht alle sind einverstanden mit der Art, wie dies gelaufen ist.

Quelle: Michael Agricola

Cölbe. Die Gemeindeliegenschaften am Heuberg in Cölbe sind ein Dauerthema im Ort. Erst war neben der Feuerwehr und der Bücherei auch der Kindergarten in den benachbarten Gebäuden - eher beengt - untergebracht. Nach dem Umzug der Kita in das neue Gebäude am Schubstein war der Weg frei für einen Umbau des Areals für die Belange der Feuerwehr. Die Pläne dafür sind - wie der Feuerwehrbedarfs- und Entwicklungsplan - noch in Arbeit und beide werden in diesem Jahr wohl auch nicht mehr fertig.

Dennoch hat die Gemeinde zwischenzeitlich auf den Raumbedarf der Brandschützer reagiert und der Feuerwehr Räume im alten Gebäude Heuberg 1 zugewiesen. So weit, so gut. Könnte man denken.

Doch dieser Schritt bringt Irritationen und Ärger mit den anderen Nutzern des Hauses, das außer vom Büchereiverein unter anderem auch vom Ortsbeirat und dem Arbeitskreis Flüchtlinge Cölbe genutzt wurde. Die fühlen sich in ihren Aktivitäten eingeschränkt und übergangen.

Denn Bürgermeister Volker Carle (parteilos) hat schon Pläne im Kopf für ein Begegnungszentrum rund um die Gemeindehalle, in dem die bisherigen Nutzer des Heubergs 1 und ein kleines Begegnungs­café eine neue Heimat finden könnten. Gesprochen habe er aber mit ihnen darüber konkret noch nicht, klagt Ortsvorsteherin Gisela Nagel-Rotarius: „Wir werden nicht eingebunden, wir sind von Entscheidungen des Gemeindevorstands betroffen, aber es wird vorher nicht mit uns gemeinsam überlegt, welche Möglichkeiten es gibt.“

Die bisherigen Nutzer des Heubergs 1 müssen aber schon Einschränkungen hinnehmen, auf die sie nicht gefasst waren. So ist die Bücherei zwar weiterhin im Gebäude untergebracht, Besucher sollen aber den ebenerdigen Hintereingang auf der Seite des Hofes nicht mehr benutzen, sondern den vorderen, den man nur über eine Treppe erreichen kann.

Hintereingang bleibt zu

Auch die Parkflächen auf dem Hof, die eigentlich ohnehin im Alarmfall den Feuerwehrmitgliedern vorbehalten sind, fallen für Büchereibesucher nun auch offiziell weg. Dafür wurden ein paar Meter weiter, vor dem Kindergarten, zwei Kurzparkplätze geschaffen, betont Carle, dass sich die Gemeinde durchaus um Ersatz bemühe.

Er bitte um Verständnis für die Situation, auch für die Einschränkung bei der Nutzung des hinteren Eingangs. Und erklärt dies an einem Beispiel: Die schwere Tür gehe nur nach außen auf, und wenn die Feuerwehrleute bei einem Alarm aus dem Gebäude zur Fahrzeughalle stürmten, könne ein vor der Tür Stehender verletzt werden.

Wenn so etwas passiere, „dann ist das Geschrei groß, und das wollen wir vermeiden“, so Carle. Natürlich könne der Eingang auch weiter mit der entsprechenden Vorsicht genutzt werden, wenn jemand den Vordereingang über die steile Treppe sonst nicht bewältigen könne.

Auch Bernadette Neckermann-Achterholt, Vorsitzende des Büchereivereins, bedauert, dass „wir nicht vorher darüber informiert wurden“, die Schließung der Tür sei von einem Tag auf den anderen erfolgt. „Es ist schade, dass nicht versucht worden ist, mit uns gemeinsam eine Lösung zu finden.“

Behelfsweise habe man sich auf folgenden Weg geeinigt: Wer zum Hintereingang hinein will, weil er die Vordertreppe nicht schafft oder zum Beispiel eine schwere Bücherkiste abgeben will, kann sich jetzt telefonisch beim Büchereiteam anmelden, dann wird die Tür geöffnet. Allerdings habe es auch schon einen unschönen Vorfall gegeben, bei dem ein Feuerwehrangehöriger eine Frau heftig angegangen sei, die eine Bücherkiste abgeben wollte, so Neckermann-Achterholt.

Ortsvorsteherin Nagel-Rotarius ist verärgert, weil sie die Räumung des Heubergs 1 für übereilt hält. „Ich verstehe nicht, warum wir das Haus Hals über Kopf verlassen mussten, wenn der Umzug der Feuerwehr doch nicht so schnell geht“, sagt sie. Der Bedarfsplan der Feuerwehr liege bis Ende des Jahres schließlich nicht vor. Die Räume würden auch noch nicht komplett von der Feuerwehr genutzt, teilweise stünden sie leer oder es würden Büromöbel dort gelagert. Volker Carle verweist darauf, dass die meisten Räume für die Nutzung durch die Brandschützer bereit seien. Es gehe erstmal darum, dass genug Räume für die Wehr zur Verfügung stehen und sie arbeitsfähig sei. Im zweiten Schritt würden die Planungen für den Umbau des Feuerwehrstandorts in Abstimmung mit der Bedarfsplanung entwickelt.

Schützenhaus wird frei

Wie ein neues Gemeindezentrum baulich umgesetzt werden könnte, sei dagegen noch offen, sagt Carle. Möglich macht diese Gedankenspiele überhaupt erst das Aus des Schützenvereins, der im Zuge seiner Auflösung das freiwerdende Schützenhaus schon an die Gemeinde übergeben hat.

Langfristig könnten auf diesem Gelände nach Carles Vorstellungen die Bücherei und ein Café einziehen, vielleicht sogar ein Heimatmuseum für die Gemeinde. Auch die Flüchtlingshilfe hätte dort eine neue Heimat. Sie kann derzeit wie der Ortsbeirat den Mehrzweckraum der Gemeindehalle nutzen. Für Materialien und die von Bürgern für Flüchtlinge gespendeten Sachen bot Carle übergangsweise Räume im Schützenhaus an.

Mit der Gemeindehalle und ihren Multifunktionsräumen, ausreichend Parkplätzen und dem Sängerheim in unmittelbarer Nachbarschaft wäre der aufgewertete Standort insgesamt ein großer Gewinn für Cölbe, glaubt Carle. Und das Gelände am Heuberg würde allein der Feuerwehr zur Verfügung stehen, es könnte dort bedarfsgerecht neu geplant und entsprechend umgebaut werden.

Bisher hat Carle die Rechnung aber offenbar ohne die bisherigen Nutzer gemacht. Und das ärgert nicht nur Gisela Nagel-Rotarius, die sich gewünscht hätte, dass Carle auch die neuen Pläne für ein Gemeindezentrum in der Friedhofstraße zuerst dem Ortsbeirat vorgestellt hätte.

Auch der Büchereiverein legt Wert auf gemeinsame Planungen nach den Bedürfnissen der Nutzer. Grundsätzlich sei man mit einem neuen Standort bei der Gemeindehalle einverstanden - wenn dort für alle Aktivitäten des Vereins genug Platz zur Verfügung stehe, zum Beispiel, dass er seine Flohmärkte ohne großen Aufwand beim Auf- und Abbau veranstalten könne, so Neckermann-Achterholt. Die Flohmärkte gehörten schließlich zu den wichtigen Einnahmequellen des Vereins, der damit auch die Gemeindefinanzen entlaste.

von Michael Agricola

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