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Hilfstransporter in Griechenland beschlagnahmt

Mit Auto der Gemeinde Cölbe unterwegs Hilfstransporter in Griechenland beschlagnahmt

Wo ist er bloß? Der Gemeinde Cölbe fehlt derzeit ein Fahrzeug aus dem gemeindeeigenen Fuhrpark. Die Frage lässt sich leicht beantworten. Der Wagen ist derzeit in Griechenland.

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Im Dezember wurde der neue Transporter vor dem Rathaus der Gemeinde Cölbe ausgeliefert. Jetzt steht er beschlagnahmt in Griechenland. Das Bild zeigt Gemeindevertreter, Mitarbeiter und Sponsoren bei der Übergabe.

Quelle: Archivfoto

Cölbe. „Wir bemühen uns gerade um die Rückführung“, sagt Cölbes Bürgermeister Volker Carle. Mit dem Wagen, ein Renault Neun-Sitzer, an sich ist nichts, er wurde dort allerdings von der griechischen Polizei beschlagnahmt.

Das klingt sicher dramatisch. Aber es gibt auch eine erklärende Geschichte dazu. Der Cölber Gemeindevorstand hatte vor Weihnachten in einer seiner Sitzungen beschlossen, den betreffenden Wagen einer Frau aus Cölbe für einen privat organisierten Hilfstransport nach Griechenland zur Verfügung zu stellen.

„Mein eigentliches Ziel war die Insel Lesbos. Doch während der Anreise kam es zu nicht eingeplanten Verzögerungen, so dass die Planung etwas verändert werden musste“, sagt die Frau gegenüber der OP. Eingeplant war ein Zwischenstopp im slowenischen Dobova, wo sie ihre Hilfe in einem Flüchtlingscamp anbot.

Flüchtlinge nicht im Auto mitnehmen

„Auf der so genannten Balkanroute sind Syrer, Afghanen und Iraker unterwegs. Menschen anderer Nationen werden eigentlich in Griechenland abgefangen und wieder in ihre Heimatländer zurückgeschickt“, berichtet sie. In Griechenland schließlich angekommen, brachte sie die Hilfsgüter nach Saloniki, wo sie auch dankbare Abnehmer fanden. Für sie ist es eine Selbstverständlichkeit zu helfen, wo Hilfe gebraucht wird.

Und so kam es schließlich zu einer gut gemeinten Hilfsaktion, die aber in Griechenland nicht erlaubt ist. Sie hatte sich mit gerade in Griechenland angekommenen Syrern getroffen, einer Familie mit vier Töchtern, die sie schnellstmöglich in einer Unterkunft wissen wollte. Dazu wollte sie die Familie zur Registrierung zur nächstgelegenen Polizeistation fahren, die rund 20 Kilometer entfernt war. Auf dieser Fahrt wurde die Frau von der griechischen Polizei gestoppt und musste überrascht zur Kenntnis nehmen, dass sie mit dieser Aktion etwas Verbotenes getan hatte.

Es ist in Griechenland nämlich verboten Flüchtlinge im Auto mitzunehmen, um sie innerhalb des Landes irgendwo hinzubringen. Den Vorwurf , eine Schlepperin zu sein, konnte sie entkräften, aber weil sie nun Flüchtlinge im Auto hatte, wurde sie dennoch von der Polizei festgehalten und konnte nur gegen eine Kaution ausgelöst werden und die Rückreise nach Deutschland antreten.

Beweismittel bleibt vorerst in Griechenland

Allerdings ohne das Auto der Gemeinde Cölbe. Dieses blieb als Beweismittel zurück in Griechenland. „Ich habe etwas getan, von dem ich nicht wusste, dass ich es nicht tun darf“, sagt die Frau. Dass die Gemeinde nun auf ihren Wagen warten müsse, tue ihr sehr leid. Für sie ist es keine Frage, für sämtliche Unkosten aufkommen zu wollen. „Die Gemeinde hatte mir den Wagen zur Verfügung gestellt und mir damit sehr geholfen. Da soll sie neben dem zeitlichen Ausfall des Wagens, für den die Gemeinde ja nichts kann, keine weiteren Nachteile haben, schon gar nicht finanziell“, so die Cölberin.

von Götz Schaub

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Gemeindeauto in Griechenland
Im Dezember 2015 wurde der neue Transporter vor dem Rathaus der Gemeinde Cölbe ausgeliefert. Jetzt steht er beschlagnahmt in Griechenland. Das Bild zeigt Gemeindevertreter, Mitarbeiter und Sponsoren bei der Übergabe. Archivbild

Hinfahren, auslösen, heimbringen. Klingt gut, einfach und machbar. Aber so läuft das nicht mit dem seit mehr als einem Jahr in Griechenland beschlagnahmten Auto der Gemeinde Cölbe.

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