Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / 2 ° Regenschauer

Navigation:
Häns‘che Weiss lässt die Gitarre sprechen

Sinti-Jazz Häns‘che Weiss lässt die Gitarre sprechen

Internationales Ambiente in Wetter: Der renommierte Sinti-Jazzer Häns‘che Weiss lud am Holocaust-Gedenktag mit seinem Trio zum Konzert in der ehemaligen Synagoge.

Voriger Artikel
Oberrosphe kämpft weiter für seine Idee
Nächster Artikel
„Die politische Schlagkaft wächst“

Der bekannte Gitarrist Häns‘che Weiss (Mitte) gastierte in der ehemaligen Synagoge Wetter.

Quelle: Freya Altmüller

Wetter. „Ich glaube, es wird Zeit uns vorzustellen“, sagt der Gitarrist nach drei, vier Stücken. „Da hätten wir einmal am Kontrabass Vali Mayer, am Klavier Micky Bamberger und ich bin das Häns‘che Weiss“.

Er ist ein gut gelaunter kleiner Mann mit kobaltblauem Hemd, Krawatte und Hosenträgern. Große Worte macht er nicht, zumindest nicht auf seinen Konzerten. „Ich spreche immer wenig, höchstens mal zehn Sekunden. Das nimmt so viel Zeit weg“, erklärt Weiss. Seine Wurzeln hat er im Sinti-Jazz. Er spielt Stücke von Django Reinhardt, aber auch Jazzstandards wie „Sweet Georgia Brown“ oder „For once in my life“.

Mal klingt das Klavier leichtfüßig, dann groovt der Bass und Weiss schrammelt auf der Gitarre, die schon mal an die Gipsy-Kings erinnert. So entsteht eine Mischung aus „loungigem“, groovendem und temperamentvollem Jazz. Dabei hat jedes Instrument seine Soloauftritte und jeder der drei Musiker kann sein meisterhaftes Können beweisen.

So richtig in Fahrt sind die Musiker in der zweiten Hälfte. Dann singt Bassist Vali Mayer auch, von „Didu“ zu seiner Bassmelodie bis zu „I can‘t give you anything but love“. Das Publikum überrascht er mit seiner Mundpercussion. Er hält die Hände an die Ohren und horcht, ob die Zuschauer mitmachen. Tatsächlich setzt eine Zuhörerin aus der ersten Reihe ein - es hört sich an wie einstudiert. Auch Häns‘che Weiss treibt gern sein Spiel mit den Zuschauern. Bei einem Stück spielt er Schlussakkorde, das Publikum fängt an zu klatschen. Der Gitarrist wiederholt die Töne noch einmal, der Applaus setzt aus und danach wieder ein, Häns‘che Weiss lächelt bübisch.

Später sind es seine Mitspieler, die Weiss zum Stutzen bringt. Er spielt eine arabisch angehauchte Melodie, Mayer und Bamberger schauen ihn an. Weiss zuckt mit den Schultern. Der Bassist steigt darauf ein und fängt an, auf dem Klangkörper seines Kontrabass zu trommeln, singt sogar ein paar Zeilen, die ebenfalls arabisch klingen. Irgendwann schüttelt er sich die Hände, zum Zeichen seiner Erschöpfung, und das Trio geht nahtlos zum nächsten Stück über.

Brunhilde Heß aus Wetter faszinierte „die Ausdruckskraft der Künstler und wie sie untereinander kommunizieren“. Manchmal hat man das Gefühl, man sieht drei Freunden zu, die zusammen jammen. Pianist Bamberger grinst beinahe während des gesamten Konzerts bis über beide Ohren seinen Onkel Häns‘che Weiss an, den man auch nur lächeln sieht. „Mit dieser lebhaften Musik, die so eine Lebens- und Spielfreude ausstrahlt, wollen wir das Leben feiern“, sagt Dr. Martina Kepper, die Vorsitzende des Träger- und Fördervereins der ehemaligen Synagoge. Und an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz am 27. Januar 1945 erinnern. „Für mich ist die Musik völkerverbindend, weil sie die Vielfalt der Kulturen auf einen musikalischen Nenner bringt“, meinte Brunhilde Heß.

von Freya Altmüller

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nordkreis

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr