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Harte Fronten in der Museumsdiskussion

Caldern Harte Fronten in der Museumsdiskussion

„Da steh ich nun, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor.“ Diese Worte kamen manchem Besucher der Bürgerversammlung in Caldern in den Sinn. Beim Thema Heimatmuseum prallen Positionen aufeinander.

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Interessierte Bürger schauten im Vorfeld der Versammlung die dringend sanierungsbedürftige Außenfassade des Gebäudes an. Im Untergeschoss wird eine Deckenabsenkung sichtbar. Während der Versammlung, zu der an die 100 Menschen ins Bürgerhaus kamen, hagelte es Kritik.

Quelle: Elvira Rübeling

Caldern. Am Ende der Versammlung sprachen einige Besucher das berühmte Zitat aus Goethes Faust im Chor laut heraus, als sie das Bürgerhaus Caldern zu später Stunde verließen.

Auch Bürgermeister Manfred Apell hatte es zuvor mit Lyrik versucht. „Allen Leuten recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann“ (Robert Bosch).

In der Bürgerversammlung, zu der geschätzt knapp 100 Calderner und Menschen aus umliegenden Dörfern erschienen waren, ging es unter der Leitung des Gemeindevertretungsvorsitzenden Dirk Geißler um den nunmehr schon seit mehr als zwölf Jahren andauernden Konflikt - um den Erhalt des örtlichen Heimatmuseums.

Der Bevölkerung, insbesondere den Mitgliedern des Heimat- und Geschichtsvereins, liegt dieses Kleinod am Herzen. In den vergangenen Jahrzehnten haben sie viel Liebe, Arbeit, Kraft und Geld investiert, um das alte Fachwerkhäuschen, das der Gemeinde als Domizil für ein Heimatmuseum vermacht worden ist, zu erhalten. Dies erläuterten die Mitglieder - bevor es in der anschließenden Diskussion gegenseitige Vorwürfe hagelte.

Gemeinde stellt 5 000 Euro jährlich zur Verfügung

Der Heimatvereins-Vorsitzende Volker Heine vertrat zusammen mit Margaretha Müller die Interessen des Heimat- und Geschichtsvereins (HGV), Bauamtsleiterin Sandra Riehl erörterte die Entstehungsgeschichte der gesamten Problematik um die Sanierung, Architekt Hartmut Kind bezog sowohl zu den Gutachten der Vergangenheit als auch zu dem neuen Sanierungsvorschlag des HGV Stellung.

Und Bürgermeister Manfred Apell wiederholte in aller Ausführlichkeit, warum damals die Sanierung des Heimat­museums im Zuge der Dorferneuerung einstimmig abgelehnt worden war und deshalb für ihn der Sachverhalt seit 2009 abgeschlossen sei: Im Zuge der Dorferneuerung im Jahr 2003/2004 sei das denkmalgeschützte Gebäude, das sich seit 1985 verbunden mit der Schenkung des ehemaligen Besitzers, Heinrich Heine, in Besitz der Gemeinde Lahntal befindet, zunächst in die Planungen einbezogen worden.

Doch aufgrund sowohl unterschiedlicher als auch sich gegenseitig widersprechender Gutachten, die hinsichtlich einer Sanierung sowohl von der Gemeinde als auch vom HGV beauftragt worden waren, wurde die Sanierung mit einstimmigem Beschluss der Gemeindevertretung abgelehnt. Eine Kostenschätzung von rund 327000 Euro aus dem Jahr 2005 lag diesem Beschluss zugrunde. 2009 fasste das Parlament den Beschluss, das Gebäude „möglichst lange als Museum zu nutzen, mit der grundsätzlichen Bereitschaft seitens der Gemeinde, für Unterhalt und kleine Renovierungen jährlich einen Betrag bis zu 5000 Euro zur Verfügung zu stellen“.

Zukunftsfähige Sanierung würde 500 000 kosten

Nun sei es an den Mitgliedern der Gemeindevertretung, ob sie dieses Projekt wieder aufnehmen und zu einer neuen Abstimmung bringen wollen, sagte Apell. Das schon damals dringend renovierungsbedürftige Heimatmuseum ist eines der ältesten Fachwerkhäuser in Caldern. Mittlerweile ist nicht nur die Fassade dringend sanierungsbedürftig. Im Obergeschoss hat sich teils der Fußboden abgesenkt.

Zurzeit liegen dem HGV drei Angebote unterschiedlicher Firmen für eine Teilsanierung vor - die Kosten belaufen sich danach auf 60000 bis 90000 Euro. Bei der Forderung des Vereins für die Sanierung des Kulturdenkmals berufen sich die Mitglieder auf die gesetzlich geregelte Verpflichtung der Gemeinde, dieses erhalten zu müssen. Architekt Hartmut Kind bewertete den neuen Teilsanierungs-Vorschlag des HGV als nicht durchführbar, weil beispielsweise eine Sanierung der bröckelnden Außenfassade ohne Innenarbeiten unmöglich sei.

Um das baufällige Haus zukunftsfähig zu machen, müsse eine Summe von rund 500000 Euro aufgewendet werden - ein Kosten-Nutzen-Verhältnis, das aus Sicht der Gemeinde inakzeptabel ist.

von Elvira Rübeling

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