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Hohe Kosten erstaunen selbst Ingenieur

Zukunft des Heimatmuseums Hohe Kosten erstaunen selbst Ingenieur

Diplom-Ingenieur Franziskus Hartmann stellte bei der Bürgerversammlung sein Konzept für die Instandsetzung des Heimatmuseums Caldern vor. Der entscheidende Punkt daran ist die Kostenschätzung.

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"Es ist ein schönes Bild, ein tolles Haus, aber der Schein trügt“, so Diplom-Ingenieur Franziskus Hartmann aus Gladenbach. Es gibt hochgradige Schäden - nicht nur im Holz.

Quelle: Tobias Hirsch

Caldern. „Ich habe versucht, nichts überzubewerten und nichts zu vernachlässigen, aber ich war selbst erstaunt über die Kosten“, bekannte Diplom-Ingenieur Franziskus Hartmann aus Gladenbach. Allein, um das aus der Zeit um 1700 stammende, 1982 abgetragene und an seinem jetzigen Standort aufgebaute Fachwerkgebäude zu erhalten, müsse man 393.000 Euro investieren. Für einen Teilausbau, um es zur weiteren Nutzung als Museum zu ertüchtigen, seien weitere 130.000 Euro nötig. Und das nur für einen Minimalstandard, darin wäre nicht einmal eine Heizung enthalten.

„Es ist ein schönes Bild, ein tolles Haus, aber der Schein trügt“, hatte Franziskus Hartmann zu Beginn seines Berichts alle Illusionen zerstört. Es gibt hochgradige Schäden im Holz, die Dachkonstruktion zeigt Schäden, die Dachlatten haben einen zu geringen Querschnitt, die Fenster Feuchteschäden und die massiven Wände des Kellermauerwerks weisen Risse auf. Sämtliche Innenwände sind mit Gipswänden verkleidet, dahinter „unkontrollierbare Hohlräume“. Die Innenwände zeigen Risse zwischen Gefach und Holzbalken. Vier der nur 15 Zentimeter hohen Deckenbalken seien von unten mit Bohlen versehen, dadurch fehlten drei Zentimeter und die Tragfähigkeit gehe „irgendwann in die Knie“. Die gesamte Holzkonstruktion habe viel unter dem in den vergangenen Jahren eingedrungenen Wasser gelitten.

Eigenleistungen "kein unerheblicher Posten"

Bei einer Instandsetzung müssten alle Gipskartonplatten, Wand- und Deckenverkleidungen entfernt werden, allenfalls vier Gefache würden übrig bleiben, also quasi nichts.

Ortsvorsteher Hans Jung fragte, wie es mit Eigenleistungen aussehe. Hartmann meinte, das wäre bei den Abbrucharbeiten möglich, was „kein unerheblicher Posten“ sei, ansonsten würde er es unter qualitativen Aspekten und wegen der Gewährleistungsansprüche nicht empfehlen.

Bürgermeister Manfred Apell erläuterte, wie es gemäß dem Beschluss der Gemeindevertretung vom 15. Dezember 2015 weitergeht. Auf der Grundlage der Kalkulation wird der Gemeindevorstand das Landesamt für Denkmalpflege, den Landkreis Marburg-Biedenkopf und den Heimat- und Geschichtsverein Lahntal bitten, zu prüfen, ob eine Kostenbeteiligung möglich ist sowie nach weiteren möglichen Zuschussgebern suchen.

Die abschließende Entscheidung der Gemeindevertretung werde entweder am 13. September oder am 7. November fallen. Apell wies darauf hin, dass laut dem aktuellen Statusbericht zum Haushaltsvollzug Lahntal wahrscheinlich den Haushaltsausgleich 2016 um 320.000 Euro verfehlen werde. „Das gilt es auf jeden Fall zu verhindern, unser gemeinsames Ziel muss es sein, den Haushaltsausgleich hinzubekommen“, sagte er. Margarete Müller kritisierte, dass sich die Kosten relativierten, wenn man berücksichtige, dass die Gemeinde als Besitzer dieses Denkmals über 30 Jahre nichts in die Erhaltung investiert habe.

Mängel durch Wiederaufbau waren vorprogrammiert

Apell entgegnete, es habe immer verschiedene Investitionen gegeben, aber er wolle nicht verhehlen, dass man mehr hätte tun können, wenn man genauer hingeschaut hätte. Jedoch gehe aus den mittlerweile drei Untersuchungen hervor, dass mit dem Wiederaufbau des Gebäudes die Mängel praktisch vorprogrammiert gewesen seien. „Die Gemeinde hätte mehr Geld ausgeben, das Dilemma verzögern, aber nicht verhindern können. Das geschah sicher nicht aus bösem Willen, man hat sicher das Beste gewollt“, sagte Apell.

Dirk Geißler, der als Vorsitzender der Gemeindevertretung die Leitung hatte, schloss die Versammlung nach 75 Minuten. Trotz des emotional besetzten Themas war sie sehr ruhig verlaufen.

von Manfred Schubert

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