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„Hast du Not, frag Loth“ heißt‘s in Caldern

Organistenjubiläum „Hast du Not, frag Loth“ heißt‘s in Caldern

Seit 60 Jahren versieht Heinrich Loth den Organistendienst in Caldern mit großer Zuverlässigkeit. Dieses außergewöhnliche Jubiläum des sympathischen Landwirts wurde mit einem Festgottesdienst gewürdigt.

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Der freudvolle Empfang nach dem Gottesdienst war zugleich die erste Veranstaltung in den neuen Gemeinderäumen im Pfarrhaus: (vorne von links) Ehefrau Katharina Loth, Heinrich Loth und Ortsvorsteher Kurt Vogt.

Quelle: Manfred Schubert

Caldern. „Organisten sind lauter gute Kerle“, zog Heinrich Loth den Schluss aus einer seiner zahlreichen Anekdoten während des Empfangs zu seinen Ehren, der ersten Veranstaltung in den neuen Gemeinderäumen im Pfarrhaus. Bei den Sitzungen der kirchlichen Mitarbeitervertretung des Kirchenkreises habe er erlebt, dass man manchmal etwas schlichten müsse, aber das habe nie die Organisten betroffen.

Wenn alle Kirchenorganisten so heiter und gelassen sind wie Heinrich Loth, dann muss das nicht verwundern. Und dazu hilfsbereit. „Hast du Not, frag Loth“, zitierte Pfarrer Marian Zachow in seiner Festgottesdienst-Predigt einen seiner Kollegen. Und mit einem Notfall hatte sie auch begonnen, die „Karriere“. 18 Jahre war Loth alt und hatte gerade einmal 70 Orgelstunden hinter sich, als Präzeptor Wilhelm Ehlich, der langjährige Calderner Organist, an Ostern 1953 einen Schlaganfall erlitt. Als die Nachricht eintraf, war er gerade im direkt neben dem elterlichen Hof gelegenen Pfarrhaus, und Pfarrer Ernst-Heinz Bachmann sagte zu ihm: „Herr Loth, jetzt sind sie dran.“

Erst einmal gestaltete der Posaunenchor die Gottesdienste, dem Heinrich Loth als Trompeter angehört und den er später 40 Jahre lang bis ins Jahr 2000 leiten sollte. Zeitweise leitete er auch den Chor in Sterzhausen. Nach diesem kleinen Aufschub war er dann wirklich dran, auch wenn er die Organistenprüfung erst 1958 in Schlüchtern ablegte. Und er fehlte in 60 Jahren fast nie. Sparsam gerechnet, so Zachow, habe Loth in Caldern bei 3600 Gottesdiensten gespielt. 1963 kam Kernbach hinzu, somit etwa weitere 1500, insgesamt also über 5000 Gottesdienste, andere Anlässe noch nicht eingerechnet.

Spontan sei er auch gewesen. Einmal habe das Telefon geklingelt, ein Paar wollte heiraten und hatte den Organisten vergessen. Das Problem: Es stand bereits vor dem Altar. Loth, eigentlich gerade auf dem Weg zum Feld, tauschte die Arbeits- gegen die Sonntagshose und begleitete die Hochzeit.

Verspätungen waren ebenfalls selten. Einmal allerdings kamen er und Pfarrer Rüdiger Dierks zu spät nach Kernbach. Kurz, bevor sie zusammen losfahren wollten, begann eine Kuh zu kalben. Der Pfarrer musste als Geburtshelfer mit anpacken und am Strick ziehen. Umgekehrt war Loth auch stets Ratgeber und Helfer für die Pfarrer. Er ist bis heute als Kastenmeister für das Zählen der Kollekten verantwortlich und verwaltet den Kirchenschlüssel, erzählte Annerose Fußmann vom Kirchenvorstand und überreichte dem Ehepaar Loth einen Reisegutschein als Dankeschön.

Beim Festgottesdienst zu seinem Jubiläum musste Heinrich Loth nicht „ran“. Entspannt konnte er mit seiner Frau Katharina, die seine Tätigkeit die ganzen Jahrzehnte mitgetragen hat, auf der vordersten Bank sitzen, während Joachim Muth die Orgel spielte und der Posaunenchor unter Leitung von Elisabeth Schneider musizierte. Bezirkskantorin Christiane Kessler, die ein Orgelpräludium beigetragen hatte, überreichte Heinrich Loth eine von Landeskirchenmusikdirektor Uwe Maibaum ausgestellte Ehrenurkunde. „Respekt vor solchem Engagement, ohne solche Menschen ginge es nicht“, las sie aus Maibaums Brief an Loth vor.

Etliche der etwa 120 Gottesdienstteilnehmer nahmen am Empfang danach teil. Dieser stellte zugleich die erste Veranstaltung in den neuen Gemeinderäumen im Pfarrhaus dar, die nach dem Verkauf des Küsterhauses hergerichtete wurden. Heinrich Loth dankte allen, die ihm auch in schweren Zeiten zur Seite gestanden und ihn unterstützt haben, besonders seiner „lieben Frau und den Kindern“. Er hoffe, dass er den Dienst noch einige Zeit weiter versehen kann.

von Manfred Schubert

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